Kolumnen

Splitter aus Las Vegas #18

Phil Hellmuth wird immer mehr zur Karikatur seiner selbst. Kaum jemand auf der WSOP nimmt den Selbstdarsteller noch wirklich ernst. Was früher als extrovertiert und spannend galt, ist heute nur noch langweilend.

So wie die amerikanische Pokerpresse früher mal seine Nähe suchte, genau so meidet sie ihn heute. Wenn Hellmuth wieder einmal von seinem Tisch aufspringt und fluchend durch den Raum rennt, dann kümmert dies niemanden mehr, nur ein augenverdrehtes: „The Hellmuth Show, that sucks“. Teilweise sind seine Ideen auch völlig abstrus. Beim heutigen Event48, dem 8-Game, ließ er den Floor rufen, weil seiner Meinung nach ein Blogger zu nahe am Tisch stand. Schlechte Witze schreit er durch den Raum und jeden, der ihn callt, weist er darauf hin, wie viele Bracelets er schon gewonnen hat, dies aber nicht im Scherz, sondern sehr ernst. Ein Idol demoliert sich selbst.

Marcel Luske hat die Schnauze voll von Inkompetenz und dies zu recht. Beim PLO Hi/Low hatte der Dealer die Angewohnheit, alle Chips in den Pot zu schieben. Dies ist bei einem Hi/Low deshalb unsinnig, zumal die Wahrscheinlichkeit eines Lows durchaus gegeben ist und der Pot dann wieder mühsam auseinander gezählt werden muss. Deshalb legt der erfahrene Dealer einfach so etwas wie einen „Sidepot“ an. Nicht so der Dealer an Marcels Tisch. Als er ihn mehrfach darauf aufmerksam machte, dass dies ein Blödsinn sei und andere Tische mehr Hände spielen, weil diese einen clevereren Dealer hätten, antwortete dieser, dass dies eben sein Stil sei. In der nächsten Hand wollte der Dealer abermals die Chips in die Mitte schieben und Marcel legte seine Hand auf die des Dealers um ihm nochmals seine sinnlose Handlung zu erklären. Der Dealer rief daraufhin sofort nach dem Floor und behauptete dass, der wirklich friedliche, Marcel ihn attackiert hätte. Marcel bekam vom Floor sofort eine Penaltystrafe. Der nun wehrhafte Holländer meinte aber er, der Floor, solle sich zuerst die Videos ansehen, bevor er Strafen ausspricht. Doch die Strafe blieb aufrecht. Nachdem Marcel gebusted ist, kam der Floor zu Marcel und erklärte ihm, dass der Penalty ungerechtfertigt gewesen wäre. Luske versteht nur nicht, weshalb zuerst Strafen vollzogen werden und erst dann nachgesehen wird, ob die gerechtfertigt waren – irgendwie typisch amerikanisch.

In Zusammenhang mit qualifizierten Personal, fällt mir die Dealerin wieder ein, welche beim letzten 7Card Stud den Floor rief, weil sie keinen Button hatte.

Daniela Busatta ist nicht nur außerordentlich attraktiv, sondern entweder eine von Fortuna geküsste, oder aber ein bisher sehr gut verstecktes Talent. Für das erste Turnier ihres Lebens suchte sie sich ausgerechnet ein WSOP Spielchen aus und zwar das 1,5k NLH und nicht so ein billiges 1k (welches unter den Spielern auch 1k Donkamente genannt wird), sondern gleich die nächste Stufe. Gut Tag eins kann man noch irgendwie überleben, Tag zwei geht vielleicht auch noch, doch wenn man unter den 10% der besten Spieler des Turnieres kommt, dann hat man einiges richtig gemacht. Okay, sie hatte aber auch den besten Coach, nämlich…
Das der Main-Event immer näher rückt merkt man daran, dass die Gänge der WSOP täglich voller werden. Heute stieg das Team rund um Thomas Wirth von PokerIdol ins Geschehen ein. Als Aufwärmübung spielten sie das 1k NLH Turnier. Wie erfolgreich wird man in den nächsten Tagen sehen. Vielleicht schafft ja einer von ihnen endlich das längst überfällige Bracelet für Deutschland.

Jeff Lisandro hat für die Zeit der WSOP nicht einen, nein, er hat zwei Assistenten, welche täglich mindestens 15 Stunden für ihn da sein müssen. Nicht zeitgleich, sondern täglich wechselnd. Wenn Jeffrey von einem Turnier ausscheidet, hat er vom Pokern noch nicht genug, sondern er setzt sich noch an den Cashgametisch, aber eher die höheren Limits, also die, in denen ein BB ungefähr den halben Monatslohn eines Angestellten bedeutet. Überhaupt habe ich das Gefühl, dass Geld in Vegas nicht wirklich viel Wert ist. Wenn man Spieler Sätze sagen hört, wie „Das 1,5k um 12 Uhr spiele ich eher sportlich, weil ich nicht weiß, was ich bis zum 10k Horse machen soll“, dann wirkt dies etwas bizarr auf mich.
Zurück zu Lisandro. Die Aufgabe der Assistenten besteht darin, ALLES zu organisieren, was nicht direkt am Pokertisch geschieht und das ist doch eine Menge. Zumindest so anstrengend, dass die Assistenten nach einem Tag gewechselt werden müssen.

Zu guter Letzt noch einen Blick auf die Kennzeichen am Parkplatz vor dem Rio’s.


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