Kolumnen

Das Poker King Weekend in Kufstein oder „Wann ist ein Deepstack wirklich ein Deepstack“

Gute Pokerturniere liegen in entfernten Ländern und sind ziemlich teuer. – Mit dem Mythos der Kosten habe ich in meinen letzten Berichten ja schon mehrfach aufgeräumt. Aber es machte trotzdem schon ein wenig den Eindruck, als ob man sehr reisefreudig sein muss, um solche Turniere spielen zu können. Zumindest für mich als Münchner heißt es aber im Dezember tatsächlich turniertechnisch gesehen endlich auch mal wieder “Back Home”!

Meine neue Pokerheimat, das Poker Royale in Kufstein, hatte ich ja schon vorgestellt. Und so wie mir gefällt es dort offensichtlich auch vielen anderen. Daher ist in Kufstein, auch nachdem die Eröffnungseuphorie verflogen ist, immer noch ein echtes „Full House“ angesagt. Bei den Turnieren sind 70 Teilnehmer inzwischen keine Seltenheit mehr.

Nach so einem erfolgreichen Start war es daher nur eine Frage der Zeit bis man sich nun auch an ein größeres Event wagt. Vom 18. bis 20. Dezember 2009 ist es soweit und das “Poker King Weekend” ist das erste große Highlight für die Manschaft in Kufstein und bietet gleichzeitig einen würdigen Jahresabschluss.

Wer mich schon länger kennt weiß, dass ich ein echter “Strukturfetischist” bin. Als mir Turnierleiter Daniel Dawid zum ersten Mal vom zweitägigen Poker King Main-Event erzählte, klangen natürlich 20.000 Startchips und 40 Minuten Level bei einem Buy-In von €200+20 gar nicht schlecht. Aber auch er musste sich von mir anhören, dass diese Informationen ohne die tatsächlichen Blindlevel nicht viel Aussagekraft hätten. Seine Antwort? “Ich solle mir keine Sorgen machen, er würde sich schon darum kümmern, dass es richtig gut werden würde”.

Und so wie es aussieht, hat er Wort gehalten. Die komplette Struktur kann man am Ende des Artikels selber nachlesen. Trotzdem möchte ich die Gelegenheit nutzen und an diesem Beispiel einmal genauer betrachten, was denn nun eine gute Turnierstruktur ausmacht.

Lange Zeit war für mich das entscheidende Kriterium der sogenannte “Patience Faktor”. Arnold Snyder’s Vergleichswert aus seinem Buch „Poker Tournament Formula“ betrachtet die Frage, wie lange es ein Spieler theoretisch aushalten könnte, bevor er ausgeblindet wird. Dementsprechend gehen in seine Formel die Blindstufen, Blindlängen und die Anzahl der Startchips ein. Je höher der Wert, desto höher die Qualität eines Turniers, so Snyder. Das Poker King Main-Event bringt es hier auf einen hervorragenden PF=31,71. Damit kann man sich direkt mit so hochkarätigen Strukturen wie denen der ebenfalls zweitägigen Venetian Deepstacks in Las Vegas vergleichen.

Leider ist das nur die halbe Miete. Denn der Patience Factor betrachtet selbst bei gut strukturierten Turnieren “nur” die ersten 9-10 Level. Alles danach geht nicht mehr in die Bewertung ein. Aber genau in der Mittel- und Endphase mutieren viele Turniere trotz extrem vieler Startchips zu echten Crapshoots. Der bekannte amerikanische Turnierdirektor Matt Savage geht sogar soweit, dass er bei einem Deepstack lieber am Anfang auf einige Level verzichtet um den Teilnehmern dafür am Ende eine flachere Struktur bieten zu können. Eine sehr gute Struktur wie die der Venetian Deepstacks steigt z.B. in den mittleren und späten Phasen bis auf wenige Ausnahmen nur zwischen 12% bis 35% von Level zu Level. Darüber hinaus starten die Antes relativ früh. Denn dies generiert eine gesunde „Action“ am Tisch.

Und auch hier braucht sich das Poker King Main-Event nicht zu verstecken. Nur in den ersten vier Level findet man große Sprünge danach geht es ähnlich moderat wie im Venetian weiter. Darüber hinaus ist der Beginn der Antes im Level 4 ebenfalls optimal gesetzt.

Die schwierigste Frage für jeden Turnierleiter ist es aber zu ermitteln, wie lange das Turnier tatsächlich dauert und wann die Geldränge bzw. der Finaltisch erreicht werden. Denn auch wenn man den Spielern optimale Bedingungen bieten möchte, sollte das Ende ja in einem definierten Zeitrahmen erreicht sein.

Hätte das Poker King Main-Event z.B. 100 Teilnehmer, dann wäre es wünschenswert, dass der Finaltisch und das Geld im oder vor dem Level 13 erreicht werden. Denn zu dieser Zeit würde der Chip-Durchschnitt einen M=20 aufweisen. Also optimale Bedingungen um auf ständige All-Ins zu verzichten und richtiges Poker zu spielen, wenn es um „das richtige Geld“ geht. Sollte es dann aber doch ein wenig länger dauern, hat das Poker Royale Kufstein ganz im Sinne von Matt Savage genau in dieser Phase eine extrem flache Struktur aufgesetzt. Somit dauert es von hier an noch ganze vier Level (2,5 Stunden) bis der durchschnittliche M auf den Push-and-Fold Wert von 10 sinkt. Ob die Bubble also am Ende des ersten Tages oder erst am Anfang des zweiten Spieltages platzt, sollte für den Spielspaß praktisch unerheblich sein.

