Kolumnen

Splitter aus Las Vegas #12

Bin ich der einzige, der immer alles als letzter erfährt? Erica Schoenberg turtelt mit Erick Lindgren am Gang der WSOP herum und für alle ist das völlig normal. Werthan sieht im Augenwinkel David Benyamine heranschlendern, richtet die Kamera her, um den nun anbahnenden Skandal fotografisch abzulichten. David allerdings zieht weder eine Waffe, noch wirft er sein geschätztes Kampfgewicht von 150kg auf den schmächtigen Erick, sondern er geht einfach vorbei und tut so, als ob er die beiden nicht sähe. Werthan nun in Verwirrung, vergaß das Beweisfoto zu machen. Stattdessen fragte er eine amerikanische Kollegin, ob der seltsamen Situation und diese erklärte ihm, dass das ein alter Hut ist und das niemanden mehr interessiert. Die beiden, also Erica und Erick (irgendwie eine nette Namenskombination), schon seit Monaten zusammen sind, es für geraume Zeit geheim halten wollten, aber sie ihre Beziehung jetzt offiziell machen. Wobei meine Kollegin die Kombination „date each other“ verwendete. Ich denke, das wird wohl dasselbe sein wie bei uns.

Keine Bracelet-Zerimonie, obwohl zwei vergeben hätten werden sollen und keiner konnte wirklich Auskunft geben, weshalb die von den Amerikanern so geliebte Hymnenabspielung an diesem Tag entfiel. Typisch für die amerikanischen Dienstleister ist es, Bescheid zu geben, ohne auch nur die blasseste Ahnung zu haben. Die Antworten bewegten sich zwischen „Es ist niemand hier, der den Schlüssel für die Braceletkäschen hat“ oder „das Sprechpult wurde vergessen aufzustellen“ bis hin zu „es wurde vergessen, den Braceletgewinnern die Beginnzeit zu sagen“, alles Schwachsinn. Grund für die Absage war schlicht und ergreifend, die Tatsache, dass der Finaltisch rund um Sam Farha bis 7 Uhr morgens dauerte und Dutch Boyd gerade das PLO-Turnier spielte. Dies wäre die logischste Erklärung gewesen, aber dafür reicht es bei den recht einfältigen Securities nicht.

Ha, eine Breitseite gegen die privaten Wachebeamten der WSOP? Ja, weil sie selbsterfundene Vorschriften machen, welche jeder Logik entbehren. Die Spielbereiche der einzelnen Events sind durch die Rail abgegrenzt und dies ist gut, damit die Spieler nicht von den Fans „bedrängt werden“. Für die Spieler, Blogger, Fotografen und Journalisten gilt diese Absperrung nicht, zumal die ja irgendwie zu den Tischen kommen müssen, um von dort zu spielen oder zu berichten – irgendwie logisch.
Um nicht x-Kilometer zurücklegen zu müssen, bücken sich die sportlicheren der Spieler und der Medien-Leute und überwinden so die Rail, dies ist traditionell, weil alles, was in Amerika zweimal hintereinander passiert „Tradition“ ist.
Die Rail hat in 50 Meter Abständen „Eingänge“ zum Spielbereich.
Für die herumstehenden Securities ist ein Eingang ein Eingang und eine Rail nicht. So ist es verboten (bei einigen zumindest) die Rail zu unterwandern. Selbst auf die Frage, weshalb er glaubt, im Recht sein, bekommt man Schweigen. Wenn man dann um Verständnis haschend fragt, ob er denn wisse, wie viele Umwege man dadurch machen würde, wenn man tatsächlich immer den Eingang nehmen würde, bekommt man als charmante Antwort: „That’s your job“.
Amerikaner sind schon ein seltsames Volk, weil sie solche selbsterfundenen „Vorschriften“ dann auch einhalten. In Frankreich gäbe eine Revolution, in Griechenland Streiks und bei uns würde sich einfach keiner darum kümmern.


1 Kommentar
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Daniel
10 Jahre zuvor

Schon ein eigenes Völkchen die Amerikaner.
Ich versteh das ganze eh nicht wirklich, weil wer bedrängt von den Bloggern bitte die Spieler.ein Schwachsinn.
lg
daniel