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Garantiert oder nicht garantiert, das ist hier die Frage

Mit dem € 2.500 No Limit Hold’em Main Event des Poker Royale Masters hat das Wörtchen „garantiert“ eine neue Bedeutung bekommen. Aus anfänglichen € 500.000 wurden schlussendlich € 111.000. Hat der Zusatz „garantiert“ bei einem Turnier damit die Gültigkeit verloren?

Was war geschehen? In den ersten Aussendungen zum Poker Royale Masters war die Rede von einem Turnier mit € 500.000 garantiertem Preispool. Wenige Wochen später war es nur noch die Hälfte. Zahlreiche Meldungen über die Liquiditätsprobleme des Card Casinos in Wiener Neustadt ließen sicherlich auch an den € 250.000 bereits zweifeln. Die Reservierung aber lief gut. Neben den PokerStars Shooting Stars hatten einige namhafte Spieler wie Michael Keiner, Wilhelm „Dr. Big“ Breuer, Thomas Brdaric, Ivo Donev oder auch Alex Leviev ihr Kommen zugesagt. Am Tag vor dem Turnier sah es so aus, als würde es einen nicht unbeachtlichen Overlay von rund € 60.000 geben. Hörte man sich in der Wiener Pokerszene um, so wollten einige noch kurzfristig entscheiden, ob sie spielen. Denn wenn ein Casino drauflegen muss, freut sich bekanntlich der Spieler.

Kurz vor Turnierbeginn dann die Ernüchterung. Gerade mal 37 Teilnehmer hatten sich eingefunden, über € 150.000 die das Casino drauflegen hätte müssen. Von einigen Spielern, die fix zugesagt hatten, weit und breit keine Spur. Und auch sonst hielt sich der Andrang bei der Turnierregistrierung stark in Grenzen.

Hart gesagt – garantiert ist garantiert. Jeder, der darauf besteht, hat Recht. Doch hält man eine Garantiesumme auch ein, wenn es um über € 150.000 added Money geht und damit das Weiterbestehen des Casinos gefährdet ist? Sicherlich könnte man jetzt sagen, wer sich zu weit aus dem Fenster lehnt, der kann auch abstürzen. Doch ist das der Sinn eines Pokerturniers?

Über eine Stunde lang wurde diskutiert. Absagen, auf die Garantiesumme bestehen? Keine leichte Entscheidung, weder für die Spieler noch für die Verantwortlichen des Poker Royale. Besondere Situationen bedürfen manchmal besonderer Entscheidungen und in diesem Falle zeigten die Spieler sehr viel Vernunft und Entgegenkommen. Statt Tobsuchtsanfällen und Beschimpfungen wurde ruhig und sachlich diskutiert und ein Konsens gefunden, der von jedem einzelnen Teilnehmer mitgetragen und akzeptiert wurde. Geschäftsführer Kurt Haindl hat in die Tasche gegriffen und die kompletten Einnahmen aus dem Entry Fee draufgelegt und der Preispool wurde mit € 111.000 festgesetzt. Denn die Spieler, die da waren, wollten eigentlich nur eines – ein schönes Turnier mit einer tollen Struktur spielen.

Gesagt getan. Die Stimmung war gut, auf den Sieger sollten über € 37.000 entfallen. Schlussendlich wurde es ein Deal zu viert, jeder bekam € 21.600. Kein schlechter Preis und weit über 20 Stunden Pokervergnügen pur. Bis zum Schluss ließ kein Spieler Zweifel daran aufkommen, dass es die richtige Entscheidung gewesen war, um den doch deutlich verminderten Preispool zu spielen. Und statt Resten aus dem Kühlschrank gab es täglich ein ausgezeichnetes Buffet, das keinen Restaurantvergleich scheuen muss.

Hat das Wort „garantiert“ nun aber tatsächlich den Sinn verloren? Ist dies nun der Freibrief für jedes andere Casino, das ein Turnier mit einem garantierten Preispool veranstaltet? Definitiv nein. Aber wenn es doch so ist, muss jeder Spieler für sich entscheiden, ob er das Turnier spielt oder nicht. Eigentlich sollte man meinen, dass es ums Pokern geht und nicht darum, Casinos in den Ruin zu treiben. Das Angebot an Turnieren ist so hoch wie nie. Jedem Spieler steht es frei, im Casino seines Vertrauens zu spielen. Und wenn dies nicht das Poker Royale ist, so wird es die beste Werbung und die höchste Garantiesumme nicht ändern können. Vielleicht nicht für jeden, aber zumindest für die meisten Teilnehmer am Poker Royale Masters 2008 bleibt das Card Casino in Wiener Neustadt weiterhin ein schönes Casino, in dem man gutes Pokerspielen kann. Egal ob mit garantiertem und nicht garantierten Preispool.


2 Comments
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misterfatleg
12 Jahre zuvor

Garantiert ist garantiert, wenn dem nicht so ist, dann bietet der deutsche Wortschatz genügend Wörter um eine unverbindlichere Beschreibung zu machen. Kein Spieler wird dem CCC ans Leder wollen, doch veralbern lassen möchte man sich auch nicht, daher sehe ich den Beitrag eher kritisch. Wenn das Schule macht, dann Mahlzeit, der doofe Pokerspieler lässt es mit sich machen. Er bezahlt ohnehin, selbst im Spitzensegment, enorme Fees an denen sich die Veranstalter schadlos halten. So etwas gibt es sonst in keinem anderen Sport. Man bezahlt für das Preisgeld, als auch für die Organisation !!!!???? Für die anschließende Vermarktung gibt es keinen Penny. Wie daneben ist das eigentlich ? So etwas sollte man mal beim Schach oder Tennis anregen, da würden sehr schnell die Herren im weißen Kittel mit der Zwangsjacke kommen. Aber beim Pokern, da geht das. Aufwachen Herrschaften, da läuft etwas gewaltig daneben !!!!!!!!!! Normal wäre: Ein Sponsor stellt einen Preispool zur Verfügung, das was die Spieler einzahlen kommt oben drauf. Fees zahlen ebenfalls die Sponsoren. Hört sich an wie ein Märchen, aber das ist anderswo die Regel !

Jürgen M.
12 Jahre zuvor

42 spieler waren es ja auch nur, weil PokerStars ein paar spieler geschickt hat.

ich find das auch nicht ok, wenn man eine summe garantiert und dann doch nicht einhalten kann.

das ist das gleiche, wenn BMW garantiert, dass der motor 200 jahr haltet, und bei einem motorschaden nach 1 jahr nun die garantie doch nicht einhält.

meiner meinung nach sollte es da auch gesetzliche vorlagen geben, die solche unseriösen machenschaften unterbinden.

Sicher ist es schade, dass sich peter hajszan und kollegen total bemüht haben, aber um 5 nach 12 ist es zu spät.

um ehrlich zu sein glaube ich nicht daran, dass es das casino noch lange geben wird.

die geschäftsführung hat gerade am anfang zu viele fehler gemacht und gerade fehler am anfang werden doppelt hart vom kunden bestraft.

man erinnere sich nur an das fehlende preisgeld, bei einem der jackpotturniere wo einige rebuys abgegangen sind.