Kolumnen

Ein alkoholischer Abschied ohne Tränen. Werthan goes Vegas

Da ruft mich also der Großmeister des geschliffenen Pokerwortes an und bittet um eine Audienz, einen Abend mit mir. Er würde sich nunmehr verabschieden wollen und 6 Wochen das Land verlassen. Wir sollten uns doch bitte bitteschön vorher nochmal sehen, vorzugsweise am Abend auf ein kurzes Essen und maximal zwei Gläser Wein.

Natürlich kann ich ihm diese flehentlich, fast im weinerlichen Ton vorgeschlagene Bitte nicht abschlagen und treffe mich mit Robert am Abend. Robert, oder wie wir Insider, Freunde, Kollegen sagen dürfen „der Werthan“.

Die Wahl der Bewirtungsräumlichkeit oblag mir und schon beim Eintreffen in selbige wusste ich ob des Aushangs, bislang alles richtig gemacht zu haben. Politisch, menschlich und ernährungswissenschaftlich korrekt gehandelt.

Wir redeten über Poker, natürlich. Doyle Brunson, Mau Mau als Side Event, Black Friday, Erik Lindgren und seine neue scharfe Braut, Gus und seine vielen scharfen Bräute und vieles mehr. Aber auch spielstrategische Betrachtungen flossen ein, so unter anderem seine fundierte Beschreibung wie man eine gefoldete Hand noch gewinnen kann oder seine Selbsteinschätzung als extrem guter Pokerspieler. Und das ist keine Udopie.

Unsere Gespräche drehten sich aber zum Großteil des gesprochenen Wortes um tatsächliche relevante Belange wie Rotwein, Zigaretten, Frauen und Rotwein. Den Rest der Zeit schwiegen wir. Ein gemeinsames, verstehendes Schweigen. Auch wenn uns vieles trennt, so ist doch das Schweigen eine Parallele. Er als Österreicher und Neoliberallinker ist in meinen Kreisen, in Hamburgs feiner Gesellschaft doch eine Art Außensteher, eine Randgruppe. Dennoch verbindet uns die Leidenschaft des Trinkens, des Rauchens und der Unvernunft. Es ist in der Tat unvernünftig, immer vernünftig zu sein. Wir mäßigen uns auch nicht maßlos. Wir verabscheuen Bars ohne Kippen auf dem Boden, wir negieren Passivtrinker und schütteln im Gleichklang die Köpfe bei koffeeinfreiem Kaffee.

Schlechter Kaffee brachte uns dann zu wirklichen Grund des Abends, des Beieinandersitzens. Werthan sitzt auf gepackten Koffern und dürfte just in diesem Moment im Flugzeug sein, auf dem Weg nach Las Vegas. Noch ist kein anderer deutscher Pokerschreiber drüben, so dass er und wir die Ersten und Exclusiven drüben sind, die von der WSOP berichten. Werthan vor allem abseits des ganzen Pokertrubels, von dem es auch mehr als genug zu bebildern und beschreiben gibt.

Später in der immer noch jungen Nacht wurden wir konspirativ angerufen und von einem Pokerfreund mit Migrationshintergrund zu einer kleinen Runde eingeladen. Hinterhof in einem eher unfreundlich wirkenden Viertel, Einlass nur gegen das vereinbarte Klopfzeichen. Der Werthan verlor die ersten drei Hände; zwei davon gegen mich. Ich gewann danach keine einzige Hand mehr. Ein kurzes Unvergnügen, auch weil kein Rotwein anwesend war. Also auf in die Droschke (dieses Wort habe ich glaube ich heute zum allerersten Mal in meinem Leben geschrieben) und auf in eine Nachtbar. Mit einem eher beschränkten Sortiment hochwertiger Rotweine, dafür darf man dort illegalerweise rauchen.

Fazit des Abends waren fünfeinhalb Flaschen Rotwein (eine in der Tat schwache Leistung, aber wir werden beide nicht jünger), drei deutliche Körbe von uns angesprochenen Frauen unter 35 und eine noch deutlichere Abfuhr einer von uns angesprochenen Frau unter 25. Wir sind halt beide keine Matthäus-Doubles.

Morgens um halb vier verabredeten der Werthan und ich meine Wenigkeit dann noch eine Sidebet. Einsatz 6 Flaschen Rotwein der gehobenen Qualität. Werthan geht von drei Final Tables mit deutscher Beteiligung bei der WSOP aus, aber keinem Bracelet. Ich hingegen sage 4 Final Table Beteiligungen voraus und ich bin mir sicher, dass es dieses Jahr einen deutschen Schmuckträger geben wird. Ich bin mir auch extremst sicher, dass es nicht Lothar Matthäus sein wird.

Morgens um vier wurde Werthan dann hektisch. Sein Flug ging um 6.10 Uhr. Hamburg via Amsterdam nach Vegas, der gelobten Stadt. Flieg vorsichtig und melde dich. Ruf mich an und lass uns mit Fotos und Videos an deiner Lustreise teilhaben. Wir Daheimbleibenmüsser sollen ruhig neidisch werden. Von und über die Werthans Stories of Poker. Und auch die off Poker.
Bon Voyage, Werthan.


4 Comments
Inline Feedbacks
View all comments
Max.de
9 Jahre zuvor

Wann endlich organisiert ihr ein live ausgetragenes Heads Up zwischen Gartenbach und Matthäus ? Wir Fans warten drauf. Und bitte mit Ton !

Tassilo
9 Jahre zuvor

Wenn das mal keine Liebeserklärung ist…

Jupp
9 Jahre zuvor

Freue mich das nun jeder Dorfdepp nach Vegas kommt… naja bis die Tage

pisces1967
9 Jahre zuvor

Bin gespannt auf viele Berichte aus Vegas von Werthan, kommentiert von Udo….könnte eine gute Abwechslung werden.