Kolumnen

Ein unablehnbares Angebot

Liebe Pokerfreunde, im neuen Jahr hat sicher der eine oder andere gute Vorsätze gefasst. Rauchen, Saufen oder gar mit dem Zocken aufzuhören. Das hat doch jeder von uns schon mal versucht.
Ich habe mir dieses Jahr auch etwas vorgenommen. Ich werde KEIN GELD MEHR VERLEIHEN! Zwecklos mich auch nur danach zu fragen. – Hier mal meine Gründe, wie ich zu dieser Entscheidung gekommen bin und ein paar grundsätzliche Gedanken.

Nachdem ich öfters Gelder an Spieler verleihen musste – so nach dem Motto: „Gib mal schnell € 1000, bekommst das Geld nächste Woche garantiert zurück“. – musste ich meine eigene traurige Statistik machen. Nur in 15% der Fälle klappt das wie ausgemacht, meist gibt es das Geld in Raten zurück und in der Buchhaltung prangt ein fettes Minus.

Ich meine, jedem von uns ist das schon mal passiert, und ich kann die Motive im Moment durchaus verstehen. Ein schöner Tisch mit interessanten Spielern, aber ein Beat nach dem anderen lässt die Temperatur des Körpers in Tilt-Höhen steigen.

Ein Blick in den Geldbeutel und der sagt: Ne, ne Junge. Da ist nur noch das Geld für Hotel und Rückfahrt! Aber erbarmungslos wird auch das letzte Geld benutzt, um den Großbrand irgendwie zu löschen. Nachdem auch der Aschenbecher im Auto leergemacht wurde, startet das Notfallprogramm. Man fliegt durchs Casino wie ein Adler auf der Suche nach Beute und dann kommt folgender fataler Satz: „Du Deniz kann ich mal kurz mit dir reden.“ Jeder kennt, was jetzt kommt und jeder hat’s schon mitgemacht. „Kannst mir schnell was geben“. Und dann kommen die verschiedenen Begründungen:

» „Ich habe mein Geld im Auto und hol es nachher.“  (Auto?! – passender wäre Fluchtwagen )
» „Mein Tresor im Zimmer wurde geknackt und ich habe nichts mehr.“ (Dabei hat das Ibis doch gar keinen Safe!)
» „Meine Kreditkarte wird hier nicht angenommen.“ (Welcher abgebrannte Zocker hat ne Kreditkarte?)
» „Meine Alte kommt später vom Geschäft und bringt die Einnahmen mit.“ (Will gar nicht wissen, was die arbeitet)
» „Mich hat’s erwischt, ich brenne wie eine Fackel. Gib mir was, sonst überfall ich die Kasse.“ (Endlich mal einer der ehrlich ist.)

Es gibt vier Arten von Geldanpumpen. Ich erkläre das mal im Detail.

Easy Pump

Es kommt der Satz:  „Du Deniz, kannst mir mal schnell die Summe XXX geben. Du bekommst es so bald es geht zurück.“
Er bezahlt seine Schulden tatsächlich innerhalb kürzester Zeit zurück und lädt dich als Dankeschön für diesen peinlichen und einmaligen Zwischenfall zum Essen ein.

BEGRÜNDUNG: Dieser Kerl brauchte in dem Fall gar kein Geld. Er wollte nur testen und Vertrauen schaffen. Außerdem wollte er wissen, ob du flüssig bist.

Standard Pump

Zum Start der übliche Satz: „Du Deniz, kannst mir ma schnell die Summe xxx geben, bekommst es so bald wie es geht zurück.“

Nachdem das Geld weg ist hörst du länger nix von ihm. Nach einer dezenten Anfrage bekommst du zur Antwort: „Alter, das ist doch schon längst beglichen.“

BEGRÜNDUNG: Dieser Typ Spieler hat sich schon vom Kellner bis zum Dealer ins Minus geschossen und weiß mitunter wirklich nicht mehr, welche Summe wo offen ist.

Premium Pump

Wieder das Übliche: „Du Deniz, kannst du…..?“
Du gibst dem Kerl das Geld. Ab jetzt meidet er dich überall. Ignoriert dich, grüßt nicht, antwortet nicht auf deine Anrufe. Verzockt aber am Roulette, am Blackjack etc. das Fünffache deines Geldes.

Seine BEGRÜNDUNG

Ich habe schon so oft verloren gegen den Deniz den Penner. Der kann ruhig warten. Außerdem geht es dem doch gar nicht schlecht. Der braucht die Kohle nicht so bald.

Supernova Pump

Wir kennen den Satz inzwischen: „ Du Deniz………………..?“

Du gibst ihm das Geld und plötzlich verlierst du einen Freund. So wie mein alter Herr schon gesagt hat: „Junge, wenn du einen Freund verlieren willst so leih ihm Geld!“. Und mein Vater hatte natürlich recht.

Ein früherer Freund und Stammkunde von mir bekommt in einer heißen Partie Geld von mir und geht broke. Jetzt gibt es gleich eine Menge an Nachteilen für mich.

