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Offener Brief von Dr. Michael Keiner an die MinisterpräsidentInnen der Länder

Michael Keiner, PokerStars Pro und seit vielen Jahren angesehens Mitglied der deutschen Pokerszene, hat einen offenen Brief an die MinsterpräsidentInnen der Länder verfasst. Anlass ist die aktuell stattfindende Konferrenz zur teilweisen Öffnung des Glücksspielmarktes.


An die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder

15. Dezember 2010

Betreff: Ministerpräsidentenkonferenz zum Glücksspielstaatsvertrag am 15. Dezember 2010

Sehr geehrte Frau Ministerpräsident,
sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

ich wende mich als leidenschaftlicher Pokerspieler und erfahrener Chirurg an Sie, da Sie am 15. Dezember 2010 im Rahmen der Ministerpräsidentenkonferenz über Zukunft des Glücksspiels in der Bundesrepublik Deutschland mit entscheiden werden.

Auch das Pokerspiel ist ein Teilaspekt und Gegenstand dieser Thematik und so werden natürlich über drei Millionen deutsche (Online-)Pokerspielerinnen und -spieler den Verlauf und Ausgang Ihrer Beratungen mit großem Interesse verfolgen.

Poker hat sich gerade in den letzten Jahren einen festen Stellenwert als Freizeitbeschäftigung bei zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern erobert. Aufgrund der erheblichen Geschicklichkeitsmomente des Spiels werden kombinatorische, mathematische und psychologische Fähigkeiten trainiert und darüber hinaus durch die Aktivitäten von Pokerclubs und Vereinen zumindest mittelbar auch soziale Kompetenzen gefördert. An einem Pokertisch treffen sich Rechtsanwälte und Bauarbeiter, Ärzte und Kellner, Lehrer und Verkäufer, um gemeinsam ihrem Hobby nachzugehen, ohne dass soziale Schranken signifikant spürbar wären. Dabei bewegen sich die Einsätze pro Spiel zumeist im Centbereich und das riskierte Kapital eines Spielabends übersteigt nicht einmal den Wert einer Kinokarte.

Am 8. September 2010 hat der Europäische Gerichtshof den Glücksspielstaatsvertrag in seiner aktuellen Form aufgrund mangelnder Kohärenz für unzulässig erklärt. Jetzt sind die Politiker dieses Landes gefordert, die Weichen für die Zukunft zu stellen. Dabei tun sich zwei Wege als Lösungsmöglichkeit auf. Der erste Weg wäre eine drastische Verschärfung des Monopols mit radikaler Reduktion der Werbe- und Vertriebsmöglichkeiten des staatlichen Glücksspielangebotes. Am Ende dieses Weges wird es nur Verlierer geben. Die Umsätze und Gewinne werden deutlich zurückgehen, es stehen weniger Mittel für soziale, kulturelle und sportliche Zwecke zur Verfügung, Arbeitsplätze werden gestrichen und die Steuereinnahmen sinken. Ergreifen Sie die Chance, das Internet-Pokerspiel dem Graubereich zu entreißen, um auch das Steuerpotential von Online-Poker auszuschöpfen, das ca. 15% höher als bei Sportwetten liegt, wenn – wie z. B. in Dänemark vorgesehen und im Markt nachgefragt – die sog. internationale Liquidität, also das Spielen über im Internet nicht existente Grenzen hinweg ermöglicht wird. Auch die deutschen Casinos sind sich darüber bewusst, diesen Spieldrang aufgrund des internationalen Charakters des Internet-Pokerspiels nicht kanalisieren zu können,. Und: Drei Millionen deutsche Pokerspielerinnen und –spieler würden beim Status quo der Nicht-Zulassung von Online-Pokerveranstaltungen als „Nebeneffekt“ in die Illegalität gedrängt werden.

Die Alternative wäre eine teilweise Öffnung des Glücksspielmarktes, auch und gerade unter Einbeziehung des Internets. Zahlreiche Mitgliedsländer der EU haben die Zeichen der Zeit erkannt und in den vergangenen Jahren über die Lizenzierung privater Anbieter einen teilliberalisierten Markt geschaffen, der staatlich überwacht und reguliert ist. Es gibt keinerlei Anzeichen, dass in jenen Ländern die Suchtproblematik ein größeres Problem als in der Bundesrepublik darstellt. Die Bekämpfung der Glücksspielsucht ist unbestritten wichtig, aber sie bedarf keines Monopols, um effektiv zu sein.

