- Festnahme in Oregon: NBA-Coach Chauncey Billups wird wegen Beteiligung an einer Mafia-Pokeroperation verhaftet
- Weitere Stars im Visier: Auch Terry Rozier und Damon Jones wegen separater Wettmanipulationen angeklagt
- Verbindungen zur organisierten Kriminalität: Pokerpartien sollen gezielt manipuliert und von Mafia-Familien kontrolliert worden sein
Nur wenige Stunden nach dem ersten Spiel der neuen NBA-Saison wurde Portland Trail Blazers Head Coach Chauncey Billups von FBI-Beamten in Oregon festgenommen.

Der 49-jährige ehemalige NBA-Star steht im Verdacht, Teil einer illegalen Pokeroperation zu sein, die enge Verbindungen zur Mafia haben soll. Medienberichten zufolge handelt es sich um ein groß angelegtes Netzwerk, das von Mitgliedern der Bonanno-, Genovese- und Colombo-Familien unterstützt wurde.
In Pokerspielen mit manipulierten Mischmaschinen sollen Profis gezielt zum Verlieren oder Gewinnen angewiesen worden sein. Die Partien fanden demnach unter anderem in Manhattan, den Hamptons und Las Vegas statt.
Was kommt als Nächstes?
Billups soll zunächst in Oregon dem Haftrichter vorgeführt werden, bevor er in Brooklyn vor einem Bundesgericht erscheinen muss. Dort wird auch das Verfahren gegen den wegen Wettbetrugs verurteilten Ex-Raptors-Spieler Jontay Porter geführt.
Der einstige NBA-Champion und Finals-MVP von 2004 galt lange als Vorzeigesportler. Nach seinem Karriereende 2014 war er als TV-Analyst und kurzzeitig als Assistant Coach der Clippers tätig, bevor er 2021 die Blazers übernahm. Trotz sportlich durchwachsener Bilanzen hatte er erst dieses Jahr einen neuen Vertrag erhalten.
Portland Trail Blazers coach Chauncey Billups has been arrested by the FBI for alleged illegal gambling, sources tell ESPN.
— Shams Charania (@ShamsCharania) October 23, 2025
Rozier und Jones ebenfalls angeklagt
Neben Chauncey Billups gerieten am selben Morgen auch zwei weitere bekannte Namen ins Visier der Ermittlungsbehörden: Miami-Heat-Guard Terry Rozier und der ehemalige NBA-Spieler sowie Assistant Coach Damon Jones. Obwohl alle drei Festnahmen am selben Tag erfolgten, handelt es sich laut FBI um voneinander getrennte Verfahren mit jeweils eigener Dynamik.
Rozier und Jones werden verdächtigt, Teil eines Sportwetten-Netzwerks gewesen zu sein, das sich durch Insiderwissen einen massiven Vorteil verschaffte. Dabei sollen NBA-Partien mithilfe vertraulicher Teaminformationen manipuliert worden sein. Jones soll laut ABC gezielt interne Details an Wettkunden weitergegeben haben. Dies erinnert frappierend an den Skandal rund um Jontay Porter erinnert.
FBI-Direktor Kash Patel hat für den Vormittag eine Pressekonferenz angekündigt, bei der die genauen Vorwürfe und womöglich auch weitere Namen auf den Tisch kommen könnten. Die NBA, ohnehin angeschlagen durch die Affäre Porter, sieht sich mit einer weiteren massiven Vertrauenskrise konfrontiert.
Update vom 24.10.2025: FBI gibt weitere Details über den Fall bekannt
Der Fall rund um Chauncey Billups scheint sich zu einem der größten Glücksspielskandale der US-Sportgeschichte auszuweiten. Zwei separate, aber miteinander verwobene Anklagen decken auf, wie ein Netzwerk aus NBA-Spielern, -Trainern und Mitgliedern der Mafia über Jahre hinweg illegale Sportwetten und manipulierte Pokerturniere organisiert und millionenschwere Gewinne eingestrichen haben soll. Insgesamt wurden bislang 34 Personen in elf US-Bundesstaaten festgenommen.
So funktionierte der Betrug
Laut Angaben der Bundesanwaltschaft begann die als „Operation Royal Flush“ bezeichnete Pokerbetrugsserie bereits im Jahr 2019. Über einen Zeitraum von rund sechs Jahren wurden demnach regelmäßig illegale High-Stakes-Pokerrunden veranstaltet, und zwar bevorzugt an luxuriösen Orten in Manhattan, Miami, Las Vegas oder den Hamptons.
