Pokerstrategie

Unter die Lupe genommen – Die neue CAPT Struktur!

Ivo Donev, zuletzt bei den European Poker Awards als bester Spieler Österreichs geehrt, zählt seit langem zu den Größen im österreichischen Live-Poker. In seinem Blog nimmt er die neue CAPT Struktur im internationalen Vergleich unter die Lupe.


Hallo liebe Poker Freunde des risikoreichen Investment,

Meiner Meinung nach ist Poker das perfekte Spiel (das so zu sagen unser jetziges Zeitalter spiegelt) mit unvollständigen Informationen und genau der richtigen Dosis an Glück, welches  ständig in Bewegung ist!

Es gibt viele verschiedene Turnier Modelle. Von extrem schnellen  z.B.: Hyper Turbo Sattelite bis zu extrem langsamen wie  beim Main Event der WSOP Am Anfang eines jeden Turniers ist der Glücksfaktor extrem klein, sagen wir etwa 10-20%, weil alle Stacks deep sind und die Blinds klein. Hingegen aber steigt am Ende bei den meisten Turnieren der Glücksfaktor enorm, sogar etwa um die 50%, weil die Blinds  oft so hoch sind, dass man keine Wahl hat: Fold oder All-in sind Standard! Es gibt nichts frustrierenderes im Turnierpoker, als wenn man Stunden lang geduldig gutes Poker spielt und kurz vor dem Geld oder sogar am Final Table wegen der Höhe der Blinds gambeln muss! In einem solchen Modus gibt es keinen Spielraum. beim All-in /Call sehen beide Seiten  fünf Board Karten, und keiner kann mehr setzen bzw. seine Karten schützen, egal ob er nach dem Flop/Turn vorne oder hinten liegt. Und genau in solch einer Turnierphase erkennen wir, dass bei dieser Spielweise der Bluff Faktor und die Fold Equity vom Spiel extrem reduziert wird!! Sozusagen ist Turnierpoker ein harter Kampf zwischen Materie(den Chips) und der Zeit(den Levels)!

Es ist keine neue Erkenntnis, dass man während einem Poker Turnier einige Male all in sein muss. Was passiert, wenn ich all in gegen einen gleich großen Stack bin?
a) ich kann gewinnen und ,,nur „mein Stack verdoppeln
b) ich kann verlieren und vom Turnier ausscheiden

oder anders gesagt die Proportion Gewinn/Verlust ist gewaltig- man kann in einer Hand das Turnier nie gewinnen (ausgenommen am Ende im Heads Up) aber sofort verlieren! In diesen einfachen Fakten liegt die Schwierigkeit eines Turniers.

Von hier komme ich zum Gedanken, dass in der früheren Turnierphase mein Stack etwa ein Buy-In wert ist, aber umso  näher die Preisgelder rücken, desto mehr steigt der Wert der eigenen Chips. Der Schlüssel bei einer flachen guten Struktur ist das Average Stack und das entsprechende – M! Zur Erinnerung das Harrington M – bezeichnet das Verhältnis ihres Stacks in Bezug zur aktuellen Gesamtsumme der Blinds und Antes!

Es ist offensichtlich, dass die Spieler Freude und Spaß bei einem Turnier mit guter Struktur haben. Beim Poker verliert man oft Turniere, aber wenn die Struktur dem Spieler keinen Spielraum gibt, führt dies oft zu Enttäuschung und Frustration der ausgeschiedenen Spieler.

Wenn das M des Average Stacks unter 10 fällt, dann gibt es meistens den All-in oder Fold Modus. Und wie ich schon oben erklärt habe, erhöht das den Glücksfaktor enorm! Fast alle Pokerspieler wollen Gerechtigkeit am Tisch, was logischerweise bedeutet, in jeder Turnierphase den Glücksfaktor zu reduzieren!

Um die Struktur richtig zu bewerten habe ich folgende Faktoren unter die Lupe genommen:
a) wie viele Tage haben die Organisatoren zur Verfügung
b) wie viele Teilnehmer sind im Turnier
c) wie viele Level werden pro Tag gespielt und wie langsam steigt die Struktur

In der Poker Welt gibt es eine ungeschriebene Regel: Umso größer das Buy-In ist, desto besser ist die Struktur und umgekehrt umso kleiner das Buy-In ist desto schlechter ist die Struktur. Natürlich gibt es auch Ausnahmen.

