WSOP Events weltmeister

WSOP 2009 – Nicht nur spannend für Bracelet-Jäger

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Auch dieses Jahr wird Las Vegas dank der WSOP (World Series of Poker) ab Juni wieder für eineinhalb Monate zum Mekka der Pokerspieler werden. Allerdings muss man nicht unbedingt bei der WSOP mitspielen, um Las Vegas in dieser Zeit genießen zu können. Und damit meine ich jetzt nicht die Shows und anderen schönen Seiten von Las Vegas, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Es geht vielmehr um die Pokeralternativen zur WSOP.

Amazon Room

Zuerst sollte man aber doch noch einmal einen kurzen Blick in den Amazon-Room des Rio Hotel & Casino werfen. Denn im Gegensatz zu den letzten Jahren wurde die Qualität der WSOP Turniere durch einen 50%igen Zuschlag zum Chipcount deutlich aufgewertet. Während es bisher in den „kleinen“ $1.500 Events noch 3.000 Startchips gab, erhält man nun 4.500. Und während man bei der letzten Stackerhöhung Blindlevel gestrichen hat, hat man bei dieser sogar welche hinzugefügt. Natürlich gilt diese Erhöhung proportional auch für die größeren WSOP Events.

Damit gehören aber nun auch die „kleinen“ WSOP Events in die Kategorie „spielbar“. Klar, $1.500 Buy-In sind kein Pappenstiel – aber der Ruhm des Bracelets und die Höhe des Preisgeldes sind sicher für viele ein Anreiz der besonderen Art. Wer es ein bisschen günstiger mag, der hat diese Jahr sogar die Chance auf ein $1.000 Event. Überraschenderweise ist die Struktur (3.000 Startchips) derjenigen der $1.500 Events ebenbürtig. Hier werden 5.000 – 6.000 Teilnehmer erwartet.

Nun gibt es aber Pokerspieler (zu denen ich mich selbst auch zähle), die nicht so ohne weiteres $1.500 auf den Tisch legen wollen. Warum also dann überhaupt nach Las Vegas zur WSOP?

Zum Einen, weil es etwas ist, das man als Pokerspieler mindestens einmal im Leben miterlebt haben sollte. Und wenn man einmal dabei war, ist man meist auf Ewig von der speziellen WSOP Atmosphäre gefangen und fasziniert. Natürlich ist es etwas anderes selber mitzuspielen (ich hatte letztes Jahr im 6-max Event das Vergnügen, leider mit geringem Erfolg) … aber auch als Zuschauer ist es mehr als beeindruckend.

Darüber hinaus überschlagen sich die anderen Casinos zu dieser Zeit mit qualitativ hochwertigen Turnierserien. Die Klassiker sind dabei die „Venetian Deep-Stacks“ und die „Caesars Mega-Stacks“. Beide Events beginnen bei Buy-Ins von $340 und bieten Strukturen, die denen der kleinen WSOP Events (wenn auch nicht mehr so extrem wie früher) überlegen sind. Bei 300-600 Teilnehmern kommen auch hier signifikante Preispools zusammen.

Obwohl es sich bei beiden Serien um echte Deepstacks handelt, sind doch auch hier noch Qualitätsunterschiede zu finden. Letztes Jahr war man im Venetian noch relativ früh gefordert, aktiv zu werden, konnte dafür aber am Ende (wenn es ums Geld geht) in einer sehr moderaten Struktur spielen. Im Caesars spielte man dagegen am Anfang sehr lange mit einem großen Stack, lief aber Gefahr eher short zu sein, wenn es um die bezahlten Plätze geht.