NBA-Stars als Köder
NBA-Stars wie Chauncey Billups und Damon Jones fungierten als sogenannte „Face Cards“. Ihre bloße Anwesenheit am Pokertisch sorgte dafür, dass reiche Privatleute bereit waren, hohe Buy-ins zu bezahlen, um gegen ihre sportlichen Idole zu spielen.
Was die „Fische“ (so wurden die Zielpersonen intern genannt) jedoch nicht wussten: Der Betrug war systematisch vorbereitet und sie hatten nie eine echte Gewinnchance.
Der Pokerbetrug stützte sich auf ausgeklügelte Technik und perfekt abgestimmter Kommunikation. Ziel war es, schon vor dem River genau zu wissen, wer welche Karten hält und entsprechend zu agieren. Zum Einsatz kamen dabei:
- Manipulierte Mischmaschinen vom Typ DeckMate 2: Diese Geräte wurden heimlich umprogrammiert, sodass sie beim Mischen die Kartenverteilung auswerteten und sie per Funk an einen externen Operator übermittelten.
- X-Ray-Tische: Mit spezieller Hardware ausgestattet, erlaubten diese es, die verdeckten Karten der Spieler sichtbar zu machen.
- Pokerchip-Trays mit versteckten Kameras: Diese erfassten zusätzliche Informationen vom Tisch.
- Markierte Karten, die nur mit speziellen Kontaktlinsen oder polarisierten Brillen zu erkennen waren.
- Card Analyzer in modifizierten Mobiltelefonen: Diese Geräte konnten über versteckte Kameras oder Infrarotsignale ebenfalls Informationen auslesen.
- „Quarterbacks“ am Tisch: Diese Mitspieler erhielten vom externen Operator in Echtzeit die Informationen über die Hände aller Beteiligten. Ihre Aufgabe war es, diese Informationen per Körpersprache oder unauffälligen Gesten an ihre Mitspieler weiterzugeben. Ein Tippen auf einen Chip, ein Kratzen am Kinn oder das Berühren des Unterarms genügte, um zu zeigen, wer die beste Hand hatte.
Das Ergebnis: Die „Cheating Crew“ spielte wie mit offenen Karten. Sie wussten genau, wann sie einen „Fish“ ausnehmen konnten, wann man ihn absichtlich eine Hand gewinnen lassen musste, um ihn länger im Spiel zu halten, und wann es Zeit war, zuzuschlagen. In einem internen Chatverlauf heißt es etwa: „Leute, lasst ihn bitte eine Hand gewinnen. Er hat in 40 Minuten schon 40.000 Dollar eingesetzt. Wenn er keinen Erfolg hat, wird er gehen“.
Mafia als logistischer Partner und Geldwäscher
Auch die Strukturen hinter dem System waren professionell organisiert. Mafia-Familien wie Bonanno, Gambino, Genovese und Lucchese stellten Infrastruktur sowie „Sicherheit“ und sicherten sich dafür Anteile an den Einnahmen. Die illegal erlangten Gelder wurden anschließend über Briefkastenfirmen, Bargeldtransaktionen und Kryptowährung gewaschen.
Die Abzocke endete aber nicht am Tisch. Bei Zahlungsunwilligkeit sorgten Mitglieder der Mafia durch Erpressung, Einschüchterung oder sogar bewaffnete Übergriffe für Nachdruck.
Laut FBI beläuft sich der gesicherte Schaden auf mindestens 7 Millionen US-Dollar. Ein einzelnes Opfer verlor sogar 1,8 Millionen US-Dollar in einer einzigen Session.
Wer war beteiligt?
Die beiden Anklageschriften nennen ein weit verzweigtes Netzwerk aus Profisportlern, Technikern, Glücksspielorganisatoren und Mitgliedern der organisierten Kriminalität. Die wichtigsten bisher bekannten Personen im Überblick.
Chauncey Billups
49, Head Coach, Portland Trail Blazers
Der ehemalige NBA-Finals-MVP von 2004 wurde als sogenannte „Face Card“ eingesetzt, also als Promi, der zahlungskräftige „Fische“ an die Tische locken sollte. Laut Anklage nahm er aktiv an manipulierten Pokerrunden teil, unter anderem im April 2019 in Las Vegas, wo er 50.000 US-$ als Beteiligungsprämie erhalten haben soll. Ermittler fanden Chatverläufe, in denen sich Beteiligte darüber sorgten, dass Billups zu viele Hände gewinne und ihn aufforderten, absichtlich zu verlieren, um Verdacht zu vermeiden.
