Las Vegas – Hofbräuhaus, am Rande der Erträglichkeit, Kitsch as Kitsch can in weiß /blau, die Stimmung war phänomenal und die WSOP deutschlandfrei. Alle, also fast alle Germanophilen und Germanen hatten sich in der nachgebauten Münchner Bierausschank eingefunden und eine Aufzählung der Anwesenden würde nur die Liste der deutschen Pokerspieler in Vegas widerspiegeln.
Anfangs war das Grundgefühl noch norddeutsch zurückhaltend, doch sobald alle Wetten abgeschlossen, jedes Bier und Essen bestellt und der Anpfiff erfolgte, war der Raum erfüllt von Schlachtgesängen und Anfeuerungen. Allen voran der „Einpeitscher der WSOP“ Flo Langmann und die Insassen der Luckbox-Villa. Überraschenderweise „getrauten“ sich doch einige leidensfähige Australier ins deutsche Hoheitsgebiet, um 90 Minuten später auf Deutschland und deren Sieg mit „Hofbräu beer“ anzustoßen.
Die Speisekarte im „Hofbräu“ kann man durchaus als deutsch bezeichnen, die Erklärungen zu den Speisen aber amüsierend amerikanisch: Schweinebraten (This is one a bavarian cannot live without), Fleischpflanzl (Giant bavarian hamburger), Leberkäs‘ (bavaria’s absolut favorit) oder Bierkutschersteak (enjoyed by beer trucker after a hard day). Das Bier in vernünftigen Größen zu Oktoberfestpreisen. Für eine „Mass“ durften $13,95 abgelegt werden, was für vegas’sche Verhältnisse als sehr günstig einzustufen ist, der WSOP-Preis für einen ¼ Liter Bier beginnt bei $7.
Als die BRD in der 8. Minute das erste Tor schoss wurde von den meisten Zuschauern die zweite Runde „Mass“ bestellt (die erste Runde war pre-game), in der 26. Minute, also beim zweiten Tor bereits die 4. Runde (dem Leser obliegt es die mathematische Fortführung zu errechnen um zur Endzahl der getrunkenen Biere zu gelangen). Die Kellnerinnen, nett in Phantasie-Dirndln gekleidet, welche zum Teil deutsche Wurzeln hatten, waren aber mit dieser geballten Menge „Altheimat“ hoffnungslos überfordert – echte Deutsche sind eben doch anders als Deutsch-Amerikaner.
Weil das „Hofbräu“, streng nach seinem Münchner Vorbild ein rauchfreies Lokal ist, traf sich die Fangemeinde draußen vor dem Gebäude auf eine Zigarette und ein Gespräch und wenig verwunderlich wurde ausschließlich über Fußball gesprochen, über die Fehlleistungen des Schiedsrichters, die mutige Einsetzung von Klose und jeder war Fachmann, fast wie beim Pokern.
In der zweiten Hälfte kam dann endlich das zum Beginn der ersten Hälfte bestellte Essen und die Aufmerksamkeit beim dritten Tor bezog sich hauptsächlich auf Leberkäse, Weißwürste und Schweinebraten. Doch beim vierten Tor waren die Schlachtenbummler wieder voll bei der Sache und ihre Gesänge fanden bis zum Abpfiff kein Ende mehr.
Einmal mehr war die treibende Kraft im deutschen Pokerteam, Flo Langmann, welcher mit Megaphon die Massen anheizte, begleitet vom Chor der „Luckbox-Villa“. Die Bewohner der Luckbox-Villa fanden noch eine interessantes Spiel zur Begleichung der Rechnung, nämlich „Kreditkarten-Roulette“. Alle Kreditkarten wurden auf einen Haufen geworfen und eine Zahl gesagt. Jene Karte welche sich an dieser Stelle befand, schied aus, solange bis eine Karte übrig blieb und der Halter jener Karte durfte dann die Gesamtrechnung übernehmen, bevor sie in der Strech-Limousine abrauschten.
Alles in allem ein Fußball-Frühstück, wie es sein sollte. Wenn die Amerikaner wissen möchten, wie Party funktioniert, dann brauchen sie nur zu einem Fußballspiel mit deutscher Beteiligung kommen.
Stimmen zum Spiel
Sebastian Ruthenberg:
„Ich bin happy, wir sind alle sehr, sehr glücklich. Ich bin stolz auf mein Land. Es war ne super Stimmung, wir waren laut, haben ne Menge Fan-Gesänge losgelassen. Florian Langmann war vielleicht nicht der beste Capo, aber er trainiert noch“
„Was machst du heute noch? Spielen?“
„Jetzt wird weiter Party gemacht.“
Dani Studer (Schweiz):
„Ich muss sagen die Deutschen haben ein souveränes Spiel gemacht und ich denke sie werden den Gruppensieg schaffen, aber gegen die Schweiz dann im Viertelfinale ausscheiden.“
„Tendiertest du eher zu den Australiern oder doch zu den Deutschen?“
Schon für Deutschland, aber erst als sie 1:0 geführt haben, vorher nicht.“
Michael Keiner:
„Leider ein Tor zuviel, sonst hätte ich den Jackpot gewonnen“
„Wie hoch war der Jackpot?“
„Weiß nicht, so $120“
„Hätte das deine Bankroll verdoppelt?“
„Nein, vervierfacht“
Deniz Yavuz:
„Du kannst ruhig schreiben, dass die Türken das Spiel gewonnen haben. Die haben natürlich überragend gespielt, aber da war auch ein überragender Türke der das Spiel macht, ist ja normal. Nicht?“
Flo Langmann:
„Ja, wie schon gesagt…“
„Wie schon gesagt..?“
„Ja, das hat der Ballack auch immer gesagt.
Also, wie schon gesagt, wir haben gut nach vorne gespielt und hinten haben wir zumindest die Chancen nicht zugelassen und das reicht dann ja auch. Ich hätte mir ein sieben oder acht null gewünscht, aber 4:0 reicht mal für’s erste Spiel. Ich glaub wir können noch einen drauflegen beim nächsten mal.“
„Falls es mit Poker nichts wird, siehst du deine Zukunft als „Capo“ für die deutsche Nationalmannschaft?“
„Entweder das oder ich werde Alleinunterhalter, das hatte ich sowieso geplant.“