» Ich habe Geld vergeben, mir fehlt es an dem Abend doppelt.
» Ich selber habe auch verloren und das schmerzt dann auch noch doppelt.
» Er kommt nicht mehr spielen zu mir. Er meidet mich an den Tischen und ich habe einen Kunden verloren.
» Er redet schlecht über mich und meinen Club.
» Und das Beste ist jetzt, er sitzt jeden Dienstag und Freitag in der Partie vom Mitbewerber!

Was lief da falsch? BEGRÜNDUNG aus seiner Sicht:

Ich kann da nicht mehr hingehen, weil Deniz noch Geld von mir bekommt. Außerdem habe ich ihn sowieso noch nie gemocht und seinen Club auch nicht!

Hmmmm – komisch, dass der ehemalige Freund davor zwei Jahre lang ein freundlicher
Stammkunde war.

Na gut, theoretisch gibt es da auch wirkungsvolle Methoden um an das Geld wieder irgendwie ran zu kommen

Hier einige – selbstverständlich theoretische – Tipps

Man ruft seine kurdischen Freunde an. Die kommen dann zu Besuch. Der eine hat keinen Hals und die beiden anderen zwei reden kein Wort. Sehr imposante Jungs und dann klappt es auch meistens mit der Rückzahlung.
Nachteil: lohnt sich erst ab € 5000 aufwärts. Die Jungs sind nämlich sehr hungrig und nachdem sie mit der Beute fertig sind, bleiben dir nur 15 % übrig. Dafür hat das Ganze eine Erfolgswahrscheinlichkeit von 99%.

Du wartest so lange, bis der Spieler irgendwann den Treffer seines Lebens macht und zwar am besten bei einem wirklich großen Turnier. Nachteil, du musst sehr früh dort erscheinen, weil die Schlange der Gläubiger wird mit Sicherheit so lang sein wie am Samstagmorgen beim Bäcker Erfolgswahrscheinlichkeit (wenn du rechtzeitig vor 0rt bist) etwa 80%. Wenn du zu spät bist, bekommt der Mann in der Schlange vor dir alles.

Du rufst jeden Tag an, besuchst ihn. Nervst ihn beim Spielen, redest mit seinem Arbeitgeber, mit seiner Frau, seinen Freunden, solange bis jeder Bescheid weiß. Nachteil, er wird sauer auf dich, gibt dir dein Geld irgendwie in Mini-Raten zurück. Danach meidet er dich auf Lebzeiten. Erfolgswahrscheinlichkeit etwa 70%

UND JETZT DIE LÖSUNG D – ZU DER HABE ICH MICH ENTSCHLOSSEN!

An alle die mir Geld schulden  – bitte JETZT GANZ GENAU MITLESEN!

Wer bis zum 1.2.2010 seine Schulden bei mir bezahlt, bekommt von mir einen 70% NACHLASS!
Das bedeutet wer bei mir  € 1000 offen hat, zahlt nur noch € 300. Dann ist die Sache für alle Zeiten gegessen!
Ansonsten werde ich wohl doch eine andere Methode anwenden müssen.


53 Comments
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memyself
11 Jahre zuvor

….ach ja…und vorsicht wegen finanzamt, kripo usw…die lesen ständig diese seiten! solltet ihr (was wahrscheinlich ist) hartz bekommen, noch mehr vorsicht! sonst wird die stütze gesperrt!

derWolf
11 Jahre zuvor

selten so gelacht und noch mehr mit dem Kopf geschüttelt.
Der Artikel ist gut geschrieben, die Beiträge gehen von saugut bis äusserst bizzar.
btw… Ironie ist am schönsten, wenn sie niemand versteht.

der Wolf

nkcheck
11 Jahre zuvor

einige kommentare beweisen doch immer wieder, daß poker und (einige)seiner protagonisten wohl nie aus der schmuddelecke rauskommen. hier hat jemand einen amüsanten bericht geschrieben.fakt. meiner meinung nach sogar mit sehr viel witz. anstatt sich einen abzulachen, kommen einige wenige aus ihren löchern gekrochen und mißbrauchen diese plattform um ihre privatfehden auszutragen. hier sollte sich die redaktion gedanken machen, da manche kommentare stark den schutz der privatsphäre verletzten. die veröffentlichung auf einer internet-plattform, daß jemand eine privat insolvenz abgegeben haben soll(ob das stimmt wissen wir nicht und deshalb „in dubio pro reo!“), könnte möglicherweise den tatbestand einer verleumdung und übler nachrede erfüllen. Im deutschen recht ist verleumdung im StGB folgendermaßen definiert:
„wer wider besseres wissen in beziehung auf einen anderen eine unwahre tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen meinung herabzuwürdigen oder dessen kredit zu gefährden geeignet ist, wird mit freiheitsstrafe bis zu zwei jahren oder mit geldstrafe und, wenn die tat öffentlich, in einer versammlung oder durch verbreiten von schriften (§ 11 abs. 3) begangen ist, mit freiheitsstrafe bis zu fünf jahren oder mit geldstrafe bestraft.“ § 187 StGB.

anstatt uns einer witzigen kolumne zu erfreuen, wird sie zum anlass genommen private fehden auszutragen.