Pokerstrategie

Die rücksichtslose Continuation Bet Teil II

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Der Showdown Value einer Hand wird von vielen Spielern ignoriert. Die meisten machen trotz guter Showdown Value eine Continuation Bet und unterlassen einen Einsatz wenn die Hand gar keinen Showdown Value hat, weil sie dann meist “zu schlecht” für eine Continuation Bet ist und man doch etwas in der Hinterhand haben möchte. Klingt zunächst kompliziert, lässt sich aber mit einem kurzen Beispiel veranschaulichen.
Angenommen Sie raisen mit AK und der Flop ist 223. Auch dieser Flop passt wie oben gesehen nicht zu Ihrer erwarteten Hand Range. Es ist in einem solchen Fall besser keine Continuation Bet zu bringen, denn die Hand hat trotzdem Showdown Value und damit gute Chancen zu gewinnen wenn runter gecheckt wird. Der umgekehrte Fall: Sie haben mit 43 suited geraist und der Flop ist KTT, also nichtmal heiße Luft. Hier müssen Sie eine Continuation Bet bringen wenn Sie eine Chance haben möchten den Pot zu gewinnen. Klar, es ist ein reiner Bluff ohne jede Siegchance, aber genau deswegen müssen Sie ohne Showdown gewinnen. Ihre Hand hat keinen Showdown Value und kann nur mit einem Fold des Gegners beendet werden. Für viele Spieler ist es allerdings unlogisch und sie denken sich folgendes: Wenn ich schon eine Continuation Bet mache, möchte ich zumindest irgendeine Siegchance haben, als Absicherung falls ich gecallt werde. Das ist die falsche Einstellung. Nur selten kommt man in den Genuss einen Semi-Bluff spielen zu können.

Auch wenn ich vorhin davon abgesehen habe Multi-Way Pots zu behandeln, möchte ich trotzdem kurz darauf eingehen, denn viele Spieler sehen kaum einen Unterschied einen oder zwei Spieler zu bluffen. Doch der Unterschied ist immens und die Voraussetzungen zwei Spieler mit einer Continuation Bet zum folden zu bringen sind sehr speziell. Denn die Chance auf einen Fold beider Spieler wird im Verhältnis zum zusätzlichen Gewinn gegen zwei Spieler unterproportional groß. Sprich: der etwas größere Pot gegen zwei Spieler im Vergleich zu einem Heads-Up Pot, kann nicht das höhere Risiko, keinen Fold zu sehen kompensieren. Daher müssen die Bedingungen für eine Continuation Bet bei zwei Gegnern schon sehr günstig sein.

Doch es gibt nicht nur Beispiele für schlechte Continuation Bets, sondern auch für gute.
Sogenannte “trockene Boards” sind ein idealer Einsatzort für eine Continuation Bet. Damit sind Flops wie 22A oder K62 gemeint. Einfach Flops, die keine Draws zu lassen und es unwahrscheinlich machen, dass der Gegner getroffen hat. Das Gegenteil wären koordinierte, Draw lastige Boards wie 456 oder KJT. Bei trockenen Boards hat der Gegner auf eine Continuation Bet meist nur eine Antwort, nämlich einen Fold. Das beste bei Flops wie A22 ist der “Leverage Effekt”. Dieser beschreibt die Macht künftiger Einsätze. Hierzu ein kurzes Beispiel: Spieler A hat AK und Spieler B AT. Der Flop ist A75 und Spieler A macht eine Continuation Bet. An dieser Stelle hat Spieler B bereits eine schwere Entscheidung zu treffen. Denn er hat zwar Top Pair, aber es ist gut möglich, dass sein Kicker gegen den von Spieler A den Kürzeren zieht. Er muss damit rechnen an Turn und River auch noch Einsätze zu zahlen um dies herauszufinden. Spieler A wirkt damit unheimlichen Druck aus und bringt Spieler B -vorausgesetzt er denkt mit- dazu eine starke Hand zu folden. Nun stellen Sie sich vor Sie haben nicht AK auf diesem Flop von A75 sondern K9. Mit einer Continuation Bet können Sie den Gegner ohne großes Risiko vor eine schwierige Entscheidung stellen und es ist wahrscheinlich, dass er sogar Top Pair wegen des Leverage Effekts foldet.

Doch das soeben erwähnte Beispiel mit dem trockenen Flop führt zu einer weiteren wichtigen Frage: wann ist es sinnvoll an Turn und/oder River eine weitere Bet folgen zu lassen? Nur sehr wenige Gegner werden bei einem Flop von A75 eine Hand wie AT schon am Flop auf eine einfache Continuation Bet folden. Bei manchen Spielern sind hierfür zwei, oder drei Einsätze nötig, andere wiederum denken nicht einmal daran Top Pair zu folden.

An dieser Stelle ist es meist profitabel der Continuation Bet am Flop weitere Folgen zu lassen. Wenn der Pot wirklich groß wird und Sie richtig Stärke demonstriert haben, wird es sehr schwer für den Gegner Top Pair mit mittlerem Kicker, wie in diesem Fall AT zu behalten und einen Showdown zu sehe. Das sind Situationen wo einem als Spieler folgende Worte durch den Kopf gehen: “Er hat jetzt an Flop, Turn und River gesetzt. Es ist ausgeschlossen, dass ich mit meinem schlechten Kicker gewinnen kann. Ich kann ihn einfach nicht schlagen und muss folden”. Wenn Sie Ihren Gegner dazu bringen haben Sie es geschafft. Klar, manchmal wird er trotzdem callen. Kann dies aber eigentlich nur wenn er komplett verrückt ist oder einen super Read auf Sie hat. Wenn er wirklich callt, müssen Sie sich ernsthaft fragen warum! Denn es ist weder profitabel Maniacs zu bluffen, noch von einem Gegner derart gut gelesen zu werden.

Das Thema mit der Continuation Bet ist kein einfaches. Was das ganze noch erschwert ist die Tatsache, dass sich im Laufe der Zeit viel geändert hat und sich weiterhin viel bewegen wird. Denn vor ein paar Jahren war die Continuation Bet ein höchst effektiver Zug, den nur wenige Spieler kannten. Heute ist er aber den meisten bekannt und dementsprechend wird darauf reagiert. Die Continuation Bet ist nicht mehr so profitabel und darum muss man sich noch mehr damit beschäftigen und sich darauf einstellen.

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