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Österreich und sein neues Glücksspielgesetz

Den 16. Juni 2010 werden sich alle privaten Pokeranbieter in Österreich im Kalender schwarz anstreichen. Denn gestern hat der Nationalrat die Novelle zum Glücksspielgesetz beschlossen und damit das Aus für die Card Casinos mit spätestens 31.12.2012 besiegelt.

Wahrscheinlich sollte man die explizite Aufnahme von Poker ins Glücksspielgesetz als Kollateralschaden bezeichnen. Denn eigentlich ging es ja um die Regulierung des Automatenspiels und die neue Lizenzvergabe der Casinos. Aber weil die Politiker schon mal am Arbeiten waren, haben sie die Pokercasinos gleich mit in den Abgrund gestoßen.

Viele regen sich über die Automaten-Neuregelung auf. Zwar entgehen dem Bund jetzt keine Steuereinnahmen mehr, dafür kann man sich in noch viel kürzerer Zeit an einem Automaten vernichten. Denn statt 50 Cent hat man jetzt als Höchsteinsatz € 10 und das immerhin bei jedem Drücker.

Dagegen ist Poker in den Cardcasinos wirklich „gefährlich“ und deshalb wurde die „Pokerlizenz“ beschlossen. Es wird eine europaweite Ausschreibung geben, wer den Zuschlag erhält, darf spätestens ab 1.1.2013 als einziges Pokercasino agieren. Allen anderen soll ein Riegel vorgeschoben werden und vorbei ist es dann mit der kleinen Pokerrunde im Cafehaus des Vertrauens.

Schon jetzt weisen einige Politiker darauf hin, dass man die Pokerspieler mit dieser Beschlussfassung wieder in die Illegalität bringt. Dann wird eben statt öffentlich im hell erleuchteten Card Casino wieder in zwielichtigen Hinterhöfen gespielt. Spielerschutz, Suchtprävention und Transparenz wie sie nicht sein sollen. Poker ist nach 17 Jahren Kampf von Peter Zanoni eine Institution in Österreich geworden und das wurde gestern mit einem Beschluss zunichte gemacht. Casinos Austria werden der Nachfrage nicht nachkommen können, auch ein einziges Pokercasino in Österreich kann nur das regionale Publikum versorgen. Also bleibt nur die Hinterzimmerpartie.

Und damit haben Deutschland, Österreich und die Schweiz dann tatsächlich denselben traurigen Status erreicht.


2 Comments
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Redaktion
10 Jahre zuvor

Auch wenn die Story gut gedroschen ist – bitte lest euch mal das aktuelle Grücksspielgesetz durch. De facto sind Pokercasinos in Österreich schon längst verboten – waren sie, seit es dieses Gesetz gibt. Auch das zu Verfügung stellen von Räumlichkeiten ist schon verboten. Die immer wieder erläuterten Lizenzen gibt es nicht, und Leute wie Zanoni halten die Verfahren halt über die Jahre in der „Schwebe“. Die große Frage ist, ob die Casinos, wie schon heutzutage, dann geduldet werden – obwohl verboten.

Ausserdem gibt es eine Ausschreibung und dafür gibt es Vergaberichtlinien – also bleibt abzuwarten wer hier den Zuschlag bekommt. Auch für zB die CCC’s wird es keine Problem sein die erforderlichen Sicherstellungen aufzutreiben – und da die Infrastruktur vorhanden ist, sind sie für mich auch ein Favorit.

Interessierter Staatsbürger
10 Jahre zuvor

Wer die zur Diskussion stehende Pokerlizenz bekommen wird, ist meiner Meinung nach eh schon klar. Bereits gestern im Nationalrat wurde von einem langjährigen Pokerbetreiber gesprochen der ca. 400 MA in Österreich hat. Also bitte auch nichts von dieser Richtung puncto „Kampf um Poker als Geschicklichkeitsspiel“ erwarten, da der Anschein nicht ganz vom Tisch zu weisen ist, dass sich die großen Player den Markt in Österreich bereits im Vorfeld aufgeteilt haben und mit Unterstützung „unserer“ Volksvertreter alles in deren Richtung läuft. Wie heisst es so schön: Jede Bevölkerung hat die Politiker die es verdient!