Bei den Serien im Sommer 2008 hatte daher das Caesars mit Teilnehmerfeldern von teilweise über 500 Spielern noch eindeutig die Nase vorne. Aber das Venetian hat hier ganz offensichtlich dem Konkurrenten (das Caesars gehört ja wie die WSOP auch zu Harrahs) den Kampf angesagt. Mit einer deutlich überarbeiteten und sehr langsamen Struktur hat man dafür gesorgt, dass der bisherige Vorteil der Mega-Stacks in der frühen Turnierphase praktisch aufgehoben ist. Damit ist für diejenigen, die auf eine sehr gute Struktur wert legen, das Venetian in diesem Jahr eindeutig die erste und beste Wahl. Und da man sich dort dieses Vorteils auch bewusst ist hat man die Kapazität gleich mal auf gigantische 89 Tische ausgebaut!

Was die Pokerrooms selbst angeht gehören beide ohne Frage zu den schönsten in Las Vegas. Allerdings ist es im Venetian deutlich lauter, da dieser direkt an den Casinofloor grenzt (vor allem mit der erweiterten Tischanzahl). Im Caesars hat man durch den abgetrennten und separaten Turnierbereich eine deutlich ruhigere Atmosphäre. Kalt ist es, dank der typisch amerikanischen Klimaanlagenunterkühlung, in beiden. Gefühlt kälter jedoch im Caesars.

Caesars

Eine wesentliche Neuerung gilt es allerdings dieses Jahr für die „Caesars Mega-Stacks“ zu beachten: Der Gewinner eines Events erhält diesmal einen $10.000 WSOP Main-Event Seat. Und da Harrahs traditionell nichts zu verschenken hat, wird dieser natürlich vom Preispool einbehalten. Schön für den Gewinner – schlecht für die Payout-Struktur. Sollten wieder Teilnehmerfelder von 500-600 wie in 2008 erreicht werden, macht es sich sicher nicht zu sehr bemerkbar. Fallen die Teilnehmerzahlen aber unter die 400er Marke (was bei der aktuellen Konkurrenz zu befürchten ist), muss man sich fragen ob die Payout-Struktur für ein zweitägiges Event dann wirklich noch sinnvoll ist (vor allem in den niedrigeren Buy-in Bereichen).

Binion's

Ein weiterer Klassiker (auch für den kleineren Geldbeutel) sind die „Binion Poker Classics“. Letztes Jahr wurden sie als eine Art Mini-WSOP ausgetragen: 10% des Buy-Ins in einem zwei Tage vorgezogenem identischen Zeitplan. Das Buy-In Verhältnis ist geblieben – aber im Zeitplan hat man sich doch ein wenig unabhängig gemacht. Die Struktur ist keinesfalls mit denen im Venetian und Caesars vergleichbar – aber das kann man bei diesem Buy-In auch nicht erwarten. Gut spielbar sind die Turniere trotz allem. Darüber hinaus sollte jeder wenigstens einmal dort gespielt haben, wo die WSOP ihren Ursprung hatte! Und wer auch mal etwas anderes als Hold’em spielen will, der findet hier neben Omaha und H.O.R.S.E. z.B. auch Crazy Pineapple.

Direkt gegenüber vom Binions befindet sich das Golden Nugget. Auch hier gibt es mit der „Grand Poker Series“ eine Turnierserie die mit Buy-Ins ab $235 und großen Startstacks (10.000+ Chips) einiges verspricht. Für die angebotenen Buy-Ins ist die Struktur überraschend gut, kann sich aber dann doch nicht mit der des Venetian und Caesars messen. Interessant sind hier eventuell auch noch die sogenannten „Bankroll Builder“ Turniere. Diese Side-Events finden täglich mit einem Buy-In von $125 statt (jeweils um 13 Uhr und um 21 Uhr) und bieten ebenfalls einen guten Gegenwert zum Einsatz.

Golden Nugget

Dies ist nur eine Auswahl dessen, was während der WSOP in Vegas geboten ist. Für den größeren Geldbeutel wird es sicher auch im Bellagio wieder eine entsprechende Serie geben. Und für den ganz kleinen Geldbeutel oder ein Turnier mal eben so nebenbei sei z.B. das Planet Hollywood empfohlen (Buy-In von $40-$80 mit für diese Preisklasse moderaten Strukturen).

