Scheiße ist das groß hier! Ein Stadionparkplatz so groß wie drei Ikea-Parkplätze und Sektoren, die wahrscheinlich nur alphanumerisch benannt werden können, weil nur Zahlen und Buchstaben nicht ausreichen würden. Betsson spielt die GSOP im ehrwürdigen Old Trafford Stadion mit seinen fast 80k Sitzplätzen zu Manchester und alles ist sehr britisch.
Rund 50 deutsche Spieler qualifizierten sich sich über das Ongame Netzwerk für das erste Turnier der zweiten Saison der Grand Series of Poker. Wenn jetzt so mancher glauben mag, dass diese Serie nur eine der Hobbyspieler ist, welche auch mal die Luft der großen Turniere schnuppern wollen, so haben sich diese schwer getäuscht. Wenn im letzten Jahr die spielerische Qualität wirklich etwas von einem Pokerausflug des Bollerwagenvereins Oberursel – Stierstadt hatte, so hat sich dies, aus welchen Gründen auch immer, geändert. Klar, gibt es noch den einen oder anderen am Tisch, der seine Hand aus Unwissenheit überspielt oder den Standard gewordenen Open Raise von 2,5 BB ignoriert, aber der Großteil des Feldes hat eine überraschend hohe Spielqualität. Diese ist nicht durch geübte ChipTricks erkennbar, sondern einfach durch solides Spiel.
Durchaus bekannte Spieler wie John Tabatabai, Morten Mortensen, Fabian Holling, Markus Herbel und Alexander Debus haben den Weg nach Manchester gefunden. Sicher auch aus dem Grund, dass sie im Glauben waren, eine „Edge“ dem restlichen Feld gegenüber zu haben, später dann aber erkennend müssen, dass die spielerische Qualität sich auch bei „Online qualifizierten Hobbyspieler“ sichtbar verbessert hat.
Ein Buy-in von $1,500 bei 256 Spielern ergibt immerhin einen Preispool von $382.000 und $82.237,50 (auf die 50 Cent muss bestanden werden) für den ersten und immerhin noch $3.483 für den 36., so viele Plätze werden nämlich bezahlt.
Begonnen hat alles, wie immer, mit einer Playersparty. Nett, motiviert und wie immer bei solchen Playerparties, ist es eher ein Aufmarsch von Pokerspielern, welche über ihre großen Turniere reden, welche sie vielleicht oder auch wirklich gespielt haben und weniger eine Party. Gut, Frei-Alkohol war in begrenzter Menge vorhanden und ein Geschicklichkeitskünstler zeigte Kartentricks, die ihn für alle Zeiten von jedem Pokerevent diqualifizieren dürften. Unter den staunenden Gästen fundamentierte sich bald der Glaube, dass der Typ wirklich zaubern könne, denn so krank war seine Show inmitten der Gäste.
Aber zu einer Party gehört einfach ein wenig mehr, als ein bisschen Alkohol, Fingerfood und ein Zauberkünstler in einem stylischem und sicher nicht günstigen Club. Aber da kann die perfekte Organisation von Ongame wirklich nichts dafür, denn was auf jede Party gehört, ist ein angemessener Frauenanteil, und Ongame kann die miserable Frauenquote bei Pokerturnieren auch nicht heben. Trotzdem war es ein netter Abend für Pokerspieler, aber eben keine richtige Party.
Unpünktlich um 12:38 wurde das Turnier in den heiligen Hallen des Old Trafford Stadions „angepfiffen“. Ein großer Raum, in dem sich im Normalfall der Vorraum, oder besser, die Vorhalle zu den VIP-Loungen des Stadions befindet. Nicht unbedingt einer der schönsten Pokerräume dieser Erde, aber sicher einer der spannendsten und kreativsten.
Wenn die Dealerleistung der GSOP in Sevilla oder auf Malta eine der schlechtesten war, so kann man diesmal von einem gut ausgebildeten und nicht mit Fachunkenntnis gestraften Kartengeberpersonal dienen. Qualitativ sicher mit denen von TK-Events zu vergleichen.
Die Struktur kann man als angemessen international bezeichnen.
20.000 Start-Stack und Blinds, welche sich stundenweise erhöhen – beginnend mit 25/50.
Am Tag eins erwischte es 145, das heißt über die Hälfte des Feldes wurde unter Jammern, Fluchen und Stöhnen dahingerafft – so sehen es zumindest die verbliebenen 111.
Eine Besonderheit stellt die von Fränzi Wostrack liebevoll betreuten Betsson-Spieler dar. Wie aus dem Lexikon für interessante Nachnamen setzt sich das Team von Betsson zusammen: Löwenstern, Erfurt, Frommherz und Säuberlich (Pascal, Johannes, Martin und Martin). Wobei nur Erfurt und Frommherz Tag zwei erreichen durften.
Dieser zweite Tag wurde im bisher geilsten aller bisherigen Pokerräume diesseits des Äquators gespielt. In der „Evolution-Lounge“ mit Blick auf das Spielfeld von Manchester United, während die Mannschaft weit unten am Rasen ihr Schusstraining absolvierte. Gut, das stimmt jetzt nicht, hätte aber diese einzigartige Zeit, nämlich während des Pokerns im Old Trafford perfekter gemacht, als er ohnehin schon war.
Fazit: Gute Struktur, gute Organisation, überraschend hohe spielerische Qualität und eine grandiose Betreuung vom Betsson-Team für Spieler und anwesenden Presse, die auf ihre Art ja auch käuflich ist – sei es auch nur mit einem „Bitter“ in einem Pub mitten in Manchester.
Shuttle – Service
Location Tag 1
Ausblick vom Turnierbereich
Turnierbereich Tag 2