Ich bin normalerweise keiner, der sich großartig oder intensiv oder überhaupt mit der Theorie des Pokerns auseinandersetzt. Ich analysierte nicht, ich lernte nicht, ich ignorierte bislang vehement und mit bewusster Nachlässigkeit alle Pokerschulen dieses Planeten. Ich bekenne auch, dass ich noch nie ein Buch über Pokerstrategien und über die reine Lehre dieses Spiels gelesen habe. Ich spiele nicht nach Können, Kalkulation, strategischer Mathematik und geplantem Vorausschauen, sondern anhand der Kriterien Gefühl, Bauch, Spaßfaktor und Alkoholpegel. Und, nein, ich wundere mich nicht, dass meine spielerische Leistung ebenso wie die Häufigkeit meines Sitzens am finalen Tisch stagnieren. Auf unterem Niveau. Auf einer zu vernachlässigenden Mikro-Ebene.

Ich werde ab sofort immer drei Schritte vorausplanen. Und ich freue mich ab sofort auch über Suckouts gegen mich. Weil sie beweisen, dass ich zu dem Zeitpunkt vorne war. Ich werde das Privileg vorne zu sein auch entsprechend würdigen und genießen. Ich werde weiterhin an meiner Routine arbeiten; auch das ein Originalzitat von Stephan Kalhamer; und wenn ich es nicht schaffe, sie selber aufzubauen, warte ich darauf, dass der Gegner abbaut.

Alles ein Darwinismus der Ideen. Wie es Poker halt ist. Über die ich mir aber bislang viel zu wenig Gedanken gemacht habe. Das hole ich jetzt alles nach.
Unter den Teilnehmern war auch Franzi Winkler. Gewinnerin u.a. des Montesino Damentages. Ihr Statement zu dem Tag:
Ich bin im Prinzip ohne große Erwartungen hingefahren, war aber schnell erstaunt und überrascht, welche Facetten des Spiels ich noch nicht kannte. Welche Sichtweisen Stephan Kalhamer auf das Spiel und die Spieler hat. Ich werde mein Art am Pokertisch nicht wirklich ändern, wohl aber meine Spielweise. Es war ein geiler Nachmittag, der viel zu schnell vorbeiging.

Meine neuen Pokeransätze werde ich in die nächsten Spiele einbringen. Und ich werde mein Spiel daraufhin umstellen. Umstellen müssen. Und wollen. Also – Final Tables aufgepasst – ich komme.