Kolumnen

Poker – eine fast tierische Betrachtung

Manchmal geht einem Poker tierisch auf den Sack. Manchmal hingegen möchte man diesem Spiel Kosenamen geben, wie sonst nur seiner Katze.

Poker, der krummbeinige Straßenköter. Ein wunderbarer Gefährte auf der gemeinsamen, meistens erfolglosen Reise hin zu Reichtum und Ansehen. In den wenigsten Fällen der große, starke, dich führende Husky auf dem Weg durch das ewige Eis.
Poker, der kleine, niedliche und ängstliche Hund, der ein Temperament verbarg, von dem ich bis zu dem allerersten Moment, in dem man mit einer grützigen Hand gewinnt, nichts geahnt habe.

Poker ist meistens allerdings die widerspenstige und eigensinnige Katze daheim. Nie bis selten versteht sie, was man von ihr will. Beziehungsweise will sie es nicht verstehen. Wenn man sie ruft, scheint sie oft erst eine Weile nachzudenken, ob sie dem Ruf folgen sollte oder nicht. Meistens nicht. So gar nicht. Irgendwann lernt man, dass sein Rufen vollkommen sinnlos ist.

Auch an Poker; ebenso wie an deinem Peterle oder der Muschi (so heißen fast 94 Prozent aller Katzen); ist so manches an ihrem Verhalten nicht erklärbar. Ist es Unsicherheit oder Desinteresse, wenn es oft tagelang unsichtbar blieb?
Und dennoch ist Poker wie der Dackel-Welpe auch das Objekt unserer Liebe. Man bleibt ihm treu, ein Leben lang.

Poker ist wie der treue Hund. Der nichts anderes als deine Liebe will. Und Fressen. Und gekrault werden. Ein Wesen, das nichts anderes ist als das pure, reine Leben, das nichts weiß vom Aufstieg und Niedergang des HSV, vom Siebzehnjährigen Krieg und von der Bibel, nichts von Trump, nichts von Two-Outern, die meistens nie kommen und auch nichts von Goethe oder Phil Ivey. Es geht nur um das Elementare, um die Gefühle, um die Zusammengehörigkeit.
Auch wenn einem an Poker ebenso wie an seinem Lieblingsgoldfisch so manches rätselhaft bleibt, versteht man sich. Irgendwie. Manchmal.

Poker ist wie ein Besuch im Tierheim. Dort spiegelt sich die Wahrheit. Liebe auf den allerersten Blick. Zweitausenddreihundertdreiundvierzig Spiele gibt es und man sucht sich Poker aus. 50 Hunde drängeln sich wie verzweifelte Waisenkinder an den Gittern und jaulen und kläffen um ihre Chance. Und man verliebt sich in den humpelnden, stummen und schon jede Hoffnung auf Befreiung aufgegebenen alten kastrierten Kerl mit fleckigem Fell hinten in der Ecke. Und man nimmt ihn mit nach Hause.

Poker ist wie Hundeschule. Oder Hamsterratgeber. Poker zu verstehen bedeutet auch, das Spiel in mir zu verstehen. Und mich zu begreifen. Dasselbe gilt für deine Katze. Ich das jetzt alles zu hochgegriffen, zu sophisticated? Wer es verstanden hat bekommt ein Leckerli zur Belohnung.


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