Zusammenfassend: Die Mittel- und Nordeuropäer können ja auch nicht so, wie sie manchmal wollen, aber sie können sich anpassen so wie sie es in den Vereinigten Staaten und Amerika zeigten. Daddeln ist ein Turniersport. Jesus ist feige. Die fetten Jahre sind vorbei und Brillen sind blöd.
Früh genug da und trotzdem zu spät. Dies galt für einen Teil der 3.157 Spieler, welche das 1,5k Turnier NLH spielten. Bis zu 2 Stunden mussten sie an der Registrierung warten um dann mitspielen zu können. Immerhin zahlt es sich aus Stunden zu warten, wenn $4.261.950 im Preispool liegen. Dies ist zwar nicht sehr, aber doch ein wenig, besonders. Das wirklich besondere war aber, dass, ganz anders zu den europäischen/deutschen Gepflogenheiten, kein Murren, Stöhnen, Beschweren, Herummaulen oder ähnliche Unmutsäußerungen zu hören waren, nicht mal von den deutschsprechenden Spielern. Brav in der Reihe stehend ergab man sich der Situation und dem Vorsatz, sich beim nächsten Turnier einfach früher einzukaufen. Bürgerkriegsähnliche Zustände würde es geben, wenn zwei Stunden warten bei der EPT Berlin geschehen würde. Vegas, ein Erziehungscamp?
Wieder hat sie stattgefunden – die WSOVP (World Series of Video Poker). Ok, das ist jetzt erfunden und/oder gelogen. Tatsache ist aber, dass das jährlich Video-Pokerturnier während der WSOP läuft. 20 Minuten hat man an einem der 102 Automaten Zeit, seine Credits zu vermehren. Der der nach 20 Minuten am meisten Punkte hat, steigt in die nächste Runde auf – also im Shootout-Modus. Im Preispool liegen immerhin fast $100k.
Amüsant zu beobachten, wenn hunderte zumeist ältere Vegasbesucher, wie wahnsinnig auf die Tasten klopfen, als müssten sie einen ganzen Ameisenhaufen von der Welt trennen. In den Weiten des Internetzes gibt es sogar Foren, in denen über Strategie und Systeme diskutiert wird:
„So if you are dealt 33377, a full house of threes full of sevens, in normal play you would hold that but in a tournament your best play is to hold the three threes and discard the two sevens.“
Obwohl Howard Lederer und Chris Ferguson die WSOP nicht so offiziell wie Ivey (und seiner lächerlichen Farce) boykottieren, sind sie trotzdem noch nicht im Rio’s gesehen worden. Amerikanische Kollegen analysieren das Fernbleiben einfach mit: „Angst vor den Spielern, die ihr Geld haben wollen“. Lederer und Fergusson sind im Management von Full Tilt relativ weit oben.
Nicht nur das Geschäftsmodell sondern auch die Großkotzigkeit von Online-Pokeranbietern hat an diesem schwarzen Freitag ein jähes Ende gefunden. Gab es im letzten Jahr noch eine höchst noble „Full Tilt Lounge“, in die nur ausgewählte Spieler durften, so ist von dem ganzen Tam-Tam nichts mehr übrig geblieben.
Selbst für ein Foto musste Werthan im Vorjahr drei (!) Gespräche in unterschiedlich hierachischen Ebenen führen, um dann bewacht von zwei(!) Securities, ein Foto (!) machen zu dürfen, welches dann von zwei aus unterschiedlichen Hierachien abgenommen und bewilligt wurde. Ein Vergleich des Raumes aus dem Vorjahr zu diesem zeigt die Situation von Full Tilt wohl am besten.
SPIELER DES TAGES
Phil Ivey gehört momentan nicht zu den Beliebtesten der WSOP 2011. Kaum ein Spieler, der ein gutes Wort über den ehemaligen Liebling der Szene findet. Selbst Team-Kollegen finden sein Verhalten „eine riesen Schweinerei“ (orig. Zitat). Egal jetzt, dieser Ivey sagte mal zum Thema Sonnenbrille: “I figure that if you can’t deal with someone looking at you, you shouldn’t play poker. Suck it up. If you have tells, work on them“ Dieser junge Mann hat es entweder einfach etwas übertrieben, oder er ist frei von jeder Art Selbstbewusstsein, oder aber er hat über seine Augen derartig viele Tells, dass er damit als Vorlage für Pantomimelehrbücher dienen kann.




