Kolumnen

Parallelen

In diesen fußballgeschwängerten Wochen wird es nicht überraschen, dass die noch kleine Schwester der Pokerfirma Wettfirma heißt. Dort gibt es unter den Kolumnisten ein Tippspiel auf die WM-Vorrunde. Ich zeige euch heute auf, wie viel ein solches Spiel mit einem SnG zu tun hat.

Wir spielen das Spiel zu zehnt. Jeder Mitspieler hat alle 48 Vorrundenspiele vor dem ersten Anpfiff getippt. Für die richtige Tendenz gibt es einen Punkt, bei komplett richtigem Ergebnis weitere zwei Punkte. So lauten unsere Regeln.

Die erste Parallele zu SnGs lautet Varianz. Einer wird wohl gewinnen und der hatte sicher auch etwas Glück. Doch da es hier wie da auch viel gut bzw. schlecht zu entscheiden gibt, ist die zweite Parallele das Ziel und die Möglichkeit, unter positiver Erwartung zu spielen. Wie sieht dies bei einem Tippspiel aus? Wie misst man Edge?

Zusammen mit meinem Freund und Kollegen Benno Maul haben wir das Tippspiel per PC 10.000fach simuliert. Wir haben dabei die zur Tippabgabe verfügbaren Marktquoten verwendet, um Eintrittswahrscheinlichkeiten für jedes Spiel zu schätzen. Details findet man in meiner Artikelserie auf wettfirma.com dazu.

Dabei kam folgende Platzierungsverteilung für mich heraus:

Ich gewinne von 10.000 Versuchen 1.875 mal – oder einfach in 18,75%. Weitere ca. 16% werde ich Zweiter und zu knapp 14% immerhin Dritter. Damit bin ich in fast 50% auf dem „Treppchen“.

Die folgende Tabelle zeigt Götz Verteilung im Vergleich:

Götz erreicht knapp 800 Siege auf 10.000 Versuche. Ich denke man sieht Details schön anhand des Graphen.

Was will ich hier aussagen? Keineswegs, dass Götz schlecht tippt. Ein Tippspiel ist ohnehin nur bedingt dafür geeignet gute Sportwetter zu filtern. Ich will hier folgende Parallele zu SnGs zeigen:

Wäre unser Tippspiel ein 100+6 SnG und wären die ersten drei Plätze entsprechend mit 50%, 30% und 20% aus dem Preispool prämiert, so leistet die Simulation das, was Langzeitbetrachtungen bei SnGs leisten. Sie trennen Skill von Luck. Der ROI auf solider Datenmenge sagt einfach viel über einen Spieler aus.

Was hieße dies im Tippspielfall? Wie gut würde ein „Buy-in“ hier arbeiten? Bei 10.000 Spielen wäre ich nicht nur 40.000 Jahre alt, ich hätte auch insgesamt 1.060.000 in Buy-ins getätigt. Ich hätte 1.875 mal 500 gewonnen, 1.615mal 300 und 1.383mal 200. Das sind in Summe 1.698.600 an Preisgeldern. Damit ergibt sich ein ROI von (1.698.600 – 1.060.000) / 1.060.000 = 60,2%. Wohl dem, der das am SnG-Tisch zu leisten vermag!

Mir ist wichtig zu zeigen, dass hier wie da Edge nur im Vergleich zum Gegnerfeld entsteht, dass kurzfristig in beiden Fällen Glück dominiert und dass langfristig gutes Entscheiden belohnt wird. Nur gut, dass man Poker viel schneller iterieren kann als ein WM-Tippspiel.

Zahler zocken – Könner kalkulieren

Stephan M. Kalhamer für
the-gambling-institute.eu
– calculated gaming –


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