In Kalifornien ist ein großer Rechtsstreit zwischen sieben indigenen Stämmen und nahezu allen Cardrooms des Bundesstaates entbrannt. Die Stämme werfen den Spielstätten vor, durch die Nutzung sogenannter Third-Party Proposition Players (TPPPs) illegale Bankhalter-Kartenspiele anzubieten.
Der Fall, der am 1. Januar 2025 vor dem Sacramento Superior Court eingereicht wurde, fußt auf dem neuen Gesetz SB 549. Dieses erlaubt es den Stämmen erstmals, gegen Betreiber vorzugehen, ohne finanzielle Entschädigungen fordern zu müssen. Bislang konnten sie aufgrund ihres Status als souveräne Nationen keine derartigen Klagen einreichen.
Die Kläger argumentieren nun, dass die angebotenen Spiele gegen das kalifornische Glücksspielrecht verstoßen, da sie das exklusive Recht der Stämme auf Bankhalter-Kartenspiele untergraben.
Klage richtet sich gegen fast 100 Kartenspielbetriebe
Die Klage umfasst 96 Angeklagte, darunter zahlreiche Cardrooms sowie Unternehmen, die sich auf TPPP-Dienste spezialisiert haben. In kalifornischen Cardrooms sind per Gesetz nur Spiele erlaubt, bei denen die Spieler selbst als Bankhalter fungieren, also Einsätze der anderen Spieler entgegennehmen und auszahlen. Ursprünglich bedeutete dies, dass sich die Rolle des Bankhalters regelmäßig unter den Spielern am Tisch abwechseln musste. Doch um eine stabilere Spielstruktur zu gewährleisten und das finanzielle Risiko der Spieler zu minimieren, entwickelten die Cardrooms mit der Zeit eine Lösung: die TPPPs.
Diese TPPPs sind externe Unternehmen oder Einzelpersonen, die gegen eine Gebühr als Bankhalter einspringen. Sie setzen ihr eigenes Geld ein, übernehmen das Risiko und ermöglichen es den Cardrooms, bankgestützte Spiele wie Blackjack oder Baccarat anzubieten, ohne dabei offiziell gegen das Gesetz zu verstoßen. Zwar wird den regulären Spielern formal weiterhin die Möglichkeit geboten, selbst als Bankhalter aufzutreten, doch in der Praxis geschieht dies nur selten. Viele Spieler wollen das Risiko nicht tragen oder verfügen nicht über die finanziellen Mittel, um große Einsätze abzusichern.
Um den Anschein der Legalität zu wahren, wurden Mechanismen eingeführt, die den Eindruck erwecken, dass die Bankhalter-Rolle tatsächlich wechselt. So gibt es beispielsweise kurze Unterbrechungen („Breaks“), in denen theoretisch ein anderer Spieler die Bank übernehmen könnte.
In der Realität bleiben die TPPPs jedoch meist dauerhaft in dieser Rolle, da kaum ein normaler Spieler Interesse daran hat, das finanzielle Risiko eines Bankhalters zu übernehmen.
Laut den Stämmen seien diese Spiele nicht mehr von klassischen Casinospielen in Nevada oder New Jersey zu unterscheiden und würden damit die gesetzlich festgelegte Glücksspielhoheit der indigenen Stämme in Kalifornien verletzen.
Einstweilige Verfügung gegen Cardrooms abgelehnt
Bereits zu Beginn des Prozesses beantragten die Stämme eine einstweilige Verfügung, um die Cardrooms daran zu hindern, weiterhin TPPP-gestützte Spiele anzubieten. Der zuständige Richter, Lauri A. Damrell, lehnte diesen Antrag jedoch ab.
Die Begründung für die Ablehnung wurde nicht detailliert ausgeführt, doch zwei Faktoren dürften eine Rolle gespielt haben: Erstens sind diese Spiele gemäß den bisherigen Entscheidungen der kalifornischen Glücksspielbehörden legal. Zweitens würde eine sofortige Einstellung dieser Spiele erhebliche wirtschaftliche Folgen für die Cardrooms haben, insbesondere weil der Rechtsstreit voraussichtlich Jahre dauern und mehrere Berufungsinstanzen durchlaufen wird.
Langwierige juristische Auseinandersetzung erwartet
Die Klage könnte weitreichende Auswirkungen auf die Glücksspielbranche in Kalifornien haben. Sollte das Gericht zugunsten der Stämme entscheiden, könnte dies das Geschäftsmodell vieler Cardrooms erheblich einschränken.
Ob dies tatsächlich geschieht, steht derweil noch in den Sternen. Die Betreiber der Cardrooms berufen sich darauf, dass ihre Spiele von den Behörden über Jahre hinweg toleriert wurden und dass sie innerhalb der bestehenden Gesetze agieren. Die Stämme hingegen argumentieren, dass die aktuelle Praxis ein Schlupfloch nutzt, um das Verbot von bankgestützten Spielen in Cardrooms zu umgehen.
Angesichts der Komplexität des Falls wird mit einer langen juristischen Auseinandersetzung gerechnet, die möglicherweise bis vor den Obersten Gerichtshof des Staates oder sogar vor das US-Bundesgericht gehen könnte. Sollte zugunsten der Stämme entschieden werden, könnte auch Poker betroffen sein, da den Cardrooms dann der finanzielle Ruin droht.
