- Turniersieg trotz Anklage: George Janssen triumphiert beim MSPT Firekeepers.
- Wirre Wendung: Pokerprofi inszenierte laut Anklage eine Entführung, um Betrug zu verschleiern.
- Millionenschaden: Über 3,9 Millionen US-$ durch gefälschte Autokredite erschlichen, Urteil folgt im Dezember.
Pokerprofi George Janssen hat mitten in einem schwerwiegenden Betrugsprozess sein Comeback am Tisch gefeiert. Beim Mid-States Poker Tour (MSPT) Event im Firekeepers Casino setzte er sich im $400 Ultimate Stack No-Limit Hold’em durch und kassierte 18.556 US-$ Preisgeld. Janssen teilte sich den Sieg in einem Dreier-Deal mit Martin Lee und Albert Colaiz. Es war sein zweiter MSPT-Titel, nachdem er 2023 im Venetian Las Vegas über 82.000 US-$ gewonnen hatte.

Trotz des Erfolgs hängt ein dunkler Schatten über dem Pokerspieler. Er wurde im Juli 2025 wegen institutionellen Bankbetrugs angeklagt und wartet derzeit auf sein Strafmaß. Die Anklage des US-Justizministeriums wirft ihm vor, zwischen 2016 und 2023 ein weit verzweigtes System gefälschter Autokredite aufgebaut zu haben, das über 20 Finanzinstitute betraf. Allein bei der COPOCO Credit Union entstand ein Schaden von mehr als 1,3 Millionen US-$.
Entführung oder Ablenkungsmanöver?
Für noch mehr Aufsehen sorgte Janssens Verschwinden Ende 2023. Nachdem seine Familie ihn als vermisst meldete, fand man seinen Wagen verlassen, auf dem Boden lagen zahlreiche 50-Dollar-Scheine. Rund einen Monat später tauchte Janssen verletzt und mit Kabelbindern gefesselt an einer Landstraße nahe Bad Axe in Michigan wieder auf. Seine Version: Er sei von einer hispanischen Erpresserbande entführt und 33 Tage in einem Keller in Ohio festgehalten worden, habe sich aber befreien können.
Die Ermittler glauben allerdings an ein Täuschungsmanöver. Eine kryptische, handschriftliche Nachricht an seine Familie enthielt Initialen fiktiver Verwandter, die das Wort „KIDNAP“ ergaben. Laut Staatsanwaltschaft diente das Szenario dazu, die Aufmerksamkeit von seinem finanziellen Betrug abzulenken und Zeit zu gewinnen.
Poker trotz Schuldeingeständnis
Im August 2025 bekannte sich Janssen schließlich schuldig, einen umfassenden Kreditbetrug begangen zu haben. Die Summe des Schadens beläuft sich auf knapp 3,9 Millionen US-$, von denen etwa 1,9 Millionen US-$ bis heute nicht zurückgezahlt wurden. Bereits vor seiner angeblichen Entführung war Janssen rechtlich unter Druck geraten: Seine Zulassung als Autohändler war ihm aufgrund gefälschter Dokumente entzogen worden.
Seine Verurteilung steht für den 11. Dezember 2025 an. Laut US-Richtlinien drohen ihm bis zu 30 Jahre Haft sowie eine Geldstrafe in Höhe von 1 Million US-$. Da er jedoch keine Vorstrafen hat und kooperiert, könnte das Strafmaß deutlich milder ausfallen.