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GSOP Sevilla – Vom Mut der Pokerspieler und Vogelkacke

Sevilla, Flamenco, Tapas, Marienverehrung und das GSOP-Finale. Werthan berichtet über die Gefahr für Spieler, vom Grauen einer Casino-Architekur, kulinarischen Orgasmen und Kacke auf der Schulter.

Dass Pokerspieler Menschen sind, mit deren Nerven man ohne weiteres eine vollbeladene Concord abschleppen könnte, steht außer Frage. Dass sie die am täglichen Weg ins Casino aber beweisen müssen, sollte so nicht gemeint sein. Das Casino liegt zwar nur ca. 5 Gehminuten entfernt, allerdings führt der Anmarsch an einer stark befahrenen Straße entlang. Der zugemüllte und abhängende Sandstreifen dient als Gehweg. Wenn man die spanische Art der vollen Nutzung der Fahrstreifen bedenkt (vier Autos auf zwei Streifen), so braucht man Mut, Nerven und Todesverachtung. Für einen Großteil der Spieler stellt die Situation nicht wirklich ein Gefahrenpotenzial dar, für die Skandinavischen Spieler, welche mit einem Promillegehalt ab drei +, den Heimweg ins Hotel suchen, kann das Unterfangen ein schmerzhaftes werden.

„Das wirkt von außen wie aus einem Vegas’schen Vorort abgebaut und auf den Hügel am Stadtrand von Sevilla wieder hingeworfen. Wenn man einen perversen Hang zu sehr seltsamer Architektur hat, dann könnte man es immerhin als interessant bezeichnen. Der schönste Platz im Casino ist aber sicher vor dem Unbau, dann nämlich wenn man ihn im Rücken hat, ihn nicht sieht und dabei einen nächtlichen Blick auf Sevilla wirft.
Der Pokerraum ist durchschnittlich – nicht schön, nicht spannend, nicht hässlich. Er ist zumindest so designed, dass er nicht stört und er hat nichts was man in einem anderen Casino nicht auch schon so gesehen hätte. Vielleicht weniger blaue Lichter wären gut, denn Pokerspieler sind grundsätzlich schon nicht diejenigen mit einer gesunden Gesichtsfarbe, das Blaulicht macht aber alles noch etwas schlimmer.“

„Wenn man in einem anderen Land ist, dann ist es zu verstehen, wenn die Bewohner dessen ihre Selbständigkeit in dieser EU-Vereinheitsbreiung durch strickte Weigerung durch die Annahme einer Fremdsprache zeigen und leben.
Wenn das aber in einem Casino geschieht, wirkt es doch sehr verwunderlich. Zumindest das Grundvokabular an einem Pokertisch sollte vom Casinopersonal gesprochen, oder wenn es Aufgrund einer genetisch-spanischen Gaumenfehlstellung nicht geht, zumindest verstanden werden. Dem ist nicht so. Schade für ein Casino, dass sich international geben möchte, aber trotzdem nur spanische Provinz ist.“

„Werthan, außer Dinge schlecht reden kannst du wohl gar nichts, oder? Gibt es irgend etwas positives auch?“

„Die Kellenrinnen sind hübsch und wenn man sie verstehen würde, könnte man vielleicht sogar sagen, dass sie freundlich wären. Was aber wirklich wundervoll ist, ist das tägliche Buffet für die Spieler und Presse. Frisch wirkende Fische, wunderbare Salate, Spieße mit Hähnchen oder anderem unerkennbaren, aber schmackhaften Getier, Vorspeisen und Käse, welche jedem hispanophilen Feinschmecker Tränen der Freude ins sonnenbebrillte Auge treibt. Roter Tischwein der so köstlich ist, dass man den Alkohol vergisst und erst dann bemerkt, dass es zu viel war, wenn es schon sehr viel zu spät ist.
Schockierend ist aber, dass die Blogger heimlich McDonalds Futter in den Turnierbereich schmuggeln, den Junk dort mit einem Lächeln verzehren und das in der Stadt die als der Inbegriff der Tapaskultur gilt. Blogger sind noch schräger als die Spieler.
Die Bar ist ohnehin großartig, das ist sie aber überall, solange es hochwertigen Alkohol gibt.

Aber zum Essen und Weintrinken waren die Hundertneunzig Spieler aus einundzwanzig Nationen nicht nach Sevilla gekommen. Achtzehn Deutsche, fünf Österreicher und ein Schweizer verließen den Turnierbereich wie gespießte Stiere die ortsansässige Arena unten am Fluss. Es kam einem Massaker gleich wie sie von den restalkoholisierten Skandinaviern von den Tischen gesäbelt wurden. Das heißt aber nicht, dass die Skandinavier kluges Poker spielten. Bei Blinds von 300/600 ein Standard Open-Raise von 10k zeigt mehr von Fatalismus und Chipsverachtung, als von Spielverständnis. Erfolgreich waren sie mit dieser Tour aber trotzdem. An Tag drei waren mehr als die Hälfte der 27 verbliebenen Spieler aus Skandinavien. Nur Lino Goedeche schaffte es in die Geldränge. Ob er weiter und wie weit er kam, war zu Redaktionsschluss noch nicht bekannt.

Ausscheiden bedeutet aber nicht, das nicht weiter gepokert wurde. Donnerstag Abend begannen Philipp S. Jürgen L. und Aaron V. auf der Terrasse, gleich neben dem Pool, des Alcora Hotels eine gemütliche €5/10 NLH und weil die Bar sehr unspanisch um 2 Uhr schloss, wurden die Reserven der Minibar geplündert und bis 10 Uhr Vomittags durchgespielt.

Um den deutschsprachigen Betsson-Spielern das Busten vergessen lassen zu machen, versuchte Ralph Klement die erkrankte Betsson-Spielerbetreuerin Franzi Wostrack zu vertreten und lud die Betsson-Pokereros zu einem kulturell angehauchtem Stadtrundgang mit anschließendem Tapas essen und betrinken ein. Die Kultur dürfte dann doch einige abgeschreckt haben und so fanden sich nur Nikos Ginnakakis, Daniel Knote und seine bezaubernde Freundin ein.

Ralph Klement sollte aber weniger Stadtführungen und Videos für den Betsson-Blog machen, sondern sich sofort an den Pokertisch setzen. Denn wenn Vogelkacke auf der Schulter wirklich Glück bringt, dann sollte er die Möglichkeit des leichten Geldes in keiner Weise vernachlässigen.

Der Finaltisch wird morgen gespielt und die Wahrscheinlichkeit, dass in Skandinavier das Ding shipped ist verdammt groß. Muss man Skandinavier eigentlich mögen?


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