Kolumnen

Produkt des Monats

Chips in salzig, mit Pfeffer oder mildem Chili oder sogar mit Balsamico. Prima Ergänzung eines Speiseplans für 5-jährige Übergewichtige oder für Mau Mau Spieler, wenn’s dazu einen Prosecco in Zimmertemperatur gibt. Prösterchen. Stösserchen.

Ich habe mir diese Chips natürlich direkt gekauft. Und war erstaunt. Und enttäuscht. Auf keinem der Chips (und ich habe 17 Tüten gekauft und aufgemacht) ist auch nur eine Zahl drauf. Keine Wertigkeit. In mehreren persönlich vor Ort durchgeführten Feldversuchen kann ich mit meinem Ehrenwort versichern, dass weder staatlich lizensierte Casinos noch die daheim am schwedischen, massiven Küchentisch namens Annette gespielten Cash-Runden diese Chips akzeptieren. Und auch der Dealer letztens bei der EPT San Remo hat mit dem Kopf geschüttelt und den Floorman gerufen. Der hat nach einem ausgiebigen Geschmackstest noch mehr mit dem Kopf geschüttelt. EPT San Remo ? Ich ? Vielleicht verwechsel ich das jetzt doch mit dem Mau Mau-Event auf dem Grillfest der freiwilligen Feuerwehr in Quickborn-Ost.

Chips vernichten durch Essen kriegen wir Pokerspieler sowieso nicht über´s Herz. Chips sind zum Vermehren da (für die einen), respektive zum caritativen Verteilen an die Mitspieler (für die anderen, so wie mich …). Ich persönlich kann mit vielen Chips eh nicht wirklich gut umgehen. Deshalb sind Deepstacks nichts für mich, deshalb muss ich im ersten Blindlevel auch mindestens die Hälfte meiner Chips abgegeben haben. Sonst langweile ich mich.

Ich habe für mich festgestellt, dass sich Chips hervorragend für wunderbar lustige Spiele eignen. So schmeiße ich meine Chips beim Raisen (dieses grundsätzlich immer in der falschen Höhe) einmal quer über den ganzen Tisch; ich kenne kaum einen Dealer, der sich darüber nicht freut. Noch größerer Beifall beim Kartengeberpersonal kommt allerdings auf, wenn alle Chips wild durcheinander sortiert mit einer extrem lässigen Handbewegung all in gestellt werden.
Zur allgemeinen Freude der anderen Fische am Tisch kann auch ab und zu mal der sorgsam aufgestapelte und säuberlichst sortierte Stapel des Megachipleaders umgeschmissen werden.

Chips sind überbewertet. Absolut. Das betone ich übrigens seit Jahren. Ein Blick auf und in Google bestätigt mich. Zuerst kommen die frittierten Kartoffelscheiben; dann sogar Bananenchips. Gefolgt von der Halbleitertechnologie, einer amerikanischen TV-Serie, einer niederländischen Rockband, einer schwedischen Pop-Band und ganz zum Schluss, am Ende, kurz bevor man die Seite schon verlassen will liest man „Spielmarken, auch Jetons“. Ja, Freunde der 52 Karten, soweit zum Stellenwert von Poker, den wichtigsten Accessoires dabei und von uns.

Mich persönlich irritiert die Wertigkeit von Bananenchips. Wer bitte, außer Primaten, Laumwarmduschern und Frauenfußballverstehern mag denn so was? Wer isst Bananenchips und vor allem warum? Für die vorgenannte Zielgruppe – weitere Informationen zu diesem Nahrungsmittel gibt es unter www.calorie-count.com. Quasi das Hendonmob der gerösteten Bananenscheiben-Fetischisten.
Ich muss jetzt erstmal einen Schluck Rotwein nehmen, ich bekomme den eingebildeten Geschmack von Banane sonst nicht von der Zunge.

Ach ja, am Wochenende hatte ich einen wahren Chips-Experten zu einem privaten Besuch in meiner bescheidenen Hütte – Marc Gork. Er hat natürlich eine Verkostung machen müssen; sein Favorit sind die Chips mit Paprika. Die harmonieren am besten zu seinen Lieblingsgetränken Becks Ice und Becks Lemon.

So, nun genug Schleichwerbung gemacht. Und genug Unsinn geschrieben; das muss für diese Woche reichen.


3 Comments
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schips
11 Jahre zuvor

Prösterchen, Gartenbach. Wieder mal geil geschrieben…

pisces1967
11 Jahre zuvor

RIC – rest in chips! ….wieder angenehm zu lesen…gut.

Austrian Hawk
11 Jahre zuvor

Gartenbach und Gork. Können beide nicht pokern, sind aber geile Typen