- Reichweite eingebrochen: Hristivoje „All In Pav“ Pavlovic verliert bis zu 70 % seiner YouTube-Zuschauer
- Strike-Gefahr: Poker-Videos werden immer häufiger entfernt oder altersbeschränkt
- Prominente betroffen: Auch Daniel Negreanu und Brad Owen warnen vor dem schleichenden Niedergang der Poker-Szene auf YouTube
Poker-Videos erleben auf YouTube einen massiven Einschnitt mit teils existenziellen Auswirkungen für Content Creator. Seit Monaten flagged die Plattform zunehmend Inhalte aus dem Glücksspielbereich mit Altersbeschränkungen. Das mag auf den ersten Blick sinnvoll erscheinen, um Jugendliche zu schützen. Doch in der Praxis bedeutet es: Wer nicht eingeloggt ist, sieht die Videos schlicht nicht. Das sorgt bei den Erstellern für einen dramatischen Rückgang der Reichweite.

Ein prominentes Beispiel ist Hristivoje „All In Pav“ Pavlovic, GGTeam-Mitglied und seit Jahren aktiver Streamer. In einem Interview mit PokerOrg im Rahmen der Poker Masters beschreibt er die Entwicklung. Innerhalb weniger Monate seien 80 % seiner Videos altersbeschränkt worden, was zu einem Einbruch der Zuschauerzahlen von bis zu 70 % geführt habe.
Noch schwerer wiegen demnach jedoch die sogenannten „Strikes“: Pavlovic erhielt zwei Verwarnungen innerhalb von 90 Tagen. Eine davon wurde zwar nach Einspruch wieder zurückgenommen, doch die Unsicherheit bleibt.
„Niemand kämpft für uns“
Die YouTube-Politik gäbe Creators das Gefühl, völlig auf sich allein gestellt zu sein. „Es gibt niemanden, an den wir uns wenden können“, sagt Pavlovic. „Keine Ansprechpartner, keine Hilfe, es ist frustrierend.“ Dass es nicht vorrangig ums Geld geht, stellt er ebenfalls klar. Einnahmen durch YouTube seien ohnehin gering. Vielmehr gehe es um Reichweite, um die Pflege einer Community, um das Wachstum der eigenen Marke.
Andere Plattformen wie Rumble böten kaum eine Alternative. Zwar habe Pavlovic dort Videos hochgeladen, doch ohne Sichtbarkeit und Reichweite sei der Aufwand kaum zu rechtfertigen. Besonders frustrierend sei, dass er seine Inhalte selbst schneide und Stunden in die Produktion stecke, nur um dann zusehen zu müssen, wie Videos gelöscht oder verborgen werden.
Prominente Stimmen schlagen Alarm
Pavlovic ist mit seinem Aufschrei nicht allein. Auch Daniel Negreanu brachte es kürzlich auf den Punkt: „YouTube will Poker zerstören.“ Während seiner Streams zur WSOP Online 2025 bemerkte er einen massiven Einbruch der Zuschauerzahlen, den er ebenfalls auf Altersbeschränkungen zurückführt.
Brad Owen, der mit seinen Vlogs regelmäßig Hunderttausende erreicht, ist ebenfalls betroffen. Einer seiner Side-Channels wurde komplett entfernt. Dadurch sei ihm laut YouTube-Richtlinien auch untersagt gewesen, weitere Kanäle zu betreiben. Erst nach einem Einspruch wurde der Kanal wiederhergestellt. Das Vertrauen in die Plattform ist trotzdem erschüttert. Owen rät allen Creators inzwischen offen dazu, sich breiter aufzustellen, um nicht von einer Plattform abhängig zu sein: „YouTube ist kein sicherer Ort für uns.“
Tiefpunkt einer Erfolgsgeschichte
Was bleibt, ist das Bild einer Community im Umbruch. Zehn Jahre nach dem Start seiner Content-Karriere denkt Pavlovic laut über einen Ausstieg nach. Ob es noch fünf weitere Jahre geben werde, wisse er nicht. Was einst als große Leidenschaft begann, droht unter dem Druck algorithmischer Willkür und fehlender Transparenz zu zerbrechen.
Die Poker-Content-Szene steht jedenfalls vor der vielleicht größten Herausforderung ihrer Geschichte und fühlt sich dabei alleingelassen.