Der letzte Schrei bei Pokerturnieren heißt heute: DEEP STACK TURNIERE

Ich habe in der Vergangenheit die Turnierstrukturen auf anderen Seiten analysiert, aber mit der Zeit ändern die Organisatoren die Blindsteigerung und man bekommt neue Werte!
In folgender Tabelle sind nur die Summen bei jedem Level (M) eingegeben:

CAPT-EPT-WPT-TAB

Ich habe  mit Hilfe von Excel die CAPT Struktur mit anderen bekannten Turnieren verglichen, wie EPT und WPT und aus den Diagrammen folgendes festgestellt. Auf Basis dieser Zahlen ist in Excel folgende Grafik entstanden:
CAPT-EPT-WPT-Grafik

Die unteren Zahlen zeigen die Levels, auf der linken Seite der Grafikgeben die Zahlen die Summe SB+BB+Ante (M) an. Also um so flacher die Kurve verläuft umso langsamer steigt die Struktur. Z.B.: Bei der EPT haben sie die Zeit von 60 auf 75 min. erhöht,  aber dafür sind in Level 11 und 18 die Blind Sprünge größer geworden!
Hier sind die Links im Internet, wo man die genauen Strukturen für diese Turniere ansehen kann:
Casino Austria Poker Tour –  4tägiges Main Event  2000€ Buy-In
http://www.casinos.at/uploadNew/673f2109-1826-4bb4-9bc3-d293b4daf224.pdf
World Poker Tour- 5tägiges Main Event 3500€ Buy-In
http://www.worldpokertour.com/Shared/Tournaments/Seasons/Season_XI/%7E/media/CF78F3024FED4F8891AC65348FB88DE8.ashx
European Poker Tour-6tägiges Main Event 5300€ Buy-In
http://www.europeanpokertour.com/tournaments/structure/

a) Die CAPT Struktur ist wunderbar in den ersten 12-14 Level zu spielen: Man startet unglaublich deep mit M = 333, langsam und flach, also an Tag 1 und fast den ganzen Tag 2 hat man genug Spielraum. Leider ab Tag 3 wird die Struktur immer steiler und schneller, was das Excel Diagramm deutlich zeigt. Klar die beste Struktur bietet die EPT, aber dafür hat man dort sechs Spieltage und man bezahlt mehr als das doppelte Buy-In als bei der CAPT. Neutral gesehen, hat die WPT die beste Preis/Leistungsstruktur. Für 3500€  bekommt man ein Fünf Tage Event mit beinahe so einer guten Struktur wie bei der EPT.

Jetzt werde ich die neue CAPT Struktur kurz noch tiefer analysieren:

CAPT Seefeld 22. bis 26. Januar 2013- Total 169 Spieler x 50.000 Starting Chips = 8.450.000 Total Chips im Turnier. In Level eins  (50.000:150 ) ist der M=333

Tag 1A: 79 Starter 41 Spieler left; Tag 1B: 90 Starter 45 Spieler left  Ende der Tag 1 – c/a 24 Uhr

Tag 2: Start 86 Spieler, es wurde von Level 9 bis Level 14 gespielt Ende des Tag 2-20.30 Uhr
Level 9 Blinds 800/1600+200; 4200 Runde kostet die Runde, Average=98.000 (M=23)
Level 14 Blinds 2,5/5k +500; 12 000 kostet die Runde; Average 256.000(M=21)

Tag 3: Start 29 Spieler, es wurde von Leve 15 bis Level 20 gespielt. Ende des Tag 3 -21 Uhr
Level 15 Blinds 3k/6k+1k; 18k kostet die Runde,  Average 291k (M=16)
Level 19 Blinds(letzte 16 Spieler) 8k/16k+2k; 42k kostet die Runde, Average 528k(M=12)

Tag 4 (Final Table-9 Spieler)
Level 20 Blinds 10k/20k+3k,  57k kostet  die Runde, Average 940k (M=16,5) Ende des Tag 4- 22.30 Uhr

Die oben erwähnte Zahlen/Fakten führen meine Gedanken zu nachstehenden Schlussfolgerungen:

Vorteile:
a) Die Turnier Organisation von Casino Austria war musterhaft inklusive detaillierte Live Blog bei Pokerfirma.de
b) Zwei erste Starttage gaben mehreren Spielern die Möglichkeit teilzunehmen. Leider ist die Wirtschaftslage  momentan nicht so rosig und vermutlich waren darum nicht so viele Spieler  wie erwartet anwesend.
c) Der Re-Entry gibt Spielern mit größerer Bank roll die Möglichkeit eventuell ein zweites Mal einzusteigen.
d) Das M ist allmählich von 333 beim Start an Tag 1 bis M=16 am Final Table geschrumpft. Das M war nie unter 10 und das gab genug Spielraum für die Spieler.
e) Das Spielerfeld hauptsächlich aus dem deutschsprachigen Raum – weit nicht so stark wie bei der EPT oder WPT!
f) Es wurde nie die ganze Nacht gespielt, sondern alle Turniertage wurden vor Mittenacht beendet! Das ist sehr zu begrüßen, denn somit war man gut ausgeruht für den nächsten Turniertag .
g) die gute Turnierstruktur gibt den besseren Spielern mehr Spielraum und vermindernd die Chancen für die schlechteren Spieler bzw. Gambler

