Pokerstrategie

Das Fancy Play Syndrom

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Fancy Play findet nicht nur im richtigen Leben statt, sondern auch beim Pokern. Und um es vorweg zu nehmen: es kann fatale Auswirkungen auf die Pokerlaufbahn haben und hat schon bei vielen talentierten Spielern dafür gesorgt, dass es mit der gewünschten Pokerkarriere nichts wurde. Das schlimme ist: Als Spieler merkt man nur ganz schlecht ob man vom Fancy Play Syndrom betroffen ist, oder sich tatsächlich weiterentwickelt. Erst die Ergebnisse aus der langen Sicht geben Auskunft und dann ist es meist schon zu spät.

Wie sieht das Fancy Play Syndrom aus?

Man kann es sich ganz einfach vorstellen: Man neigt dazu eigentlich einfache Zusammenhänge zu kompliziert zu machen. Wenn Sie ohne zu Zögern bei grün über die Kreuzung fahren, ist kein Fancy Play erkennbar. Wenn Sie aber abbremsen und sich alle Auswirkungen überlegen was passieren könnte wenn plötzlich die Ampel auf Rot springt oder die Polizei mit Blaulicht vorbei fahren muss, neigen Sie sicher dazu einfachste Entscheidungen zu kompliziert zu machen.
Am Pokertisch sieht es nicht anders aus. Statt einfaches und geradliniges tight-aggressives Poker zu spielen, limpen Sie mit KK um bei eine Raise zu reraisen, oder spielen 84 in Early Position so als ob es Asse wären. Kurzum: Sie machen es sich komplizierter als es sein sollte.

Wann bin ich davon betroffen?

Die Parallele zwischen Poker und dem richtigen Leben ist überwältigend. Man kann meist schon sagen wie jemand pokert wenn man ihn aus dem richtigen Leben kennt. Schüchterne und zurückhaltende Menschen sind sogut wie nie loose-aggressive Pokerspieler. Hier macht das Fancy Play Syndrom keine Ausnahme. Wenn Sie solche Tendenzen im richtigen Leben zeigen, dann womöglich auch am Pokertisch.
Aber das heißt noch nichts: wenn sie nämlich im richtigen Leben keine Fancy Play Symptome zeigen, können sie am Pokertisch trotzdem darunter leiden.
Nur selten ist Poker wirklich kompliziert. Meistens sind die Entscheidungen sehr einfach und geradlinig. Wenn Ihr Gegner an Flop, Turn und River bettet und Stärke zeigt, sollten Sie definitiv nicht mit Bottom Pair callen, nur weil er bluffen könnte. Meistens ist es einfach so: er hat eine starke Hand und bettet for Value. Wenn Sie dann anfangen zu denken, dass er gerade mit den Augen gezwinkert hat und das eigentlich ein Zeichen für Schwäche ist, oder er zwei Hände vorher schon einmal die Nuts hatte und langsam gespielt hat. Natürlich muss man alle Informationen verwerten und auch unwahrscheinliche Fälle bedenken, aber meistens endet es damit, dass man sich die Fakten irgendwie zurecht biegt und die kompliziertere Entscheidung trifft anstatt einfach die nahe liegendste Entscheidung zu treffen.
Gerade gegen schwache Spieler und im Internet sind die Entscheidungen meist ganz einfach. Wenn Sie merken, dass Sie selbst gegen schwache Spieler die Situation komplizierter machen, liegt es nahe, dass sie am Fancy Play Syndrom leiden.

Fancy Play und Pokerstrategie

Dass die Theorie sehr wichtig ist, steht außer Frage. Das entscheidende ist aber die Dosis an Theorie. Macht es Sinn als Anfänger alle möglichen Pokerbücher zu lesen und sich dann an den Pokertisch zu setzen? Eher nicht, denn er wird unmöglich alles anwenden können. Sinnvoller ist es natürlich sich die Strategie Peu à Peu einzuprägen. Doch auch das ist nicht immer sinnvoll! Wenn Sie auf sehr kleinen Limits spielen, sind Ihre Gegner einfach nur schwach. Gegen sie müssen Sie nicht alle möglichen Strategien kennen. Es ist absolut ausreichend mit Basisstrategie vorzugehen und sie damit zu schlagen. Alles andere kann nur noch schaden, so verrückt es sich erstmal anhört.

Wie bewältige ich das Fancy Play Syndrom?

Hierfür gibt es natürlich kein einfaches Rezept. Der erste und wichtigste Schritt ist zu erkennen ob man vom Fancy Play Syndrom betroffen ist. Wenn ja, muss man sich auf die Suche nach Situationen machen wo das Fancy Play definitiv schadet. Und dann geht es darum es zu bewältigen. Dies geht zum Glück relativ einfach indem man bewusst die Entscheidungen kürzer und einfacher gestaltet und vor allem auf den ersten Eindruck hört. Man muss bei der Entscheidungsfindung stoppen wenn es kompliziert wird und die offensichtlichste Entscheidung treffen.

Hierzu ein kleines Beispiel:

Sie wissen, dass Sie bei Call oder Fold Entscheidungen häufig dem Fancy Play Syndrom zum Opfer fallen. Nun haben Sie wieder eine solche Entscheidung zu treffen. Der Gegner hat vor dem Flop erhöht und Sie gecallt. Am Flop treffen Sie Bottom Pair und Ihr Gegner macht eine Continuation Bet. Sie fragen sich zunächst ob er den Flop getroffen hat und kommen zu dem unverhofften Entschluss, dass dies möglich sein könnte, aber nicht sicher. Der Gegner ist aber nicht allzu aggressiv und macht nicht immer eine Continuation Bet. Die Pot Odds sind nicht sehr gut und bevor Sie großartig nach Tells suchen und nachgrübeln ob Sie noch mehr Betting Patterns finden, sollten Sie einfach folden und zur nächsten Hand übergehen.

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