Wie ich aus der gegenwärtigen Diskussion entnehmen konnte, erörtern Sie grundsätzlich 3 Modelle zur künftigen Entwicklung des deutschen Glücksspielmarktes.

– Modell I (Weiterentwicklung des Monopols)
– Modell II (Beibehaltung des Lottomonopols und regulierte Marktöffnung anderer Glücksspiele/Sportwetten)
– Modell III (Modell I mit Experimentierklausel)

Meine eindringliche Bitte, auch im Namen von drei Millionen Wählerinnen und Wählern, die Poker spielen: Stimmen Sie für Modell II und stellen Sie somit die Weichen für eine zeitgemäße Entwicklung unserer Gesellschaft zum Wohle aller!

Mit freundlichen Grüßen,

Michael Keiner


20 Comments
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Kritiker
9 Jahre zuvor

„als leidenschaftlicher pokerspieler und erfahrener chirurg“… was genau hat zweiteres mit dem anliegen an sich zu tun???
oder ist chirurgie mittlerweile auch schon glückssache? :-)))

GermanHawke
9 Jahre zuvor

Ist Chirurgie mittlerweile auch schon Glückssache? – Wenn du Kassenpatient bist schon.

Ali
9 Jahre zuvor

Er schreibt es einfach weil er einer derer ist (Rechtsanwälte und Bauarbeiter, Ärzte und Kellner, Lehrer und Verkäufer) die Poker spielen. Ein Chirurg kommt da einfach besser als wenn es ein 20-jähriger Internet-Kiddie schreibt.

FranKKKK
9 Jahre zuvor

Lieber Michael,

als leidenschaftlicher Pokerspieler und erfahrener Geschäftsführer einer Firma mit 85 Mio. EUR Umsatz sage ich Dir: was soll das denn?

Pokerspieler sind weder gute Lobbyisten noch gute Politiker. Ok, Dein Sponsor will es so, also musst Du es wohl tun.

Aber mal ehrlich, welchen Ministerpräsidenten in Deustchland interessiert Dein Pokerstars-Statement?

Keinen!

Die wissen nämlich nicht, worum es geht

Ich rate Dir, mit Johannes B. Kerner und KTzG eine Talkshow auf Zypern aufzunehmen, wo Ihr die Vorteile von Pokern und Schönheitschirugie im Zusammenhang des Wechselkurses EUR/Dollar beleuchtet..und Du liftest parallel während der Sendung Bobby G…:-)

.oder anders:

Michael,pokere und bleib bei Deinen Leisten!

HerrKaiser
9 Jahre zuvor

Unglaublich! Da übernimmt mal ein angesehener Zeitgenosse und Repräsentant des Pokerns die Initiative und schon geht diese elende Lästerei (inklusive Schwanzvergleich)los…

GermanHawke
9 Jahre zuvor

Warum sollte ein Online-Poker-Ambieter die Auflösung des Glückspielvertrages wollen? In der Branche züchtet niemand seine eigene Konkurenz hoch.
Wann unser aller Lieblings-Chirug zuletzt einen OP von innen gesehen hat, lässt sich eh schwer ermitteln.
Aber zu glauben ein Minister bzw. eine Ministerin würde sich von einem Aussenstehenden irgend etwas sagen lassen, ohne entsprechende Parteispenden, der irrt.

Dutchman1887
9 Jahre zuvor

wenn nicht er, wer dann ?

GermanHawke
9 Jahre zuvor

Keiner

Trust2000
9 Jahre zuvor

Finde es gut. Auch wenn es wohl nicht all zu viel bringt wenn man den ersten dpa Meldungen sieht.

Aber Hoffnung stirbt zu letzt…

schallundrauch
9 Jahre zuvor

# Dutchman1887 am Mittwoch, Dezember 15, 2010

wenn nicht er, wer dann ?

# GermanHawke am Mittwoch, Dezember 15, 2010

Keiner

jetzt musst ich auch mal über hawke lachen..der war ech gut

phillip
9 Jahre zuvor

Dito

Kritiker
9 Jahre zuvor

*gröl*

nemo_da_fish
9 Jahre zuvor

Unfassbar wie viele Schwachköpf immer wieder hier kommentieren glauben zu müssen.