Für Sit-and-Go Spezialisten bietet sich die regelmäßige Rückkehr ins Rio an. Nicht das die SNG-Satellites dort besonders gut wären … aber dafür sind die Gegner traditionell eher schlecht. Allerdings werden Gewinne dort in „Token“ ausbezahlt. Diese lassen sich offiziell nicht in Bargeld umwechseln. Wer kein WSOP Event damit spielen wollte, konnte diese bisher problemlos (und üblicherweise ohne Abschlag) in der Warteschlange für die Registrierung loswerden. Ob dies auch weiterhin ohne Probleme möglich ist, wird sich zeigen. Gerüchten zufolge will Harrahs künftig diesen unerlaubten (bisher jedoch geduldeten) Handel durch verschärfte Kontrollen unterbinden.

Und auch für den Cashgamespieler ist Vegas während der WSOP ein Paradies. Da ich selber kein Cashgamer bin, kann ich hier allerdings nur mit Informationen aus zweiter Hand dienen. Aber auch hier scheint zu gelten: Das Rio ist während der WSOP ein großer „Fischteich“. Aber Vorsicht: Denn auch andere „Sharks“ sind hier auf Futtersuche … und man möchte dabei ungern zwischen die Fronten geraten. Ansonsten finden sich aber in fast allen Pokerrooms auf dem Strip deutlich mehr Glücksritter als zu anderen Zeiten im Jahr. Wer auf eher ahnungslose Touristen aus ist, wird im MGM sicher fündig. Dagegen war das Wynn lange Zeit das Stammcasino der Floormen und Dealer anderer Casinos. Da sollte man genauer hinsehen mit wem man am Tisch sitzt. Gut besucht wie immer auch das Mirage und das Bellagio (leider kann ich hier nichts über die Qualität der Mitspieler sagen).

Ihr seht also: Auch für den, der nicht bei der WSOP mitspielt, ist Las Vegas im Juni/Juli eine Reise Wert. Und manchmal hat die schlechte wirtschaftliche Situation auch ihre Vorteile: Hotelzimmer sind zur Zeit so günstig wie lange nicht mehr, Schnäppchen überall zu finden und auch Flüge (wenn man etwas längere Flugzeiten in Kauf nimmt) bereits ab €400 zu haben.

Und weil das Schreiben dieses Artikels jetzt so richtig Lust auf Las Vegas und die WSOP gemacht hat, habe ich gleich mal eine Woche vom 07.- 14. Juni gebucht. Naja, o.k. gebucht hatte ich schon vorher, aber die Vorfreude hat das Schreiben in jedem Fall gesteigert.

Mit Sicherheit werde ich von da dann auch die eine oder andere Geschichte zum Besten geben.

4 KOMMENTARE

  1. Klasse Bericht, Harald!

    Da bekommt man auf jeden Fall Lust auf Vegas!

    btw… wie kommst Du darauf, dass die Weitergabe der Satellite-Token verboten ist?

  2. Klasse Bericht, kann das alles auch nur genau so bestätigen! Bei meinem letzten Las Vegas Trip konnte ich genau diese Erfahrungen machen…

    Kann das Venetian empfehlen, aber auch hier ist Vorsicht geboten, den auch dort sind einheimische bzw. Dealer anderer Casinos an den Tischen zu sehen die nur darauf warten die Touristen auszunehmen…

  3. Freut mich, wenn der Artikel gefällt 🙂

    @Mr. Black,
    ja, die Token sind schon seit langem „no cash value“ und damit offiziell nicht verkäuflich und dürfen nur für das Einkaufen in WSOP Events (keine Satellites!) verwendet werden.

    Bisher hat sich halt bloss niemand daran gestört. Aber letztes Jahr wurde wohl einige die versucht haben ihren Token zu verkaufen daran gehindert!

    Keine Ahnung ob das nur ein paar übereifrige Floormen waren oder ob es nun grundsätzlich „schärfer“ beobachtet wird.

    @Allessandro,
    ja, die Konkurrenz im Venetian ist definitiv härterals im Caesars.

    Grüße
    Shadow

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