Einen bemerkenswerten Lauf am Live-Filztisch erlebt derzeit Jim Hagan, besser bekannt unter seinem Spitznamen „Rockin Holdem“. In weniger als einem Monat gelang dem 59-jährigen Pokerspieler aus Michigan der Einzug an 21 Finaltische bei Low-Stakes-Turnieren im Texas Card House in Spring, Texas. Damit sorgt Hagan auf regionaler Ebene für Aufsehen – gerade in einer Szene, in der Beständigkeit über Masse eher selten ist.

Vom Autodesigner zum Vollzeitgrinder
Hagan stammt ursprünglich aus Detroit und arbeitete über Jahrzehnte als Autodesigner. Nachdem seine Aufträge Anfang des Jahres versiegten, wandte er sich verstärkt dem Pokerspiel zu. Seither sieht er sich gezwungen, vom Kartenspiel zu leben. „Ich nehme Poker jetzt sehr ernst, ich spiele im Grunde fürs Überleben“, erklärte Hagan gegenüber PokerNews.
Seine Entscheidung scheint sich auszuzahlen: In täglichen Turnieren mit Buy-Ins von 40 US-Dollar erreichte er im Oktober 21 Mal den Finaltisch. Die Turnierfelder bestanden dabei aus jeweils 50 bis 110 Teilnehmern. Einmal setzte er sich ganz durch, zweimal belegte er den zweiten Platz. Den erzielten Gewinn bezifferte er auf einzelne Cashes zwischen 200 und 1.100 US-Dollar.
Besonders bemerkenswert: Hagan finanziert seine Spielteilnahmen oftmals durch das Fahren mit Uber, wenn es an Turniercashes fehlt. „Wenn ich nichts gewinne, fahre ich Uber, um wenigstens 40 Dollar zusammenzubekommen für das nächste Turnier. Wenn ich gewinne, bezahle ich Rechnungen“, erklärte der Familienvater, der unter anderem für seinen elfjährigen Sohn sorgt.
Beständigkeit auf kleiner Bühne
Der Bezug zur Pokerwelt besteht für Hagan nicht nur auf lokaler Ebene. Schon 2017 erreichte er bei der World Series of Poker (WSOP) im $1.500 Omaha Hi-Lo den 15. Platz für ein Preisgeld von 10.276 US-Dollar. Insgesamt weist seine Statistik bei The Hendon Mob Live-Gewinne in Höhe von rund 74.000 US-Dollar aus, wobei nicht alle Daily-Events erfasst sind.
Trotz seiner Erfolge fehlt es ihm nach eigener Aussage an finanziellen Mitteln für größere Buy-Ins: „Ich würde gerne größere Turniere spielen, und ich weiß, dass ich sie auch gewinnen kann, aber ich habe einfach keinen Bankroll“, betonte er.
Die derzeitige Turnierserie erinnert an Leistungen von Spielern wie Jeremy Becker, der im Jahr 2023 innerhalb eines Monats acht Turniere im Wynn Las Vegas gewinnen konnte. Hagan selbst sieht Becker als Inspiration – ebenso wie sein Lieblingsspieler Daniel Negreanu, den er regelmäßig über dessen WSOP-Vlogs auf YouTube verfolgt.
Besonders beeindruckt zeigte sich Hagan von einer Aussage Negreanus: „Was mich zu einem großartigen Pokerspieler macht, ist, auch nach 20 Bad Beats weiterzumachen.“ Diese Hartnäckigkeit, so Hagan, sei für ihn sehr motivierend.
Ob es sich bei Hagans 21 Finaltischen tatsächlich um einen Rekord in diesem Turniersegment handelt, ist nicht belegt. Fest steht jedoch, dass er innerhalb eines Monats eine Kontinuität unter Beweis gestellt hat, die auf jeder Turnierebene bemerkenswert ist. Anfänger sind diese täglichen Turniere sicher nicht – und Beständigkeit in ihnen gehört zu den härteren Prüfungen im Pokeralltag.