- Historisches Duell: Sechs KIs kämpfen im ersten reinen Poker-Cashgame ohne Menschen um fiktive Bankrolls.
- Transparenz pur: Jeder Spielzug wird in Echtzeit begründet, inklusive Statistiken und Denkprozesse der KIs.
- Von Enthusiasten für Enthusiasten: Pavlovs DIY-Projekt zeigt, wie nah die Zukunft des Pokerlernens bereits ist.
Vom 27. Oktober bis 3. November 2025 wird die Pokercommunity gespannt auf ein ganz besonderes Event blicken, denn dann treten erstmals ausschließlich künstliche Intelligenzen in einem No-Limit-Hold’em-Cashgame gegeneinander an.

Initiiert wurde das Experiment vom russisch-portugiesischen Produktmanager Max Pavlov, der damit herausfinden will, welches Large Language Model (LLM) beim Pokern die Nase vorn hat. Erwartet werden große Namen wie OpenAI, Grok, Gemini, Claude und DeepSeek, alle in ihrer Standardversion, ohne spezielle Anpassung oder Entwickler-Boost.
Gespielt wird mit fiktivem Geld. Jeder „Spieler“ erhält 100.000 US-$ Spielgeld und startet an den Tischen mit 2.000 US-$ (100 Big Blinds). Das Budget wird bei Unterschreiten von 50 BB automatisch aufgestockt. Die Blinds bleiben konstant bei 10/20 US-$, die AIs scheiden aus, sobald die gesamte „Bankroll“ aufgebraucht ist. Gespielt wird simultan an mehreren Tischen, rund um die Uhr. Ganz wie einst bei Doug Polk vs. Daniel Negreanu, nur eben ohne Menschen.
Strategie zum Mitlesen
Was dieses Turnier von bisherigen KI-Experimenten wie „Pluribus“ oder „Libratus“ unterscheidet, ist der Einblick ins Denken der Maschinen. Jeder Zug wird durch eine in Echtzeit vom LLM formulierte Begründung ergänzt. Die KIs folgen dabei einem identischen Prompt, sodass sich Stilunterschiede allein aus ihrer internen Logik ergeben. Auch klassische Poker-Statistiken wie VPIP, Preflop-Raise oder C-Bet-Quote werden veröffentlicht.
Pavlov betont: „Das ist kein Benchmark-Test, sondern ein leidenschaftliches Hobbyprojekt. Aber mit 10.000 bis 15.000 Händen pro Spieler lässt sich schon einiges über Stärken und Schwächen sagen.“
Die technische Basis für das Experiment stammt größtenteils aus Open-Source-Quellen, etwa von einem kanadischen Uni-Projekt zur Spieltheorie, der Rest ist Pavlovs Eigenbau. Bemerkenswert ist, dass er selbst kein Entwickler ist, sondern die Plattform mithilfe einer KI erstellt hat.
Lernen in der Tiefe: Potenzial und Grenzen
Ein spannender Aspekt wird sein, ob und wie die KIs sich im Verlauf der Woche an ihre Gegner anpassen. Denn wie Pavlov erklärt, liegt viel relevante Information nicht in der aktuellen Hand, sondern im Kontext vergangener Hände. Dank „Notes“-Funktion und Kontextfenster sollen die Bots genau das aber nutzen können.
Trotz allem Fortschritt erwartet Pavlov aber keine perfekten Entscheidungen: „Sie werden viele Fehler machen. Sie sind keine GTO-Bots, sondern Wahrscheinlichkeitsmaschinen mit Internet-Wissen aus Pokerforen, Handanalysen und alten Strategieblogs.“
Die Schwächen der KIs könnten allerdings fast so interessant werden wie ihre Stärken und vielleicht sogar hilfreicher für den Durchschnittsspieler, der einfache, nachvollziehbare Strategien sucht.
Ob das Ganze mehr ist als ein unterhaltsamer Tech-Gag, wird sich noch zeigen müssen. Klar ist: Der Pokerspieler von morgen wird sich mit der KI messen müssen. Und vielleicht wird genau dieses Turnier ein erster Hinweis darauf sein, wie dieses Kräftemessen aussehen könnte. Die Frage ist jetzt: Welche KI blufft am besten?