- Starkes Signal: Oberstes Gericht Chiles lässt über 190 illegale Glücksspielseiten blockieren.
- 3,1 Mrd. US-$ Verlust: Illegaler Markt untergräbt staatliche Einnahmen und Lizenzmodelle.
- Poker betroffen: Nur staatlich konzessionierte Anbieter dürfen legale Pokerspiele betreiben.
Der Oberste Gerichtshof Chiles hat am 29. September 2025 ein bedeutendes Urteil gefällt, das landesweit für Aufsehen sorgt: Sechs große Internetanbieter müssen ab sofort den Zugang zu über 190 illegalen Online-Glücksspielseiten sperren. Damit will das Gericht das staatliche Glücksspielmonopol schützen und dem Milliardenmarkt des unregulierten iGaming-Sektors einen Riegel vorschieben. Die Entscheidung wurde am 3. Oktober offiziell veröffentlicht.

Die initiierende Klage kam von der Lotería de Concepción, einem der wenigen legalen Anbieter im Land. Generaldirektor Mario Parada erklärte, dass in Chile Glücksspiele ohne staatliche Lizenz grundsätzlich verboten seien. Nur Institutionen wie Polla Chilena, staatlich genehmigte Casinos und eben die Lotería de Concepción dürfen überhaupt legale Angebote unterbreiten, Poker eingeschlossen. Der Oberste Gerichtshof erklärte die Weigerung der Provider, entsprechende Seiten zu blockieren, für willkürlich und rechtswidrig.
Chile Court Orders Internet Providers to Block Online Gambling https://t.co/7gZrx2jR4I
— Bloomberg (@business) September 30, 2025
3,1 Milliarden Dollar Schaden durch illegale Anbieter
Die wirtschaftlichen Dimensionen des Urteils sind enorm. Der illegale Online-Glücksspielmarkt in Chile generierte allein 2024 geschätzte 3,1 Milliarden US-Dollar Umsatz. Dem gegenüber stehen rund 300 Millionen US-Dollar, die von den offiziellen Anbietern erwirtschaftet wurden, wovon immerhin 150 Millionen US-Dollar in Form von Steuern und Spenden an den Staat und soziale Projekte zurückflossen. Die Differenz verdeutlicht, warum die autorisierten Betreiber so vehement auf ein härteres Vorgehen drängen.
Die Lotería fordert darüber hinaus, dass frühere illegale Anbieter für mindestens zwei Jahre nach Einführung einer möglichen neuen Lizenzvergabe ausgeschlossen werden. Dies würde viele Poker- und Casinoanbieter, die aktuell mit chilenischen Kunden operieren, hart treffen.
Sperren allein reichen nicht aus
Trotz des Urteils gibt es technische Herausforderungen. Kritiker warnen, dass Nutzer mithilfe von VPNs, Proxys und alternativen Domains weiterhin auf gesperrte Angebote zugreifen könnten. Auch in anderen Ländern, darunter Deutschland oder Japan, zeigen Erfahrungen, dass solche Blockaden allein oft nicht genügen, um den Schwarzmarkt effektiv zu bekämpfen. Dennoch setzen Befürworter auf die Signalwirkung des Urteils, auch im Hinblick auf eine geplante umfassende Regulierung des chilenischen Glücksspielrechts.
Ein sensibles Thema bleibt die Rolle von Zahlungsdienstleistern und Medien, die weiterhin mit illegalen Plattformen kooperieren. Laut Gericht könnten auch sie in Zukunft juristisch belangt werden. Für Anbieter legaler Poker- und Glücksspielformate, etwa unter dem Dach von staatlich konzessionierten Casinos, öffnet sich damit eine neue, klarer regulierte Zukunftsperspektive.
Mit dem mutigen Schritt vor den Obersten Gerichtshof positioniert sich Chile jedenfalls als Vorreiter im Kampf gegen illegales Glücksspiel in Südamerika. Das Urteil dürfte auch in Ländern wie Argentinien, Brasilien oder Kolumbien genau beobachtet werden.