Pokerhände richtig notieren: Die Grundlage jeder guten Analyse
Wer Pokerhände im Nachhinein sinnvoll untersuchen möchte, muss mehr festhalten als die eigenen Karten und das Ergebnis.
Wer eine Pokerhand im Nachhinein sinnvoll untersuchen möchte, muss mehr festhalten als die eigenen Karten und das Ergebnis. Positionen, Stackgrößen, Einsätze und der genaue Verlauf der Hand entscheiden darüber, ob eine Aktion langfristig profitabel war.
Eine Notiz wie „Ich hatte Ass-König und verlor gegen ein Set“ reicht dafür nicht aus. Sie beschreibt lediglich den Ausgang der Hand. Für eine strategische Bewertung fehlen beinahe alle wichtigen Informationen.
Diese Angaben gehören in jede Hand History
Am Anfang sollten die grundlegenden Rahmenbedingungen festgehalten werden:
- Cashgame oder Turnier
- Live oder online
- Spielvariante und Tischgröße
- Blinds und Antes
- Positionen der beteiligten Spieler
- Stackgrößen
- Turnierphase und mögliche Preissprünge
- bekannte Reads oder Statistiken
Besonders wichtig ist der effektive Stack. Er entspricht dem kleineren Stack der beteiligten Spieler. Besitzt Hero 60 Big Blinds und Villain 35 Big Blinds, können in dieser Hand maximal 35 Big Blinds pro Spieler eingesetzt werden. Der effektive Stack beträgt daher 35 Big Blinds.
Positionen eindeutig benennen
Statt „Ein Spieler vor mir raist“ sollten immer die genauen Positionen verwendet werden. Übliche Abkürzungen sind:
- UTG: Under the Gun
- MP: Middle Position
- HJ: Hijack
- CO: Cutoff
- BTN: Button
- SB: Small Blind
- BB: Big Blind
Auch die Anzahl der Spieler am Tisch sollte genannt werden. Eine UTG-Range an einem Tisch mit sechs Spielern unterscheidet sich schließlich deutlich von der entsprechenden Range bei neun Teilnehmern.
Karten korrekt aufschreiben
Für die Kartenwerte werden normalerweise die englischen Bezeichnungen verwendet:
- A für Ass
- K für König
- Q für Dame
- J für Bube
- T für Zehn
- 9 bis 2 für die übrigen Karten
Die Farben werden mit kleinen Buchstaben abgekürzt:
- s für Spades beziehungsweise Pik
- h für Hearts beziehungsweise Herz
- d für Diamonds beziehungsweise Karo
- c für Clubs beziehungsweise Kreuz
AsKs steht somit für Ass-König in Pik. AhQc beschreibt das Herz-Ass und die Kreuz-Dame.
Wer nur die allgemeine Starthand meint, kann AKs für Ass-König suited oder AKo für Ass-König offsuit verwenden. Bei einer konkreten Handanalyse sollten jedoch die exakten Farben notiert werden. Blocker und mögliche Flushdraws können für die Entscheidung eine wesentliche Rolle spielen.
Die Action chronologisch dokumentieren
Eine Hand wird Street für Street aufgeschrieben: Preflop, Flop, Turn und River. Dabei sollten alle Aktionen in der richtigen Reihenfolge sowie die genauen Einsatzhöhen genannt werden.
Ein klarer Verlauf könnte folgendermaßen aussehen:
Preflop:
Hero raist im Cutoff mit AsKs auf 2,2 BB. Der Button und der Small Blind folden. Der Big Blind callt.
Flop: Ah 8c 5c – Pot: 5,4 BB
Der Big Blind checkt. Hero setzt 1,8 BB. Der Big Blind callt.
Turn: 9s – Pot: 9 BB
Der Big Blind checkt. Hero setzt 6 BB. Der Big Blind raist auf 17 BB. Hero callt.
River: 2c – Pot: 43 BB
Der Big Blind geht für Heros verbleibende 26,8 BB all-in. Hero?
Wichtig ist die Formulierung „raist auf“. Wenn ein Spieler auf 17 BB erhöht, beträgt sein gesamter Einsatz anschließend 17 BB.
