Noch gestern morgen habe ich zum mir gesagt „Stefan, ab jetzt trinkst du weniger Rotwein.“ Zum Glück heiss ich nicht Stefan.
Denn; ich weiss, Alkohol ist keine Lösung; trotzdem muss man manchmal nicht so ganz nüchtern sein, um einiges auf dieser Welt besser ertragen zu können. Was mich direkt zu meiner heutigen Niederschrift bringt. Da war ich doch vor vier Wochen auf einem etwas größeren Pokerevent; Name und Ort möchte ich hier aus rechtlichen Gründen verschweigen.
Was ich da wieder an Bekleidungssünden gesehen habe, war für meine designorientierten Augen nicht schön. Karl Lagerfeld hätte Selbstmord begangen. Und seiner Katze testamentierisch (nettes Wortspiel, gelle) sein gesamtes Vermögen vermacht.
Unvermögen hingegen sind in der Tat manche Anziehsachen von Pokerfetischisten.
Manche sehen aus, als hätte ihnen Mutti morgens die Klamotten rausgelegt. Mutti ist in diesem Fall weit über 80 und nahezu blind. Bitte, glaubt mir, auch bei einer Pokerrunde passen rote Socken nicht zu blauen Hosen, vor allem wenn das Oberteil ein hellgelber Pullover aus billigstem Polyester ist. Echt nicht.
Manche sind auch ohne Mutti schmerzbefreit, was Spielstil und Klamottenstil angeht. Welches manchmal miteinander hergeht. Mit 74 offsuit lässt sich anscheinend tatsächlich besser eine 4-bet callen, wenn der Suit (auch wieder ein extrem geiles Wortspiel, wie der Autor findet) so gar nicht stimmig ist. Eine Jeansjacke aus der Vorvorjahreswinterschlussverkauf-Edition von Kik. Mit Löchern. Und noch nie gewaschen. Gepaart mit einem Fake-Lacoste-Shirt. Ehrlich, bei den echten ist nur ein Krokodil drauf.

Ich danke vielmals für Euer Verständnis. Vielmals. Wirklich. Eins noch – Zweireiher waren vor 30 Jahren mal in Mode. Werden es vielleicht in sieben Jahren wieder. Bis dahin bitte dringend im Schrank lassen.