Damon Jones
49, ehemaliger NBA-Spieler und Coach (u. a. Cavaliers, Lakers)
Jones ist der einzige namentlich bekannte Beschuldigte, der in beiden Verfahren auftaucht. Er soll nicht nur als „Face Card“ bei den manipulierten Pokerrunden mitgewirkt haben, sondern auch NBA-Insiderinformationen verkauft haben. Unter anderem soll er einem Komplizen vor einem Spiel der Lakers gegen die Bucks im Februar 2023 verraten haben, dass ein „prominenter Spieler“ (mutmaßlich LeBron James) ausfällt.
Terry Rozier
31, Guard, Miami Heat
Rozier wird verdächtigt, gezielt seine Einsatzzeiten manipuliert zu haben, um Wetten zu beeinflussen. Besonders schwer wiegt ein Fall vom 23. März 2023, bei dem er einem Komplizen mitteilte, er werde „wegen einer Verletzung“ frühzeitig das Spiel verlassen. Wetten auf seine „Under“-Statistiken zahlten sich anschließend aus. Rozier ist einer von sechs Beschuldigten im Sportwetten-Verfahren.
Tony „Black Tony“ Goodson
52, Forsyth, Georgia
Goodson war laut Anklage maßgeblich an der Entwicklung und Verbreitung der manipulierten Shuffler beteiligt. Diese Geräte konnten Kartendecks auslesen und die Daten per Funk übermitteln.
John „John South“ Mazzola
43, Gray, Georgia
Mazzola gehörte offenbar zu den Technikern der Gruppe. Zudem soll er an einem bewaffneten Raubüberfall beteiligt gewesen sein, bei dem ein Gerät, das für den Betrug verwendet wurde, von einem ehemaligen Komplizen zurückgeholt wurde.
Kenny Han, Shane Hennen, Robert Stroud
Diese Männer fungierten laut Anklage als Entwickler, Distributoren und Techniker. Hennen etwa wurde bereits im Januar 2025 am Flughafen in Las Vegas verhaftet, als er offenbar das Land verlassen wollte. In seinem iCloud-Account fanden Ermittler Baupläne für manipulierte Shuffler und Software-Tools zur Spielauswertung.
Mafia-Verbindungen

Die organisierte Kriminalität übernahm wohl Schutz, Logistik, Inkasso und Geldwäsche. Die Anklage nennt vier der berüchtigten „Five Families“ New Yorks:
- Bonanno-Familie
- Gambino-Familie
- Genovese-Familie
- Lucchese-Familie
Laut FBI bekamen diese Familien Anteile an den Gewinnen und setzten Schulden mit Gewalt und Einschüchterung durch. Laut New Yorker Polizei wurde mindestens eine Person verprügelt und mit Waffengewalt bedroht, als sie nicht zahlte.
Mutmaßliche Mafia-Associates mit Codenamen:
- „Juice“: Möglicherweise verantwortlich für Logistik oder Schuldeneintreibung
- „Flappy“ (Ammar Awawdeh). Auch im Jontay-Porter-Fall aufgetaucht
- „The Wrestler“ (Matthew Daddino): Mutmaßlicher Genovese-Associate
- „Big Bruce“, „Pookie“, „Sugar“, „Albanian Bruce“, „Doc“: Weitere Beteiligte, die in internen Chats und Anklageschriften auftauchen
Das droht den Beschuldigten
Alle Beschuldigten wurden auf Kaution freigelassen. Billups musste seinen Pass abgeben und darf Oregon sowie Colorado nur mit Genehmigung verlassen. Rozier hinterlegte seine Immobilie als Sicherheit. Beiden drohen bis zu 20 Jahre Haft pro Anklagepunkt wegen u. a. Datenbetrug, Geldwäsche und illegalem Glücksspiel.
Die NBA reagierte mit „sofortiger Beurlaubung“ von Billups und Rozier. Assistant Coach Tiago Splitter übernimmt vorerst das Traineramt in Portland. Die Liga erklärte, sie nehme die Integrität des Spiels „äußerst ernst“.