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EPEC – Im Wartesaal der Talente Teil 1

Ein Nebelhorn ertönt, die Scheiben der Fenster beginnen zu schwingen, bis sie endlich unter dem Druck der Schallwellen zerbersten. Werthan wacht auf. Vier Uhr dreißig ist die Zeit in der die Hirten ihre Schafe auf die Wiede treiben und Marktfahrer ihre Stände mit lautem Getöse aufbauen, aber sicher keine Zeit um aufzustehen, denkt sich Werthan und wirft den Wecker aus dem ohnehin schon ruinierten Fenster.

In zwei Stunden geht sein Flug in ein wildes Land oder Sardinen wie es die Redaktion sagte. Er geht zum Fenster und sieht einen Punk, der auf einem Skateboard über den Parkplatz, die Fischgrätmuster abfahrend, lächelnd zu.

Fliegen ist wie Busfahren, denkt sich Werthan, nur langweiliger.

Am Strand von Sardinien

Es ist heiß hier am Flughafen Cagliari und dort hinten steht ein Typ, den er von irgendwo her kennt, aber der ist unrasiert und ohne Anzug und Krawatte kaum wieder zu erkennen. Später nach einem peinlichen Gespräch wird er sich als Thomas Kremser zu erkennen geben, mit dem Zusatz, dass er schon zum, „was-weiss-ich-schon-zum-wie-vielten-male“ den Turnierdirektor machen wird. Wie auch immer, beide ziehen sich zurück, Werthan aus der Schmach der Unkenntnis, und Kremser vielleicht aus der Eitelkeit des nicht erkannt Werdens heraus.
Als „civitatem simplicem, rusticam et indoctam, sed pugnacem bellicosam et potentem“ würde diese Gegend in Sardinien bei den alten Römern bezeichnet werden: einfach, ländlich und ungelehrter Ort, aber kampfesmutig, kriegerisch und mächtig. Daran hätte sich bis heute nichts geändert, würde hier nicht ein ****Sterne Hotel stehen und EverestPoker sich das lokale Attribut „kampfesmutig“ für sich genutzt hätte, um den EPEC hier auszurichten.

Players Party

Gedränge an der Rezeption, kaum jemand der so aussehen würde wie einer, der schon mal ein Turnier gewonnen hätte, aber das liegt wahrscheinlich am gleichzeitig stattfindenen Ärztekongress. Doch langsam treffen sie ein, aus ganz Europa und Werthan erkennt sie alle. Alle zwölf Belgier, vier Dänen, neunundzwanzig Deutsche, drei Finnen, vierundfünfzig Franzosen, dreiundzwanzig Italiener, achtzehn Holländer, zwei Norweger, acht Österreicher, sieben Polen, sieben Portugiesen, sechs Schweden, acht Schweizer, zwölf Spanier und elf Ungarn, denn alle haben das beherrschte Auftreten derjenigen, die gelernt haben, plötzlich auftretende Gefühle an die Leine zu legen und dieses Auftreten kennt Werthan, es ist das Auftreten von Siegern, da sind alle gleich.

Abends geht er mit ganz Europa zur Players-Party unten am Strand. Martini bianco farblich abgestimmt zum weißen Sand, Martini rosso so passend zum blutroten Sonnenuntergang und später ein kitschiger Vollmond am Himmel – dazu Prosecco. Irgendwie fühlt sich alles viel zu italienisch an, hier in Italien.


6 Comments
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Silli
11 Jahre zuvor

werthan kennt sie alle ;))

pat
11 Jahre zuvor

so viel ktischtig 🙂

timo
11 Jahre zuvor

Werthan ist wirklich nicht zu beneiden. Die Härte seines Jobs ist zu vergleichen mit der Härte eines Wattebausches – viel weicher und wohliger gehts kaum noch 😉 Aber – the show must go on – und so wird Werthan wohl oder übel immer wieder mal früher als um 11 Uhr vormittags aufstehen müssen 😉