Pokerstrategie

Sit’n Go – Die Endphase

Analyse der Auszahlungsstruktur

Der Dritte erhält in der Regel 20 % des Preispools, der Zweite 30 % und Platz Nummer Eins 50 %. Dies ist eine etablierte und auch interessante Auszahlungsstruktur. So ist die Differenz zwischen Platz 2 und 3 eigentlich marginal und beträgt gerade mal 10 %. Wenn man im Heads-Up um Platz Eins kämpft, geht es immerhin wieder um 20 %. Also wirklich ausgeglichen ist die Auszahlung in einem Sit’n Go nicht und der Sprung von Platz 3 auf 2 unterscheidet sich deutlich von Platz 4 auf 3 und Platz 2 auf 1.

Das Spiel zu Dritt

An dieser Stelle gibt es verschiedene Meinungen. Manche bevorzugen die Taktik die “Leiter hochzuklettern”, also passiv zu spielen und auf das Ausscheiden der Gegner zu warten. Dies ist wegen der an dieser Stelle schon hohen Blinds meist nicht der richtige Ansatz. Ihre Gegner sind dann im Stande, einen Pot nach dem anderen zu stehlen, ohne auf Gegenwehr zu stoßen. Ein “Wegblinden” ist also garantiert. Wann es natürlich Sinn macht, sehr passiv zu spielen, ist in dem Fall wenn Ihre beiden Gegner extrem loose sind und sich die Chips um die Ohren werfen. Warum nicht ein paar Hände warten und sich ins Heads-Up folden?

Im Grunde kann man aber zu Dritt volles Risiko gehen und versuchen sich einen großen Stack aufzubauen, um später im Heads-Up einen möglichst großen Vorteil zu haben. Wenn man dabei als Dritter ausscheidet, ist das weit weniger tragisch als würde man später im Heads-Up verlieren, denn da geht es wie oben bereits erwähnt wieder um 20 % des Preisgeldes. Den großen Stack baut man sich “einfach” dadurch auf, ständig Druck auf seine Gegner auszuüben und viele Versuche zu unternehmen, Pots zu stehlen. Die meisten Gegner spielen in dieser Phase dennoch tight, weil sie sich ins Heads-Up retten wollen um sich den Turniersieg zu sichern.

Das Spiel im Heads-Up

Die grundlegende Strategie zum Heads-Up wurde bereits in einem eigenen Artikel abgehandelt. Dabei dreht sich aber alles um das “Standard-Heads-Up Match”. In einem Sit’n Go sieht das Ganze wieder etwas anders aus. Denn schließlich befinden wir uns am Ende eines Turnieres und die Blinds schrumpfen bekanntlich nicht bei selbigem. Gerade bei Turbo-Sit’n Gos sind die Blinds im Heads-Up derart hoch, dass man keinen Raum mehr zu manövrieren hat.
Daraus folgt, dass Ihre Edge, also Ihr Vorteil, den Sie im Heads-Up normalerweise gegen schwache Spieler haben, gegen Null geht und es im Prinzip reines “Gegamble” ist, wer sich den Turniersieg sichert. Falls die Blinds noch nicht so hoch sind, können Sie sich freuen, denn als geschulter Pokerspieler ist Ihr Vorteil umso größer je kleiner die Blinds sind.

Wenn man in den meisten Sit’n Go Heads-Ups keine Edge haben kann, was soll man dann machen? Zum einen ist es wie oben bereits erwähnt von großem Vorteil sich schon zuvor einen großen Stack anzuhäufen. Entweder durch aggressives Spiel am Bubble oder beim Spiel zu Dritt. Nur so können Sie sich einen Vorteil im Heads-Up verschaffen und Ihre Chancen auf den Turniersieg erhöhen. Haben Sie zum Beispiel eine 3:1 Chipführung inne, kann es Ihnen egal sein ob Sie einen Vorteil haben oder nicht, denn Ihre Siegchancen liegen bei 75 % unabhängig davon ob die Blinds hoch oder niedrig sind.

Wenn Sie mit gleichem Chipstand antreten ist Ihr Vorteil einzig von den Blinds abhängig. Bei hohen Blinds geht Ihr Vorteil wieder gegen Null und bei niedrigen ist er je nach Spielstärke gegeben. Mit gleichem oder kleineren Stack und verhältnismäßig hohen Blinds können Sie also nur gambeln. Aber immerhin sind Ihnen schon 30 % des Preisgelds sicher…


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