Natürlich bringt der Brief mit Sicherheit nicht den gewünschten Erfolg, aber immerhin besser als da zu sitzen, sich nen Finger in Arsch zu stecken und sich anschließend wundern warum der stinkt!

gonzo
9 Jahre zuvor

Bringen wird das sicher nix. Es handelt sich wohl eher um eine Maßnahme, die den Spielern zeigen soll: Wir (die Anbieter) tun was. Denn was sie (die Anbieter) tun dürfte eher im Verborgenen bleiben. Da wird hinter den Kulissen Lobbyarbeit betrieben (siehe z.B.:http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,734341,00.html).n In
wieweit das uns Pokerspielern nutzen wird sei dahingestellt.

Q
9 Jahre zuvor

Der offene Brief ist ja gut gedacht/gemacht, aber wieso sollten sich unsere Ministerpräsidenten/-tinen denn Ihren eigenen Ast absägen !?
Nicht jeder Politiker kann sein eigenes Volk direkt verkaufen, für einen Abteilungsleiter Posten…anbei eine gute Geschäftsidee….wir kaufen von Weißrussland unser Gas für 25% des gegenwärtigen Preises und zahlen dem ganzen land dort Ihr Gas was für uns den Preis auf ca 33% anheben würde und es gäbe in Zukunft keinen Grund mehr uns den Gashahn abzustellen zu wollen !

Nein, andere Politiker können das wirklich nicht und benötigen einen Monopolsessel bei der Lottogesellschaft um Ihre kargen Einnahmen aufzubessern.

bin mal gespannt wer mich in der Luft zereist mit den richtigen Zahlen. lol

Pokerparteivorsitzender
9 Jahre zuvor

🙂
Die einzige Möglichkeit wäre wohl, eine Glücksspielpartei – Pokerpartei zu gründen!

Dies Partei muss dann 51 % Prozent bei den nächsten Wahlen haben und dann können wir unsere Gesetze selbst bestimmen. ;-).

Wäre doch sooo einfach!!! :mrgreen:

Ein Brief bringt hier gar nichts – wird nicht mal gelesen!!!!

Q
9 Jahre zuvor

ich werde Kassenwart …brauche auch noch ein bisschen Backschisch… das ist ja die beste Geschäftsidee überhaupt 8)

FranKKKK
9 Jahre zuvor

Ergänzung zu meinem Kommentar:

„Dabei bewegen sich die Einsätze pro Spiel zumeist im Centbereich und das riskierte Kapital eines Spielabends übersteigt nicht einmal den Wert einer Kinokarte.“

Aja, wir fahren/fliegen und wohnen für tausende von EUR in den europäischen Luxushotels und Ländern, um die Chance zu haben, 2,50 EUR zu gewinnen…alles klar, Michael, weiter so, und die verbieten Pokern endgültig, weil es offensichtlich zu schwerem Wirklichkeitsverlust führt

stefan
9 Jahre zuvor

@franKKKK: nur ein bruchteil der spieler nimmt an solchen turnieren teil. der großteil der spieler, spielt wirklich im cent oder kinokarten bereich.
ich glaube auch, dass man den michael nicht daran erinnern muss, wie viel man für turniere und „luxushotels“ ausgibt bzw ausgeben kann. er ist seit jahren in der szene und hat einen ganz guten überblick.
persönlich, finde ich den brief gelungen. dass er nicht viel bewirken wird, weiß der michael selbst ganz gut. aber wenigstens kann er sein gewissen beruhigen, dass er es zumindest probiert hat.
und…klar hört man eher auf einen chirurgen als auf einen bauarbeiter. (möchte hier niemandem zu nahe treten, aber unsere gesellschaft ist nunmal so aufgebaut).

herb
9 Jahre zuvor

In Sachsen und Schleswig-Holstein plädiert bereits eine deutsche Partei(mag die Partei nicht:) für die legalisierung von online-poker. liegt doch auf der hand. und das problem beim pokerlobbyismus is nun mal das poker leider sehr egoisitsch is und deshalb keine lobby hat… da kann man froh sein, scheiß egal obs der sponsor will oder ers von selbst gemacht hat, dass überhaupt jemand uns eine stimme verleiht. Meinen Dank hast Doc!