Die Poker-Community ist erneut in Aufruhr: Nachdem erst kürzlich der argentinische Pokerprofi Nacho Barbero mit einem Real-Time Assistance (RTA)-Tool beim Spielen auf Americas Cardroom (ACR) erwischt wurde, tauchte nun ein weiterer Fall auf.
Die bekannte Pokerspielerin Ebony Kenney, ebenfalls ACR-Markenbotschafterin, wurde dabei ertappt, ein solches Hilfsprogramm während eines Online-Turniers geöffnet zu haben. Ein auf Instagram veröffentlichtes Video aus dem Januar 2024 zeigt deutlich, dass Kenney während eines ACR-Poker-Events Zugriff auf einen RTA-Chart hatte.
Real-Time Assistance (RTA)-Tools sind Softwareprogramme oder Charts, die Pokerspielern in Echtzeit mathematisch optimale Spielzüge basierend auf Game Theory Optimal (GTO)-Strategien vorschlagen. Solche Hilfsmittel analysieren Spielsituationen und liefern sofort die beste Entscheidung, wodurch Nutzer einen unfairen Vorteil gegenüber anderen Spielern erhalten. Da sie während des Spiels eingesetzt werden können, sind sie auf den meisten Pokerplattformen verboten.
Ob Kenney das Tool aktiv zur Entscheidungsfindung genutzt hat oder lediglich zwischen den Händen darauf zurückgriff, bleibt bislang unklar.
ACR unter Beschuss: Ignoranz oder Duldung von Betrug?
Wie bereits im Fall Barbero hat ACR auch dieses Mal nicht direkt auf die Vorwürfe reagiert. Der Instagram-Nutzer, der das Video von Kenney veröffentlichte, behauptet, dass seine Direktnachricht an ACR ignoriert wurde. Zudem wurde er nach eigenen Angaben von Kenney blockiert.
Diese Intransparenz und die Weigerung, sich mit der Problematik auseinanderzusetzen, verstärken den Verdacht, dass ACR nicht konsequent gegen potenziellen Betrug vorgeht. Poker-Experte Matt Berkey äußerte sich dazu kritisch und warnte, dass Spieler „töricht“ seien, wenn sie weiterhin auf ACR spielten. Auch der bekannte YouTuber und Pokerprofi Doug Polk sieht in der wiederholten Verwendung von RTA-Tools durch ACR-Spieler ein großes Problem und forderte seine Zuschauer auf, ihr Geld sichereren Pokerseiten anzuvertrauen.
Wiederholte Skandale beschädigen das Image von ACR
Dass es sich bei Ebony Kenney bereits um den zweiten ACR-Profi innerhalb weniger Wochen handelt, der mit einer RTA-Software in Verbindung gebracht wird, verschärft die Kritik an der Plattform.
Besonders brisant ist die Parallele zu Nacho Barbero, der sich damit verteidigte, dass er das Tool lediglich für Coaching-Zwecke genutzt habe. ACR versuchte damals, den Skandal herunterzuspielen, indem sie ihn als Goofball (Spaßvogel) bezeichneten.
Ob die Plattform auch dieses Mal eine ähnlich lockere Haltung einnimmt oder endlich härtere Maßnahmen ergreift, bleibt abzuwarten. Eines ist jedoch sicher: Der anhaltende Verdacht auf Betrug und mangelnde Sicherheitsmaßnahmen könnten ACR langfristig massiv schaden.
