Kolumnen

Splitter aus Las Vegas #17

Als Werthan heute morgen ins Rio’s kam, stand er geschätzte 5 Minuten völlig fassungslos am Anfang des Ganges zur WSOP. Er sah 72 Frauen mit toupierten Haar jenseits des Rentenalters an den neu aufgestellten Slot-Maschinen sitzen und die hämmerten wie verrückt auf den Start-Button ein.

Es ist wenig übertrieben, wenn Werthan behauptet, dass es zu bis zu fünf Tastenanschlägen pro Sekunde kam. Investigativ erkundigte er sich ob des seltsamen Bildes und erhielt die Auskunft, dass es sich hierbei um ein „Invitation Slot Tournament“ handelt. Jeder Spieler hat zehn Minuten Zeit ein Maximum an Punkten (oder was auch immer) zu erreichen und steigt dann in die nächste Runde auf. Irgendwann erhält der Sieger $30k, Platz 400 zahlt noch immer einen $50 Essens-Voucher. Heute Dienstag spielten 1480 Teilnehmerinnen mit, die Anzahl der Männer hält sich in überschaubaren Größen.

PokerStars Pro Bill Chen saß schön in Anzug, Krawatte, weißem Hemd und einer weißen Rose im Knopfloch im Heads-Up des $3.000 H.O.R.S.E. Events gegen Phil Ivey, der dies dann ja auch gewann. Bills Outfit machte einen feierlichen Hochzeitseindruck und so war es auch: Bill flüchtete von einer Hochzeit direkt an den Finaltisch.
Allerdings ist er nicht von seiner eigenen Hochzeit, sondern der eines befreundeten Paares abgehauen und auch dies nicht wirklich, sondern er hat sich brav von der Gesellschaft verabschiedet. Allerdings bewies Chen, dass er seine Karriere, falls es mit Pokern jetzt doch nichts mehr wird, auf keinen Fall als Wedding Planer weiterführen kann, denn dies war er bei dieser Hochzeit. In seiner Planung waren weder Musik, noch Spiele oder sonst ein, so von den Amerikanern geliebtes Entertainment zu finden. Weil die Hochzeit dann doch etwas langweilig wurde, kam das frisch vermählte Ehepaar dann einfach zum Finaltisch auf Besuch.

Am Sonntag luden die Jungs von PokerToday zu einer Grillerei in ihrer Villa am „anus mundi“ ein. Schönes Haus, gute Stimmung, großartiges Essen, keine Mädchen und Michael Keiner und der erzählte unter all den Jungen (Werthan und Pohl mal ausgenommen, der ist ein 24jähriger gefangen im Körper eines 33jährigen) eine Geschichte aus einer Zeit, als Poker noch kein Glückspiel war und Horst K. noch aktiv war:

Vor einigen Jahren fuhr ein junger Mann, gerade 21 geworden, mit seinen Eltern nach Las Vegas auf Urlaub. Der Junge stahl aus dem Portemonnaie seines Vaters $150 Dollar und spielte damit ein Satellite für ein WSOP Ticket und weil die Geschichte sonst zu kurz wäre, gewann er dieses Satellite auch.
Gut bis jetzt noch keine erwähnenswerte Geschichte, wenn er das WSOP Turnier nicht auch noch gewonnen hätte und weil die Bankroll jetzt eine nette war, spielte er noch ein NLH-Turnier und gewann auch dieses. Die Geschichte könnte jetzt zwar enden, aber sie hätte keine Pointe, außer die vielleicht, dass der Junge seinem Vater jetzt die $150 zurückgegeben hatte.
Also der Knabe spielte noch ein PLO irrsinnig aggressiv und er wurde Dritter. Als er vom Finaltisch aufstand erfuhr er, dass er von den vier Karten nur zwei und nicht drei verwenden darf und der Name des Spielers ist Jeff Madsen.

Ach ja, noch etwas. Im amerikanischen Fernsehen gilt Klinsmann als Fußball-Experte…

Noch etwas? Ja.


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