Pot- und Einsatzgrößen müssen stimmen
Eine falsche Potgröße kann die gesamte Analyse verfälschen. Schließlich hängt die benötigte Gewinnwahrscheinlichkeit eines Calls unmittelbar von den Pot Odds ab.
Neben dem absoluten Einsatz kann deshalb auch die Größe im Verhältnis zum Pot angegeben werden:
- ein Drittel Pot
- halber Pot
- zwei Drittel Pot
- voller Pot
- Overbet
Wer sich nach einer Live-Hand nicht mehr an den genauen Betrag erinnert, sollte eine Schätzung ausdrücklich kennzeichnen. Eine ungefähre Angabe ist hilfreicher als eine erfundene Zahl.
Online lässt sich der Verlauf meist aus der automatisch gespeicherten Hand History übernehmen. Nach einer Live-Hand empfiehlt sich eine kurze Notiz oder Sprachnachricht, bevor die Details vergessen werden.
Reads von Fakten trennen
Informationen über den Gegner können die Analyse verbessern. Dabei sollte jedoch erkennbar bleiben, was tatsächlich beobachtet wurde und was lediglich eine Vermutung ist.
Beobachtung: Villain hat in zwei Orbits häufig preflop gecallt und mehrere Flops gesehen.
Einschätzung: Villain wirkt eher loose und passiv.
Eine solche Formulierung ist aussagekräftiger als die pauschale Behauptung, der Gegner sei ein schlechter Spieler. Auch Online-Statistiken sollten immer zusammen mit der Samplesize genannt werden. Auffällige Werte nach zehn Händen haben kaum Aussagekraft.
Das Ergebnis nicht vorwegnehmen
Die gegnerischen Karten und der Ausgang der Hand sollten zunächst weggelassen werden. Wer den Showdown bereits kennt, bewertet frühere Entscheidungen leicht ausgehend vom Resultat.
Ob Villain in der konkreten Hand geblufft oder die Nuts gehalten hat, beantwortet nicht die entscheidende Frage: Wie gut war Heros Entscheidung gegen Villains gesamte mögliche Range?
Eine gute Analyse konzentriert sich auf die verfügbaren Informationen am jeweiligen Entscheidungspunkt. Das Ergebnis kann anschließend ergänzt werden.
Eine konkrete Frage stellen
„War die Hand gut gespielt?“ ist zu allgemein. Besser sind präzise Fragen wie:
- Ist der Preflop-Call bei diesen Stackgrößen profitabel?
- Welche Betgröße ist auf dem Flop sinnvoll?
- Kann Hero den Turn gegen das Raise noch callen?
- Welche schlechteren Hände bezahlen eine Riverbet?
- Enthält Villains Range genügend Bluffs für einen Call?
- Wie stark beeinflusst die Bubble diese Entscheidung?
Je genauer die Frage ist, desto hilfreicher fällt die Analyse aus.
Vorlage für eigene Handnotizen
Format und Tischgröße:
Blinds und Antes:
Turnierphase beziehungsweise Cashgame-Limit:
Hero – Position, Karten und Stack:
Villain – Position und Stack:
Effektiver Stack:
Preflop:
Flop – Board, Pot und Action:
Turn – Karte, Pot und Action:
River – Karte, Pot und Action:
Reads oder Statistiken:
Frage zur Hand:
Ergebnis und Showdown: Erst nach der Analyse ergänzen.
Fazit
Eine fundierte Handanalyse beginnt mit einer sauberen Dokumentation. Positionen, effektive Stacks, Kartenfarben, Potgrößen und sämtliche Aktionen müssen nachvollziehbar sein. Reads liefern zusätzlichen Kontext, sollten aber klar als Beobachtung oder Einschätzung gekennzeichnet werden.
Entscheidend ist nicht, ob die Hand gewonnen oder verloren wurde. Untersucht werden soll, ob die einzelnen Entscheidungen mit den zu diesem Zeitpunkt verfügbaren Informationen langfristig profitabel waren.