Bugs oder auch komplexe Softwarefehler wird vielen von euch ein Begriff sein, da sie unter anderem häufig bei Computerspielen, mobilen Apps oder anderer codebasierter Technik auftreten. Aber auch im Poker-Sektor kommen Bugs natürlich vor und so stießen im Jahr 2008 einige ausgebuffte Pokerspieler auf einen gravierenden Softwarefehler bei Betfair Poker, der ausschließlich 6-Max Sit & Gos betraf.
Der märchenhafte Sit & Go Bug
Bei diesem Bug passierte folgendes: Wenn in der allerersten Hand alle sechs Spieler All-in gingen und alle exakt gleich viele Chips hatten (was der Fall war, da es die erste Hand war), wurde der tatsächliche Gewinner korrekt als Erster ausbezahlt. Soweit so gut. Der Knaller war allerdings, dass die übrigen fünf Spieler ALLE jeweils das volle Preisgeld für den zweiten Platz erhielten.
Da die Betfair-Verantwortlichen nachts nicht arbeiten, blieb der Fehler für geraume Zeit unbemerkt und eine Gruppe von Spielern machte den Reibach ihres Lebens. Ihnen war schnell bewusst was hier abgeht und das sie auf einen Bug gestoßen waren. Sie mussten dementsprechend die Gelegenheit nutzen, schmiedeten eine Plan und konnten relativ zügig die höchsten Buy-ins spielen und konnten innerhalb kürzester Zeit Hunderttausende Dollar Gewinn einfahren. In Pokerforen kursierten Gerüchte, dass der Gesamtschaden für Betfair bei knapp 1,7 Millionen Dollar lag, bevor das Unternehmen am nächsten Nachmittag reagierte.
Nach Entdeckung des Problems wurden die betroffenen Sit & Gos natürlich sofort geschlossen und für ein Software-Update über 24 Stunden deaktiviert. Dank Auszahlungslimits konnte Betfair wohl einen Großteil des Geldes zurückholen und ließ diverse Konten sperren.
Die Geschichte verbreitete sich natürlich wie ein Lauffeuer in Foren wie 2+2 und etliche Spieler versuchten daraufhin ebenfalls den Bug auszunutzen. Da der Fehler zwischenzeitlich jedoch behoben war, verloren zahlreiche Nachahmer stattdessen hohe Summen (probierten es angeblich direkt auf den höchsten Limits; schön doof) und verbrannten sich die Finger.
Rechtliche Schritte und The Telepgraph
Anfangs äußerte sich Betfair nicht öffentlich zum Vorfall, da intern die Klärung lief, wer wieviel zurückzuzahlen hatte. Die Angelegenheit wurde jedoch immer größer und sogar seriöse Medien wie „The Telegraph“ berichteten über den Vorfall und fingen an zu recherchieren.
Laut The Telegraph forderte Betfair betroffene Kontoinhaber auf die Gewinne umgehend zurückzuzahlen und drohte andernfalls mit rechtlichen Schritten bei Verweigerung. In einer E-Mail an die Spieler hieß es sinngemäß:
„Sie haben kürzlich Auszahlungen aus Sit & Go-Turnieren auf Betfair Poker erhalten, die zu höheren Beträgen führten als beabsichtigt. Die betreffenden Spiele waren fehlerhaft so konfiguriert, dass in bestimmten All-in-Situationen alle Beteiligten ausbezahlt wurden. Dies wurde von Ihnen und anderen ausgenutzt, um in kurzer Zeit erhebliche Gewinne zu erzielen. Die dadurch entstandenen Gewinne sind zurückzuzahlen.“
Die „Einigung“
Betfair fuhr Gerüchten zufolge wohl richtig große Geschütze auf und der Großteil der Spieler zahlte die offenen Beträge daher wohl relativ zügig zurück. Anschließend – nach diesen Forderungen und den Drohungen – verschwand der Vorfall nach und nach aus der öffentlichen Diskussion und geriet weitgehend in Vergessenheit.
…hätten die Jungs nicht direkt übertrieben, würden sie die Kuh eventuell noch heute melken.
