Pokerstrategie

Das Spiel in den Blinds

Das Spiel im Small Blind

Wenn alle zu einem im Small Blind gefoldet haben, hat man hier natürlich die Möglichkeit zu folden, callen oder zu raisen. Soweit so gut. Doch was ist generell der bessere Zug?
Ein Fold kommt eigentlich am seltensten in Frage. In No-Limit Hold’em Cash Games zum Beispiel sollte man im Small Blind eine große Palette an Händen spielen. Hier gelten erstmal die gleichen Gesetze wie im Heads-Up Poker, nämlich unter anderem dass Hände, die nach Mist aussehen spielbar sein können. Es sollten also nur die richtig schwachen Hände wie 73, 92, J4, usw. gefoldet werden.
Mit dem Rest muss man spielen, wobei man gleich sagen muss, dass man mit viel mehr Händen raisen statt callen sollte. Der Grund ist einfach der, dass man nach dem Flop im Small Blind keine Position hat wenn man gecallt wird. Gerade bei großen Pots und Draws ist das ein großer Nachteil. Außerdem gibt man sich selbst die Chance die Hand bereits vor dem Flop zu entscheiden und die Blinds einzustecken. Mit einem Call kann der Gegner checken und sich kostenlos einen Flop ansehen. Stellen Sie sich vor mit Q9 nur zu callen, sehen einen Flop mit 347 und einen Gegner, der nach Ihrem Check bettet. Spielen Sie hier etwa weiter? Ich denke nicht. Und verloren haben Sie die Hand schon vor dem Flop als Sie nicht geraist haben. Ihr Gegner durfte sich den Flop kostenlos ansehen und hat Sie höchst wahrscheinlich überholt.
Ein Call ist also meist zu passiv. Wenn Sie spielen, dann am besten mit einem Raise.
Es gibt jedoch seltene Ausnahmen. Ist Ihr Gegner sehr loose und würde den Raise ohnehin callen, dürfen Sie natürlich nicht versuchen die Blinds zu stehlen. Sie können also nur Hände anfassen, die Sie auch nach dem Flop out of Position gegen ihn spielen möchten. Das sind vor allem ausbaufähige Monsterhände wie Suited Connectors oder kleine Pocketpairs. Die sollten Sie eher spielen als marginale Hände wie K2 oder Q6 – Hände die sich nach dem Flop vor allem out of Position schlecht spielen lassen.

Das Spiel im Big Blind

Hier ist das Spiel meist einfacher. Denn der Small Blind kann einfach folden und Sie gewinnen den Pot, oder er kann callen und Sie dürfen einen kostenlosen Flop sehen, oder er kann natürlich raisen und Sie müssen genau entscheiden was Sie tun.
Wenn er nur auffüllt, sollten Sie eigentlich mit allen Händen außer gut ausbaufähigen oder starken Händen raisen. Er demonstriert mit seinem Call nicht gerade Stärke, daher können Sie Hände wie QTs oder 66 for Value raisen. Anders sieht es jedoch bei richtig starken Händen wie Asse oder Könige aus. Eben weil Ihr Gegner Schwäche gezeigt hat, wird er wahrscheinlich auf einen Raise folden und sie gewinnen mit diesen Händen gerade mal die Blinds. Besser, wenngleich tricky ist es ihm einen kostenlosen Flop zu geben, damit er aufholen und irgendetwas treffen kann.
Wirklich entscheidend wird das Spiel im Big Blind wenn der Small Blind erhöht. Doch wegen Ihrer Position können Sie mit relativ vielen Händen einen Flop anschauen und callen. Es ist nicht verkehrt alles zu callen, außer es handelt sich um absolut wertlose Hände. Es liegt nämlich meist ein gutes Risiko-Gewinn Verhältnis vor, denn Ihr Gegner setzt meistens am Flop unabhängig davon ob er ihn getroffen hat oder nicht. Wenn Sie den Flop irgendwie treffen können Sie raisen oder in späteren Runden noch mehr Geld machen. Sie können auch Semi-Bluffen wenn Sie einen Draw getroffen haben. Oder Sie können auch “Bluff-Callen”, also am Flop callen mit der Absicht im weiteren Verlauf zu bluffen. Das funktioniert deswegen so gut weil Sie erstens Position haben und zweitens die meisten Flops die meisten Hände verfehlen – eben auch die des Small Blinds. Aus diesen Gründen wir ein Call meist profitabel selbst mit unterlegenen Händen.
Reraisen sollten Sie dagegen nur mit richtig starken Händen mit denen Sie einen großen Pot aufbauen möchten. Ausnahmen sind höchstens kleine Pocketpaare. Die sind nämlich nicht als stark zu bezeichnen, rechtfertigen aber meist einen Reraise. Dadurch verhindern Sie mit einer Hand, die meist vor dem Flop in Führung liegt unnötige Overcards am Flop zu sehen.

Das Spiel in den Blinds beschwört häufig sehr interessante Situationen herauf. Das liegt meist daran, dass viele Spieler mit solch seltenen Situationen kaum umzugehen wissen. Ich kann Ihnen nur empfehlen häufiger Shorthanded Partien zu spielen, denn dort treten Blind versus Blind Situationen sehr häufig auf.


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Hugo2020
11 Jahre zuvor

Hi und nochmals Danke für den Bericht. Ich fange an diese Seite wirklich zu lieben. Echt super was hier alles durchgenommen wird. Jedoch hätte ich auch hier wieder eine Frage. Wie sieht das aus, wenn sie zb. KQ im Sb haben und eine raise durchführen. In vielen fällen, grade gegen loose Spieler, bekommt man da häufig auch ein Rerais oder ein Allin als Antwort. Wie reagiert man dadrauf? Sollte man die Sache dann weiter auseinander nehmen, und sich denken das tut er jetzt weil er denkt ich will denn BB klauen oder einfach ohne lange nach zudenken Folden ? was tuhn ?
Danke für Antworten

Gruß
Hugo

Ps. Wenn ich eine solche Frage stelle hab ich dann das Fancy Play Syndrom ?