Kolumnen

Splitter aus Las Vegas: Das „Heart Attack Grill“

Erste Berühmtheit erlangte das Burgerrestaurant „Heart Attack Grill“ im Februar 2013. Ein Gast erlitt einen Herzinfarkt und die anderen Gäste applaudierten mit „Standing Ovations“. Niemand half dem sich am Boden krümmenden Mann. Was vordergründig wie eine Tat von abartiger Unmenschlichkeit wirkt, ist beim genaueren Hinsehen ein unglücklicher Fall von Amerikas Hang zur großen Show.

Am unteren Ende der Freemont Street steht das „Heart Attack Grill“. Die großen Schaufenster, die weit in das Restaurant blicken lassen, erinnern eher an die Präsentationsfläche eines Kaufhauses als an ein Restaurant. Drinnen billige Plastiktische, mit dazu passenden Stühlen, alles in rot/weiß oder zumindest mit Rettungskreuzen bestückt.

Beim Betreten des Restaurants wird man von einer Kellnerin in extrem kurzem Krankenschwesternkostüm eingeladen einen Patientenkittel zu tragen. So macht man sich mit zwei Handgriffen und einem Lächeln zum Affen. Immer beobachtet von der grinsenden Menge, die draußen vor dem Schaufenster das Geschehen digitalisiert.

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„Geschmack für den es sich zu sterben lohnt“,

damit wirbt das Fast Food Restaurant groß auf der Speisekarte. Darin findet sich zum Essen: ausschließlich Burger und Pommes. Zu trinken gibt es Bier in übergroßen Dosen und keine „Light“ Getränke. Im Zigarettenautomat: Lucky Strike – filterlos. Highlight der Karte ist der „Octuple Bypass Burger“ – laut Guinness Buch der Rekorde der kalorienreichste Burger der Welt. Der 1,4 kg schwere Burger trägt acht Laibchen plus Zubehör in sich und hat einen Nährwert von 9.982 Kalorien. Zum Vergleich: 145 Kalorien hat eine 0,3 Dose Bier.

Das Pendant dazu ist der Single Bypass Burger. Ein ausgezeichneter Burger mit frischen Tomaten, echtem (!) Käse, Zwiebel und einem saftigen Stück vom besten amerikanischen Rind. Dazu werden Pommes gereicht, die in ausgelassenem Schweinefett gebacken werden. Solange sie heiß sind, ist es das beste, das es mit Kartoffeln zu essen gibt. Sobald sie abgekühlt sind, haben sie den unangenehmen Geschmack und die Konsistenz von purem, klebrigem Fett.

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Der Tumult im Restaurant wird manchmal durch das Schrillen einer Sirene, die von einem Rotlichtalarm begleitet wird, übertönt. Dann steht wieder ein Gast mit über 350 Pfund auf der Brückenwaage am hinteren Eck des Lokals. Das Publikum applaudiert und der Gast freut sich, weil er jetzt gratis essen darf. Bis zu 20 mal pro Tag macht das „Heart Attack Grill“ mit dieser Werbeaktion ein Minus in der Abrechnung.

Vorsichtig sollte man bei der Einteilung seines Hungers sein. Falls man nämlich seine Portion nicht aufisst, wird man von der Krankenschwester „gepaddelt“. Was sich auf der Speisekarte als lustige Drohung liest, stellt sich nach wenigen Minuten als skurrile Szenerie im Lokal dar. Eine der Krankenschwestern steht, mit einem Paddel, das etwas größer als ein TT-Schläger ist, hinter einem älteren Herren, der sein „Gesäß“ nach hinten streckt und zieht so wie Venus Williams ihre Rückhand durch, dass der Aufprall trotz des Lärmes im ganzen Lokal gut hörbar ist. Erst nach dem fünften Hieb zuckt der Gast zurück und bedankt sich bei der Kellnerin. Ein wirklicher Zwang diese Prozedur über sich ergehen zu lassen, ist bei beiden nicht erkennbar.

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„Cash only – weil sie das Essen nicht überleben könnten“

Als John Alleman im Restaurant zusammenbrach, dachten die anwesenden Gäste es wäre ein Teil der Show. Als er sich am Boden krümmte, wurde der Applaus frenetischer, so begeistert waren sie von der bravourösen Vorstellung dieses  Schauspielers, der zur Show im Heart Attack gehören muss.

Ein paar Tage später stand auf der Facebook-Seite des Heart Attacks zu lesen:
„Alle, die John bei seinem Kampf in der kardiologischen Abteilung ihre Hoffnung und Gebete geschickt haben: Er hat heute Morgen um zehn Uhr ein humanes Ende gefunden. Dr. Andy und Dr. Jon (Jon Basso – Besitzer des Heart Attacks, Anm.d.R.) waren an seinem Bett, als John in die nächste Welt hinüberglitt. Wir lieben dich, Bruder!“

Im Souvenir Shop des Heart Attacks findet man T-Shirts mit einer Karikatur in blauen Hosen und Patientenkittel. Darunter steht „Patient John“, in Gedenken an John Alleman. Erhältlich in 18 Farben.


2 Comments
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RADIOMEN
7 Jahre zuvor

Wer da essen geht ist in vielen Sinne ein Patient.
Da passt der Patientenkittel genau richtig. ( auch in XXXXL )
Es gibt natürlich auch überall auf der Welt Restaurants wo sich die Gäste wie Patienten benehmen.
Gibs da auch was was mit Poker zu tun hat, z.B. der WSOP-Burger oder die Slotautomaten wo Erdnüsse als Gewinn raus kommmen 😉

Erwin
7 Jahre zuvor

Naja, Berichte über diese Bude gibt es schon zu Hunderten!!

Es gäbe so viel aus VEgas über das man schreiben kan, und dann kommt so ein schwacher, lascher und unspektakulärer Bericht….

I bin enteischd!!