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Der Split Pot, der keiner war

Am Final Table eines großen Events auszuscheiden, ist bitter. Noch bitterer ist, wenn man eigentlich gar nicht ausgeschieden wäre. Die Poker Community ist in Aufruhr, vor allem die Amerikaner. Denn Pierre Kauert schied beim WSOP Cirucit Main Event im King’s Resort Rozvadov auf Rang 5 aus – in einem Splitpot.

Die Situation:

Weder Pierre, noch die Dealerin, noch die anderen Spieler am Tisch, noch das TV Team, noch der Tournament Director oder irgendein Spieler, der die Hand auf der großen Leinwand im King’s mitverfolgte, sah den Split Pot. Oder vielleicht hat ihn sogar jemand gesehen, aber nichts gesagt.

Natürlich besagt das Reglement, dass eine gewinnende Hand, die offen im Showdown war, nicht gemuckt werden kann. Aber Regel 71 besagt auch das:

71. Killing Winning Hand: A dealer cannot kill a winning hand that was tabled and was obviously the winning hand. A tabled hand is defined as a hand that a Participant places on the table such that the dealer and all Participants at the table can read. Participants are encouraged to assist in reading tabled hands if it appears that an error is about to be made.

Tatsächlich gab es in besagter Hand # 35 keine Reklamation. Erst der Livestream brachte den „Skandal“, der keiner ist. Es ist zwar tragisch, dass niemand reagiert hat, aber das WSOP Reglement (aber auch die TDA und vermutlich alle anderen Reglements) sind eindeutig – wenn die nächste Hand beginnt, gibt es keine Reklamation mehr:

„76. Disputed Pots: The right to dispute a hand ends when a new hand begins. A hand begins with the first riffle of the deck.
When an automatic shuffler is being used, a hand begins with the push of the green button to access the deck.“

(WSOP-Reglement)

Der Livestream läuft mit Zeitverzögerung. Es hilft nicht, wenn man dann den Fehler entdeckt. Es ist auch nicht der erste Fehler in einem Livestream, auch ist das King’s nicht exklusiv das einzige Casino, in dem so etwas passiert.

WPT Tournament Direktor Matt Savage sieht die Sache klar:

King’s Pokerchef Federico Brunato hat mittlerweile auch ein Statement abgegeben:

Auch wenn die Twitter und 2+2 Community die Wellen wieder hochgehen lässt – die Entscheidung und das Reglement sind hier eindeutig. Schlimm genug für alle Beteiligten, dass ein Fehler passiert ist, aber er ist nun mal passiert. Wüste Beschimpfungen und Skandalrufe helfen niemanden, denn so unangenehm die Situation ist, sie wurde trotzdem gemäß dem Reglement abgehandelt und dafür gibt es Reglements. Vielmehr sollten sich alle Pokerspieler wieder darauf besinnen, wie leicht Fehler und Missreads passieren können. Und diejenigen, die es vielleicht doch gesehen haben und nichts gesagt haben, sollen sich wünschen, dass sie sich nie in der Situation von Pierre wiederfinden und dann auch niemand etwas sagt.


2 Comments
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GFM-Z
23 Stunden zuvor

Waren die am Tisch alle übermüdet ? Also inklusive der sonst so souveränen Dealerin? Und wenn der mit seine 2 Pair As kicker nich reklamiert, selbst Schuld naja irren is menschlich

Zinedine02
6 Stunden zuvor

Was kam denn auf dem Turn und was auf dem River?