Kolumnen

Die Wildzeit hat begonnen: Schweizer Titeljagd in Bregenz

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Titel sind was langweiliges. Neulich, es war nicht am Pokertisch, bekam ich an einer Messe eine Visitenkarte zu gesteckt: Dr. Mag. sc. techn. rer. Urs Fuchs (Name geändert, jedoch ähnlich). Ich staunte nicht schlecht; nicht wegen den vielen Ausbildungen sondern weil sein Name kürzer ist, als es seine Titel sind. Dieser auch sehr akademisch wirkende Typ war einfach zum kotzen und ich erinnerte mich an ein Zitat von Wolfram Weidner (dt. Journalist): „Titel verraten, welchen Grad die Titelsucht bei ihren Trägern erreicht hat“.

Pokertitel sind was anderes, auch wenn meine Kollegin Rosi Grünstäudl Poker nicht als Sport sieht, sind solche Titel eher dem Sportgenre zuzuschreiben. Zwar können wir Schweizer welche nicht in Österreich leben, nicht österreichischer Landesmeister werden, aber teilnehmen dürfen wir. Vermutlich ist dies so, weil sich so doch genügend Leute zu einem Turnier zusammen finden, und dann die Geschicklichkeit mit einer angenehmen Struktur doch besser zu spielen ist. Dies hebt die Qualität bei diesem Titel im Gegensatz zu diversen Casinomeisterschaften deutlich an, aber eben: Österreichischer Staatsmeister kann nur ein Österreicher werden.

Vorarlberger Landesmeisterschaften im CCC Bregenz
Gute Stimmung am Pokertisch

So fand letztes Wochenende die Landesmeisterschaft Vorarlberg, als Qualifikation für die Staatsmeisterschaft im Concorde Casino in Bregenz statt. Veranstaltet wurde das ganze durch den ÖPSV, also einem Grüppchen Gläubiger, welche das Wort „Sport“ sogar im Namen trägt. Anmelden konnte man sich nicht, aber jeder bekam einen Startplatz und dieses Mal ging der Checkin viel rascher ab, als vor zwei Jahren als ich auch schon einmal in Dornbirn spielte.

Es fanden zwei Vorrunden mit insgesamt etwas 170 Teilnehmern und einem Finaltag statt. Die Blinds für ein 220 Euro Turnier waren moderat ansteigend und mit 45 Minuten sehr spielbar. Das Publikum die üblichen verdächtigen Schweizer inklusive der Holdem Crew und einige Lokalen welche sich gleich als Landesmeister küren lassen wollten.

Leon Burkhard
Don Mürmel

Mein Turnier ging solide flott vor sich, weil meine Asse anfangs einmal hielten und ich gleich zwei Spieler aus dem Turnier befördern konnte. Zwischendrin kam der übliche zweistündige Kartentod, bis ich dann auf meine rabenschwarzen fünf Minuten traf: Mit AQ rannte ich gegen AJ und mein gegenüber komplettierte das Flush schon auf dem Turn. Die nächste Hand besiegelte mein Turnierleben, weil ich nach einem Reraise mit A4 suited auf 45 offsuit traf und eben dieses Kappenhirni, welches jede Hand spielte und nicht raus zu kriegen war und schon auf dem Flop auf die Fünf traf.

Gewonnen hat ein Hermann Frener, welcher zwar nach dem Chipcount nach Tag 1 als Vorarlberger geführt wurde, jedoch der Herr mit dem österreichen Namen „Stanimir Marinkovic“ welcher auf Rang zwei rangierte, wurde vielleicht durch einen Deal als Vorarlberger Landesmeister gekrönt. So steht es zu mindestens auf der Homepage der Pokertour.at . Trotzdem herzliche Gratulation.

Man muss schon sagen, dass es gut getan hat an einem solchen Turnier mitzumachen, weil das ganze im verrauchten Concorde Casino eben auch gut organisiert war. Schnelle Dealer, rund um die Uhr Essen, sehr guter Service und Parkplätze vor dem Haus. Das Concorde Casino in Bregenz ist für kleine Buyins auch als Schweizer immer eine Reise wert, auch dann wenn man als Schweizer eben keine österreichischen Titel jagen kann.

Cheers Martin Bertschi

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