Die Österreicher, Deutschen und Schweizer haben beim Nationscup der Poker EM quasi Heimvorteil. Das türkische und das persische Team haben auch noch fast ein Heimspiel, aber es gibt da doch einige internationale Teams, deren Besetzung sich wirklich sehen lassen kann.
Kristoffer Thorsson
Was weiss man schon über Schweden und seine Insassen? Sie sind alle blond und groß, sie ernähren sich ausschließlich von Knäckebrot und Rentierschinken, in Stockholm wird an jeder Ecke ein Porno gedreht, sie richten ihre Holzhäuser im Ikea-Style ein, Fußball wird nur in Malmö gespielt und es ist immer Winter oder Midsommer. Außerdem mischten sie Onlinepoker auf wie sonst kaum eine andere Nation in den letzten Jahren. In wie weit diese Aggro-Taktik bei den beiden gespielten Varianten, Texas Hold’em No Limit und Omaha Pot Limit, aufgeht in der teilweise „Altherrenrunde“ wird sich zeigen und notfalls können sie noch Knäckebrotverkäufer in Stockholm werden.
Deniz stellt das einzige türkische Team dieser EM und schafft so einen Bezug zu einer weiteren EM her, nämlich der im Fussball. Da spielen ja auch die Deutschen und die Österreicher und Türken in einer Gruppe. Allerdings wird behauptet, dass die Türkei im Fussball sechs Heimspiele hat. Bei der Poker-EM wird dies wohl nicht so sein. Doch wenn man die Emotionen des türkischen Teams im letzten Jahr sah, dann wissen wir, dass die sich ihre Stimmung selber machen. Es wird laut, sehr laut, manchmal vielleicht zu laut, aber dies wird mitreißend charmant.
John Kabbaj
Der Engländer ging bei der WSOP06 in die Geschichtsbücher der Pokerunglücklichen ein. Beim Super Satellite für das $50K HORSE-Event rannte er mit einem „Four of a kind“ in ein Straight Flush. In der direkt darauf folgenden Hand hatte er abermals einen Poker und wurde von einem Royal Flush leicht überboten. Offensichtlich hat ihm das die Freude am Poker nicht genommen und Mut lässt sich nicht kaufen, egal wie oft man in ein Monster rennt und in Baden wünschen wir ihm, dass er ein Straight Flush voll ausbezahlt bekommt, allerdings nur gegen die Schweden, oder Finnen, oder …
Der Italiener an sich ist ja dafür bekannt, dass er viel zu emotionell ist für das Pokerspiel. Ein Top-Pair loslassen fällt eben schwer, auch wenn da unten ein Straight- oder ein Flush Draw liegt. Einige Cash-Gamer finanzierten sich das Schulgeld für ihre Kinder durch Geld aus italienischen Kassen. Das Team zählt sicher nicht zu den stärksten dieser EM, Alioto mal ausgenommen. Der einzige der international irgendwie in Erscheinung trat ist Gabriele Lepore, der beim Side Event der EPT Snowfest 2010 Zweiter wurde.
Sicher das stärkere der beiden italischen Teams und mit Irene Baroni spielt auch die einzige Frau des Nationen-Cups mit und somit auch die einzige aus Italien stammende, die in Baden mal etwas gewonnen hat, nämlich im letzten Jahr das € 800 NLH. Ganz verstehen kann ich es zwar nicht, dass die beiden stärksten Italiener (Alioto und Pescatore) nicht ein Team bilden. Mit den beiden und Baroni wären sie sicher einer der Favoriten für dieses Turnier, so haben sie durch diese Besetzung wohl eher nur eine Statistenrolle, aber irgendwer muss ja auch für’s Preisgeld sorgen.
Zum Zeitpunkt an dem diese Worte geschrieben wurden, war Alex zwar als Teamkapitän gemeldet, allerdings noch ohne Team. Wundert auch nicht. Stell dir vor, du bist in seinem Team und du machst einen Spielfehler. Der kravchenkosche Blick lässt dich dann selbst in die Ecke setzen um dort bitterlich zu weinen. Wahrscheinlich will sich das niemand mit ein wenig Selbstachtung antun und deshalb spielt er vielleicht das Team-Event ganz alleine, denn nur Kravchenko kann dem bösen Blick von Kravchenko ohne zu weinen widerstehen.
Was für ein Team! Rein von der Statisik her eines der Topfavoriten dieser EM. Peter Gelencser, Peter Traply und Valdemar Kwaysser haben jeweils ein WSOP-Bracelet gewonnen. Nur der Kapitän selbst hat noch keines, dafür aber einen WPT-Titel und der zählt bekanntlich auch schon was. Abgesehen davon kommt er auf Total Winnings von $1,062,949 und insgesamt gesehen ist das Team vermutlich wirklich eines der allerbesten in diesem Jahr.
Es ist ja nicht das erste Mal, dass Juha, dessen Vorname eher klingt wie ein Ausruf der Freude, einem Team vorsteht. Helppi, dessen Nachname klingt wie die finnische Version eines Beatles-Songs, war schon Kapitän seines Teams bei den finnischen Paintball-Meisterschaften mit denen er 1997, 2003, 2007 und 2008 die finnischen Meisterschaften gewann. Ilkka Koskinen, Kimmo Kurko, und Juha Lauttamus sind dagegen weder im Paintball noch im Live-Poker wirklich mit ganz großen Resultaten in Erscheinung getreten.
Ilari Tahkokallio
Ilari gelten wohl die Vorschusslorbeeren als den fairsten Spieler dieser EM. Bei der letztjährigen EPT Berlin war er mit A10 gegen AQ zum Zeitpunkt des Überfalls all-in. Nachdem das Turnier wieder fortgesetzt wurde und Thomas Kremser alle zu diesem Zeitpunkt bespielten Hände für ungültig erklärte, bestand Ilari darauf auch noch den ausstehenden River zu dealen, mit dem er dann auch seinen Gegner aufdoppelte. Leider gibt es im Poker keinen Fairnesspreis, den hätte er sich verdient. Aber zumindest konnte er den zweiten Platz bei der EPT Berlin erobern und so ein paar Cent mitnehmen.
Finnland, ein seltsames Land mit vielen kleinen, schifliegenden, blonden Männern, welche sich von Trockenfisch ernähren. Und keiner in diesem Team entspricht diesem Klischee. Mit Juha Vilkki, Jyri Merivirta sind eher die jüngeren am Start, welche durch den Routinier Risto Ailamo ein wenig reguliert werden können. Der gesamte Live-Cash dieser Truppe beläuft sich auf $640.266. Wenn man davon ausgeht sind sie nicht wirklich eine Gefahr für einen Sieger, der eine Sprache spricht, die wir verstehen.
Das iranische, oder muss man aus politischer Korrektheit „persische“ Team sagen, bringt mit Varahram „Toni“ Vardjavand und seiner Fachgruppe ein wenig echtes internationales Flair in dieses Turnier. Es wäre doch langweilig, wenn nur Europäer und Schweizer teilnehmen würden. Obwohl natürlich gesagt werden sollte, dass dieses Team, mit Alex Jalali, Pouya Pouya und Eskimo, bei ganz geringer näherer Betrachtung so etwas wie ein fünftes deutsches Team darstellt. Weil aber pro Nation nur vier Teams antreten dürfen, ging man den Weg über die alte Heimat. Weshalb fällt mir jetzt das Wort „Teppichhändler“ ein?