Ich freue mich jedenfalls schon riesig auf ein Pokerwochenende das ein Main-Event mit einem für unsere Breitengrade mehr als hervorragenden Preis-/Leistungsverhältnis bietet. Für alle, die jetzt ebenfalls Appetit auf einen vorweihnachtlichen Ausflug nach Kufstein bekommen haben, hier die genauen Termine des Poker King Weekends. Weitere Details findet Ihr unter www.pokerroyale.at.

• Fr. 18.12 um 20:00 Uhr – NL Holdem Turnier, €50+7 mit einem Rebuy, Startchips 4.000
• Sa. 19.12 um 17:00 Uhr – Poker King Main-Event, €200+20, 20.000 Startchips, €10.000 Preisgeld garantiert
• So. 20.12 um 14:00 Uhr – Finale Poker King Main-Event
• So. 20.12 um 20:00 Uhr – Omaha Turnier, €30+5 mit einem Rebuy, Startchips 5.000

Struktur des Main Events:
20.000 Startchips, 40 min. Level

1. Tag
Level 1: 50 / 100
Level 2: 100 / 200
Level 3: 150 / 300
Level 4: 50 – 150 / 300
Dinnerbreak 40min, Pause sollte ca. 19:45 sein
Level 5: 50 – 200 / 400
Level 6: 50 – 300 / 600
Level 7: 50 – 400 / 800 Chiprace 50
Pause 10min 22:20
Level 8: 100 – 500 / 1.000
Level 9: 100 – 750 / 1.500
Level 10: 250 – 1.000 / 2.000
Pause 10min 0:30
Level 11: 250 – 1.250 / 2.500
Level 12: 250 – 1.500 / 3.000
Level 13: 500 – 2.000 / 4.000
Level 14: 500 – 2.500 / 5.000
ca. 3:30

2. Tag
Level 15: 500 – 3.000 / 6.000
Level 16: 500 – 4.000 / 8.000
Level 17: 1.000 – 5.000 / 10.000
Level 18: 1.000 – 7500 / 15000 Chiprace 250
Pause 15min 16:20
Level 19: 2.000 – 10.000 / 20.000
Level 20: 3.000 – 15.000 / 30.000
Level 21: 4.000 – 20.000 / 40.000
Level 22: 5.000 – 25.000 / 50.000 Chip Race 1.000
pause 15min 19:00
Level 23: 5.000 – 30.000 / 60.000
Level 24: 5.000 – 40.000 / 80.000
Level 25: 10.000 – 50.000 / 100.000

PS: Wer sich für weitere Details zu Arnold Snyder’s Patience Factor bzw. Harrington’s M interessiert sollte folgende Quellen lesen:
http://www.pokertournamentformula.com/online_poker_tournament_strategy_patience_factor.htm
http://en.wikipedia.org/wiki/M-ratio


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lucky19
11 Jahre zuvor

hy hab ne frage kann mir jemand eine nummer oder so geben wo man sich da anmelden kann oder bekommt man da einen Platz bei den turnieren ohne Anmeldung ???
mfg

partybong
11 Jahre zuvor

hört sich nach einer guten struktur an. da du dich ja scheinbar mit dem thema auskennst was hälst du hier von:
eine struktur bei der die blindlevel entsprechend der spielerzahl steigt, so dass man immer den selben average stack hat.in diesem beispiel 60bb. bsp: startstack 3000, level 1 25/50. level 2 30/60…. somit beginnt level 2 wenn der average stack auf 3600 (60×60) gestiegen ist. level 3 40/80 wäre dann bei 4800 average usw…

partybong
11 Jahre zuvor

ich nochmal. man muss aber auch sagen, dass jedes durchschnittliche 30$ online turnier genauso deep ist wie die meisten live „deepstack“ turniere. im durschnitt ist der startstack online nach 1 stunde noch 30bb wert. 1 stunde online an einem tisch sind c.a. 60 hände. 60 hände brauch man live wohl eher 2-3 stunden für. bei dem von dir genannten turnier wäre man nach 60 händen vermutlich in level 5 (200/400) was 50bb entspricht und zeigt dass es hier wirklich ein deepes turnier ist. zumindest in der anfangsphase.

matthias
11 Jahre zuvor

Also bei allem Lob für die Struktur: Welche Chip-Denoms sind denn in Verwendung beim Poker Royale?

Nach Level 7 ist ein Chiprace 50 angekündigt, Level 9 zeigt Small Blind 750. Sollte nicht ein „unüblicher“ 250-Chip im Spiel sein, kann der Small-Blind nicht bezahlt werden.

Daniel Dawid
11 Jahre zuvor

@ matthias

Level 18 / Chiprace der 250er Jetons

matthias
11 Jahre zuvor

stimmt! hab ich selber zu ungenau hingeschaut.. jaja, es war einfach früh 🙂