Daniel Negreanu reagiert auf Coaching-Skandal bei WSOP

  • Live-Rauswurf: Tony ‘Ren’ Lin wird an Tag 2 des 5.300-US-Dollar-Main-Events der WSOP Zypern disqualifiziert
  • Online-Coaching: Lin gab laut Chatverläufen einem Finalisten während eines laufenden GGMillion$-Turniers Live-Tipps
  • Reue und Rückzahlung: Lin entschuldigt sich öffentlich und erstattet das umstrittene Preisgeld gemeinsam mit dem Sieger

Tony „Ren“ Lin wurde mitten im World Series of Poker Super Circuit Main Event auf Zypern disqualifiziert. Der 36-Jährige wurde am zweiten Turniertag überraschend aus dem 5.300-US-Dollar-Event ausgeschlossen.

Daniel Negreanu am Pokertisch.
Negreanu steht Lin zur Seite.

 

Grund ist kein Fehlverhalten am Live-Tisch, sondern ein schwerwiegender Verstoß gegen die Online-Richtlinien des Veranstalters. Und der könnte weitreichende Konsequenzen haben.

Echtzeit-Coaching im Online-Finale

Auslöser des Skandals war ein Vorfall beim GGMillion$-Online-Poker-Turnier am 14. Oktober. Dort gewann der Spieler „RealOA“ das Turnier samt 346.903 US-Dollar Siegprämie. Kurz darauf meldete sich allerdings der Drittplatzierte „Buzzcut“ mit brisanten Vorwürfen: Lin soll dem späteren Champion während des laufenden Finales über eine Bildschirmfreigabe Echtzeitanweisungen gegeben haben. Screenshots und Chatverläufe belegen laut Buzzcut, dass Lin dem Gewinner in einer Online-Konferenz konkrete Spieltipps gegeben und sich später dafür entschuldigt habe.

In einer der veröffentlichten Nachrichten heißt es: „Vielleicht ist das heutzutage ganz normal im Poker, aber fair ist es nicht. Wenn ich ihn nicht beraten hätte, wärst du vielleicht nicht Dritter geworden. Es tut mir leid.“ 

GGPoker sah darin einen klaren Verstoß gegen die eigene Integrity Policy, die externe Hilfe während des Spiels strikt untersagt. Lin wurde daher online sanktioniert und aus dem Live-Turnier auf Zypern entfernt.

Reue, Rückzahlung und Rückhalt von Negreanu

Tony Lin veröffentlichte am Sonntagmorgen ein öffentliches Schuldeingeständnis auf X, in dem er sich bei allen Beteiligten und der Plattform entschuldigte. Er beteuerte, keinen finanziellen Vorteil aus dem Coaching gezogen zu haben und auch keinen Anteil an „RealOA“s Buy-in gehalten zu haben. Die Aktion sei spontan gewesen, aus dem Impuls heraus, einem Freund zu helfen. Dennoch erkenne er den Fehler und wolle daraus lernen.

Ein Großteil der umstrittenen Siegprämie sei laut Lin bereits von „RealOA“ zurückgegeben worden, den Rest habe er selbst beglichen. Das Geld wurde direkt an die Plattform übermittelt und soll jetzt fair verteilt werden. 

Für Rückenwind sorgte derweil Poker-Legende Daniel Negreanu, der Lin auf X verteidigte: „Er hat einen Fehler gemacht, steht aber dazu. Das zeigt Größe.“ Ob GGPoker ihn als Markenbotschafter halten wird, ist allerdings noch offen.

Update vom 22.10.2025: Ren Lin und RealOA von GGPoker und WSOP ausgeschlossen

Nach dem aufsehenerregenden Coaching-Skandal um Tony „Ren“ Lin beim GGMillion$-Finale am 14. Oktober 2025 hat GGPoker nun offiziell durchgegriffen. Der Spieler mit dem Handle „RealOA“ wurde dauerhaft von GGPoker, allen Partnerplattformen sowie der World Series of Poker ausgeschlossen. 

Das Preisgeld von 346.903 US-$, das „RealOA“ ursprünglich gewonnen hatte, wurde vollständig eingezogen. 250.523 US-$ direkt von dessen Online-Konto, die restlichen 96.380 US-$ zahlte Lin aus eigener Tasche.

Tony „Ren“ Lin wurde ebenfalls mit sofortiger Wirkung und auf unbestimmte Zeit gesperrt. Die Sanktionen gelten sowohl für alle GGPoker-Plattformen als auch für WSOP-Events, inklusive des kommenden WSOP Paradise.

Entschuldigung bleibt ohne Wirkung

In seiner öffentlichen Erklärung beteuerte Lin, keinerlei finanziellen Vorteil aus dem Coaching gezogen zu haben. Er habe weder Anteile an „RealOA“s Buy-in gehalten noch irgendeine Form von Gegenleistung erhalten. Dennoch zeigte er sich „tief beschämt und reuig“, sei bereit, alle Konsequenzen zu tragen und wolle aus dem Vorfall lernen. Die Erklärung stieß bei einigen Fans und Profis, darunter Daniel Negreanu, auf Verständnis, doch für GGPoker zählte am Ende allein das Prinzip: Verstöße gegen die Integritätspolitik werden konsequent geahndet.

In einem offiziellen Schreiben mit dem Titel Our Message to the Poker Community unterstrich GGPoker drei zentrale Prinzipien: Erstens werde jede Form von unfairem Verhalten aufgedeckt und sanktioniert. Zweitens gelten die Konsequenzen sofort und plattformübergreifend. Drittens erhalten betroffene Spieler eine faire Rückerstattung. Zugleich betonte das Unternehmen, dass Coaching über private Kanäle schwer zu verhindern sei, man arbeite jedoch kontinuierlich daran, die Erkennungssysteme zu verbessern. Vertrauen und Chancengleichheit seien unverzichtbare Säulen des Pokersports.

    Yannick Schroth

    Yannick findet man immer dort, wo das WLAN stabil ist und Poker gespielt wird. Als digitaler Nomade schreibt er seit Jahren über das, was ihn wirklich packt: spannende Hände, emotionale Showdowns und die Menschen hinter den Chips. Während des Studiums machte er sich selbständig, um seine Reisen mit dem Schreiben zu finanzieren, blieb dann aber zumindest journalistisch am Pokertisch hängen. Heute liefert er Hintergrundberichte, News und Momentaufnahmen aus der Szene.

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