Der ungarische Pokerspieler Krisztián Györgyi – einst durch einen spektakulären Bluff mit 7-2 offsuit bei der EPT Monte Carlo 2018 zum Fanliebling avanciert – ist zurück in den Schlagzeilen. Nur diesmal geht es nicht um einen Finaltisch oder einen Turniersieg, sondern um ein Gewinnspiel von GGPoker, dessen Ergebnis für Aufsehen sorgt: Györgyi gewann ein signiertes Hoodie und eine Cap von Daniel Negreanu, getragen während der diesjährigen World Series of Poker. Die Reaktionen in der Poker-Community blieben jedoch gespalten. Denn hinter dem Namen Györgyi verbirgt sich nicht nur ein erinnerungswürdiger Bluffheld, sondern auch eine Figur, die 2020 in einem folgenschweren Betrugsskandal für negative Schlagzeilen sorgte.
Vom Turnierbluff zur Kultfigur
Bekannt wurde Györgyi durch sein überraschendes Auftreten beim Main Event der European Poker Tour 2018 in Monte Carlo. Der Spieler aus einem kleinen Dorf in Ungarn hatte sich über ein Online-Satellit qualifiziert und schaffte es bis an den Finaltisch – dort traf er unter anderem auf etablierte Größen wie Patrik Antonius und Ole Schemion. Statt sich zurückzuhalten, spielte Györgyi furchtlos drauflos, was in einem weit verbreiteten und bis heute vielzitierten Bluff mit 7-2 offsuit gegen David Peters gipfelte. Dieser riskante Spielzug brachte ihm nicht nur Bewunderung, sondern eine eigene Fanbase ein. Er beendete das Turnier auf Platz fünf und sicherte sich ein Preisgeld von 184.000 Euro.
In den Wochen nach seinem EPT-Auftritt tauchte Györgyi regelmäßig in Medien auf. In Ungarn wurde er für Interviews eingeladen, sein Gesicht zierte Pokerseiten und Werbekampagnen. Trotz des Erfolgs schlug er nicht den klassischen Weg eines professionellen Spielers ein. Stattdessen engagierte er sich als Affiliate für eine wachsende Pokerplattform, über die er neue Spieler anwarb und dafür an den Einnahmen beteiligt wurde.
Betrugsaffäre bei GGPoker überschattet das Comeback
Was zuerst wie eine Win-Win-Situation für Plattform und Affiliate wirkte, entwickelte sich Ende 2020 zu einem Skandal. Mehrere ungarische Spieler meldeten in Foren den Verlust von Geldern über ihre GGPoker-Konten. Die Recherchen ergaben, dass sämtliche betroffenen Konten über Györgyis Affiliate-Link erstellt worden waren. Der Geldfluss führte zu einem Account mit dem Namen „Jencike1991“, der eindeutig Györgyi zugeordnet werden konnte.
Nach damaligem Ermittlungsstand hatte Györgyi über seine Agentenrechte Zugriff auf bis zu 600 Spielerkonten. Über Wochen hinweg soll er systematisch Gelder auf seinen eigenen Account transferiert und diese anschließend bei Highstakes-Cashgames verloren haben. GGPoker reagierte auf die Vorwürfe, suspendierte Györgyi und entschädigte einen Großteil der betroffenen Spieler.
Györgyi selbst meldete sich erst Tage später zu Wort. In einem öffentlichen Statement entschuldigte er sich, erklärte allerdings, dass die Vorfälle ohne sein Wissen passiert seien. Er habe seine Geräte eines Abends unbeaufsichtigt gelassen, nachdem er mit Freunden gefeiert habe, und diese seien anschließend wohl in die falschen Hände geraten. Die Mittelabflüsse seien erfolgt, während er keinen Zugriff auf seinen Laptop gehabt habe. Er forderte die Community auf, von weiteren Nachfragen abzusehen – und ließ das Thema damit ausklingen.
Die Szene zeigte sich wenig überzeugt von dieser Erklärung. Kritiker monierten die fehlende Strafanzeige gegen den angeblich unbekannten Täter und verwiesen auf die zeitliche Ausdehnung der Transfers, die nicht zu einer spontanen Gelegenheitstat passten. Zudem wurde hinterfragt, weshalb die veruntreuten Gelder in Highstakes-Partien verschwanden statt etwa verdeckt abgehoben zu werden.
Gewinnspiel bringt unerwarteten Namen zurück
Nach dem Skandal war es lange ruhig um Györgyi. Dass nun ausgerechnet sein Name wieder auftauchte – als Gewinner eines exklusiven Merchandise-Gewinnspiels mit Daniel Negreanu – überraschte viele Beobachter. In einem kurzen Unboxing-Video, das auf sozialen Netzwerken kursiert, präsentiert der Ungar den Hoodie und die Cap, die Negreanu während des WSOP Main Events getragen hatte. Die Artikel waren Teil einer Fanaktion von GGPoker.
Wenig später bestätigte GGPoker offiziell über seinen Twitter-Account, dass Györgyi der glückliche Gewinner sei. Unter dem Post sammelten sich zwar einige zustimmende Kommentare nostalgischer Fans, überwiegend jedoch Fragezeichen und Kritik. Für viele bleibt die Vergabe des Preises an eine in der Vergangenheit kompromittierte Figur zumindest erklärungsbedürftig – besonders im Kontext eines Community-orientierten Events.
GGPoker selbst äußerte sich bislang nicht zu Györgyis Vorgeschichte im Zusammenhang mit dem Gewinnspiel. Auch Daniel Negreanu reagierte öffentlich nicht auf die Szene-Resonanz.
Ob diese Episode einen tatsächlichen Schritt zurück in die Pokerwelt bedeutet oder reine Randnotiz bleibt, ist offen. Fest steht jedoch: Die Geschichte von Krisztián Györgyi bleibt untrennbar mit Licht und Schatten verbunden – aus dem Nichts aufgestiegen, tief gefallen, nun plötzlich wieder im Rampenlicht.
