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Here Comes The Sun And It’s Alright – GSOP

Ein Nebelhorn ertönt, die Scheiben der Fenster beginnen zu schwingen, bis sie endlich unter dem Druck der Schallwellen zerbersten. Er wacht auf. Vier Uhr dreißig ist die Zeit, in der die Hirten ihre Schafe auf die Weide treiben und Marktfahrer ihre Stände mit lautem Getöse aufbauen, aber sicher keine Zeit um aufzustehen, denkt er sich und wirft den Wecker aus dem ohnehin schon ruinierten Fenster. Draußen ist es April und es regnet.

In zwei Stunden geht sein Flug in ein wildes Land oder in die Dominikanische Republik wie es im E-Mail stand. Er geht zum Fenster und sieht einen Punk, der auf einem Skateboard über den Parkplatz, die Fischgrätmuster abfahrend, lächelnd zu. Er hat sein Ticket online gewonnen, mehr als Zufall denn als Können, aber so schwer war das Ticket auch nicht zu gewinnen auf dieser Seite, wie hieß sie noch gleich? Betsson? Ja Betsson war es. In einer Stunde geht sein Flug.

Fliegen ist wie Busfahren, denkt er sich, nur langweiliger.

Es ist heiß hier am Flughafen Punta Cana und dort hinten steht ein Typ, den er von irgendwo her kennt, aber der ist unrasiert und ohne Glas Rotwein kaum wieder zu erkennen. Später nach einem peinlichen Gespräch, wird er sich als Udo Gartenbach zu erkennen geben, mit dem Zusatz, dass er schon zum, „was-weiss-ich-schon-zum-wie.vielten-male“ für Betsson ein Turnier spielen wird. Wie auch immer. Beide ziehen sich zurück. Er aus der Schmach der Unkenntnis, und Gartenbach vielleicht aus der Eitelkeit des nicht erkannt werdens heraus.

Das Hotel ist hysterisch und gigantisch groß. Hard Rock Hotel Punta Cana 1787 Suiten, unzählige Restaurants, Shops, Bars, Pools. Alles könnte genau so am Strip in Las Vegas stehen, nur dort wäre es kleiner. „Here Comes The Sun And It’s Alright“ steht verheißungsvoll in großen Buchstaben in der Lobby Gedränge an der Rezeption.

Kaum jemand der so aussehen würde wie einer, der schon mal ein Turnier gewonnen hätte, aber das liegt wahrscheinlich am gleichzeitig stattfindenen Reiseveranstalterkongress. Doch langsam treffen sie aus ganz Europa ein. Dänen, Deutsche, Finnen, Franzosen, Italiener, Holländer, Norweger, Österreicher, Polen, Ungarn und alle haben das beherrschte Auftreten derjenigen, die gelernt haben, plötzlich auftretende Gefühle an die Leine zu legen und dieses Auftreten kennt er, es ist das Auftreten von Siegern, da sind alle gleich.

Kaum ein Spiel hat in den vergangenen Jahren die Deutschen mehr mitgerissen als Poker und in den letzten Monaten umso mehr. Wenn große Banken ihr Geld verbrennen und angesehene Firmen untergehen, einer Zeit in der nichts mehr gewiss zu sein scheint, bildet das Spiel eine Art kleinsten gemeinsamen Nenner, auf den man sich in der ehemaligen Spaßgesellschaft  noch einigen kann. Je verunsicherter der Einzelne, desto größer das allgemeine Verlangen nach Ablenkung und alle die hier sind, finden diese Ablenkung im Poker.

Früher mal war die GSOP so etwas wie ein Wartesaal für Talente, heute ist es ein anerkanntes Turnier. Robert Haigh, Alexander Debus, Michael Eiler, Thomas Butzhammer sind nur ein paar jener, die den Flug in die Karibik für selbstverständlich nahmen. Früher mal, das wäre es ein Turnier im Sachpreisniveau für sie gewesen, heute kommen die Profis kaum in die Geldränge. Die GSOP ist erwachsen geworden.

Abends geht er mit ganz Europa zur Players-Party drüben im Casino. White Russian farblich abgestimmt zum weißen Sand, Tequilla Sunrise passend zum blutroten Sonnenuntergang und später ein kitschiger Mond am Himmel – dazu Cocktails. Irgendwie fühlt sich alles viel zu karibisch an, hier in der Karibik, aber das machen vielleicht auch die All-Inklusive Cocktails.
Morgen geht das Turnier los, er ist überhaupt nicht aufgeregt, aber das macht vielleicht auch der vorletzte Cocktail oder der Letzte.


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