Indianer kennen keinen Schmerz. Und weinen nicht.

Indianer haben begriffen, dass das Leben nicht immer schön ist. Indianer haben begriffen, dass es sinnfrei ist, sich darüber aufzuregen. Indianer weinen aus diesem Grunde auch nicht. Indianer haben verstanden, dass das Leben weh tut. Weh tun muss. Pokerspieler hingegen sind nicht in der Lage, dieses zu erkennen. Oder sie verdrängen es. Für Pokerspieler ist jede Hand quasi der Marterpfahl für die anderen. Man selber ist nach jeder gespielten Hand der Häuptling. Der Meister, der Chef, der Größte aller Großen. Ignorieren der Realität. Ja, Pokerspieler sind keine Indianer.
Ein bisschen Aua gehört dazu. Zum Leben generell, in der Schule, bei der Domina und beim Pokern sowieso. Fouls und Schmerzen gehören dazu. Es hinterlässt aber keine Narben. Zumindest bei Indianern. Für Pokerspieler hingegen geht die Welt unter. Früher hatte wir täglich die Knie aufgeschürft, hatten Wunden vom vom-Baum-runterfallen. Das war cool, das war pseudomännlich. Wir haben uns dafür bewundern lassen. Heute heulen wir, wenn eine 10 auf dem River kommt.
Früher haben wir beim Monopoly immer gegen die Oma mütterlicherseits verloren. Heute geht die Welt unter, wenn die Straße nicht hält. Früher war uns Gewinnen um des Gewinnens Willen nicht so wichtig, heute sind wir alle schlechte Verlierer. Lassen uns die Laune verhageln von einem kleinen Stück Plastik. Vierfarbig bedruckt. Früher fanden wir nur die Mädels ungerecht, die nichts von uns wollten. Heute ist die ganze Welt nicht gerecht, wenn der Gegner runner runner runnt. Früher waren wir Sitting Bull, heute verbrennen wir eine Bullet nach der anderen. Und heulen dabei.
Wir Weicheier, wir Heulsusen, wir Memmen, wir Nichtindianer. Wir Pokerspieler.