Nachteile:
a) Man könnte die Struktur an Tag 2 und 3 etwas verbessern. Z.B.: An Tag 3 bei den Levels 17 und 18 gab es einen großen Blindsprung. Vielleicht könnte man die Antes von 1000 in Level 17 auf nur 1500 statt 2000 in Level 18 erhöhen? Als Folge war an Tag 3 bei Level 19 (bei den letzten 16 Spielern) das M ist bis zu M=12 gefallen.
b) Es wäre sinnvoll, wenn es nur einen Starttag gäbe, denn bis zu 200-220 Teilnehmer hatten in den vergangenen Jahren genug Platz im Casino Austria.
c) online ist es nur möglich sich über Win2Day zu qualifizieren.
d) das Fee ist nicht klar wie beim anderen Turnieren. z.B statt € 2000 Buy-In wäre die Angaben besser mit € 1.900 + 100. Oder man sollte die Höhe der Fee (inklusive 5 %) beim Buy-In angeben.

Wenn man die negative und positive Seiten beim die neue CAPT Struktur vergleicht, dann ist klar dass die Einführung dieser Struktur ein toller Erfolg von Casino Austria und Pokermanger Stefan Gollubits ist.

Ivo GPI-Pokal-TribueneZum Schluss eine Hand von mir beim CAPT Seefeld Main Event.
Ich habe das Main Event sehr gerne gespielt. Ursprünglich plante ich Tag 1A zu spielen, denn wenn man Tag 1 A spielt, hat man Pause vor Tag 2, was ich wichtig finde. Aber ich konnte nur  Tag 1B spielen, da ich am 22. Januar in Paris war.
Tag 1 B habe ich gut mit 141.000 überstanden und bin optimistisch Tag 2 gestartet. Irgendwann in Level 12 (1500/3000+500) habe ich etwa 150.000 Chips, was etwa Average entsprach. UTG Alex Rettenbacher verlangte vom ganzen Tisch 6000 um den Flop zu sehen. In mittlerer Position erhöhte Matthias Bauer den Preis auf 27.000 all in und jetzt war ich am Button an der Reihe. Ich traute meinen Augen nicht . Was nun, Call oder Reraise? Hinter mir waren drei Spieler. Im SB Oliver Bösch (Chipleader) der relativ loose spielte, im BB Nobody und der UTG Raiser Alex, der ein deutlich kleineres Stack als ich hatte. In dieser Situation dachte ich, das Reraise von 27.000 des Shortstacks genügte um alle verdächtigen Hände zu verjagen. Besser ist es, nur flat zu callen um die Stärke meiner Hand zu verbergen und  dem loosen Spieler links von mir oder dem UTG Raiser die Möglichkeit zu geben, Fehler zu machen. Nach meinem Call hat Oliver sofort einen großen Stapel Chips in die Mitte geschoben, etwa 70 000. Der BB und der UTG raiser rochen den Braten und verschwanden vom Schlachtfeld. Ich wollte den Chipleader um noch 80.000 erleichtern und bot ihm 150.000 all-in an. Er nahm mit Freude mein Angebot an und sagte, als er meine Asse sah: „Ivo, ich wusste, dass du Asse hast, aber mein König kommt“ und drehte sein Königspaar um. Ich musste weg vom Tisch, denn ich konnte nicht zusehen wie mein Turnierleben von fünf Papier Karten abhing. Nach ein paar Sekunden rief Oliver: „Ivo mein König ist am Turn gekommen“. In diesem Moment lief in meinem Kopf das Ende des genialen Films ,,Sieben Leben“ mit Will Smith ab. (http://de.wikipedia.org/wiki/Sieben_Leben)
Die Frustration war so groß, dass ich am nächsten Morgen den ersten Zug nach Hause nahm und das geplante Deepstack 500 €  abgeschrieben habe…

,,Poker ist wie die Wellen im Meer die Chips kommen und gehen…“

Eur Ivo „The Chessmaster“ Donev
www.ivodonev.com


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