Pokerstrategie

Slowplay ist nicht so gut wie es aussieht

Das Problem mit den kleinen Pots
Das offensichtlichste Problem ist ganz einfach die Tatsache, dass man eine schwache Hand vorgeben muss, also nur checken oder callen darf ohne selbst Stärke zu demonstrieren. Auf dieser absichtlichen Irreführung basiert das Konzept des Slowplays. Allerdings bedeutet das auch, dass man den Pot erstmal klein hält mit der Hoffnung in späteren Setzrunden einen umso größeren Pot zu spielen. Das Problem liegt darin, dass man dem Gegner die Gelegenheit gibt günstig aus der Hand auszusteigen. Man bringt den Gegner durch Slowplay nicht dazu sich zu committen und er kann ohne weiteres günstig die Hand beenden. Ein klassisches Beispiel hierzu:
Man sitzt mit QJ am Button, der Gegner raist in später Position und man callt. Gespielt wird ein No-Limit Cash Game. Der Flop ist: AKT was QJ zu den Nuts macht. Man checkt und der Raiser macht eine Continuation Bet. Viele Spieler denken sich an dieser Stelle, dass Slowplay das beste Spiel ist. Schließlich simuliert man damit eine schwache Hand oder einen Draw wie K8 oder JT. Doch in dieser Situation ist es meist deutlich besser zu check-raisen und gleich hier einen großen Pot aufzubauen. Denn es ist nicht unwahrscheinlich, dass der Gegner diesen Flop ebenfalls gut getroffen hat. Mit AK und AT hätte er Two Pair und könnte nur schwer loslassen. Damit stellt man ihn vor eine schwere Entscheidung und wenn er den Check-Raise callt ist der Pot am Turn bereits extrem groß. Aller Wahrscheinlichkeit nach kann man schon am Turn all-in gehen und ihn wieder vor eine schwere Entscheidung stellen.

Das Problem mit den Suckouts

Ein bekannter Nachteil des Slowplay ist die Tatsache, dass man seinen Gegnern freie oder günstige Karten und damit die Gelegenheit gibt die bessere Hand zu machen. Recht früh lernt man, dass es nicht falsch sein kann sein Geld als Favorit in die Mitte zu bekommen. Und dabei macht auch Slowplay keine Ausnahme.
Im Grunde muss „nur“ entsprechend gewichtet werden. Wenn der potentielle Profit durch Slowplay das Risiko eines Suckouts überwiegt, sollte man sich für Slowplay entscheiden. Wenn man aber zweifelt ob Slowplay wirklich sinnvoll ist, sollte man sich lieber dagegen entscheiden alleine um das Risiko von Suckouts zu minimieren.

Der notorische Slowplayer

Es gibt tatsächlich Spieler, die ihre starken Hände sogut wie immer langsam spielen. Dieses Betting Pattern kann man sehr, sehr leicht entschlüsseln. Man braucht nur den ein oder anderen Showdown zu sehen, bei denen der Gegner eine starke Hand gefloppt hat. Diese Showdowns wirklich starker Hände entgehen einem im Übrigen sehr selten. Sieht man zweimal, dass der Spieler eine starke Hand getroffen hat und zweimal spielt er langsam, ist es sehr wahrscheinlich, dass er zu den notorischen Slowplayern gehört. Diese sind mit einigermaßen guten „Reading Skills“ extrem leicht zu schlagen. Wenn ein gefährlicher Flop ohne großartige Draws kommt und der notorische Slowplayer callt einen Einsatz am Flop, sollte man lieber die Füße still halten und abwarten anstatt einen Pot aufzubauen.
Das schöne ist, dass der notorische Slowplayer glaubt tricky zu sein, aber im Grunde ist er nur sehr leicht zu durchschauen und macht mit seinen starken Händen kaum Profit.

Schwierigkeiten mit Bluffs
Was machen die (denkenden) Gegner wenn sie einen Spieler beim Slowplay erwischen? Richtig, sie speichern diese Information und schreiben sich hinter die Ohren, dass der Spieler diesen Zug im Repertoire hat. Wenn der Spieler beim nächsten Mal gar nichts auf der Hand hat und einen Bluff starten will, hat er ein Problem. Denn die Gegner werden ihm das nur schwer abkaufen und davon ausgehen, dass er wieder langsam spielen würde, wenn er eine starke Hand hätte.

Die Slowplay-Thematik ist sehr kompliziert und vielschichtig weil sie zum Gebiet des „Meta Games“ gehört. Das ist keine exakte Wissenschaft und es gibt so viele Faktoren zu berücksichtigen, dass man als einfacher Spieler kaum einen Durchblick haben kann. Dieser Artikel soll nicht implizieren, dass Slowplay grundsätzlich schlecht ist, sondern die Thematik etwas kritischer beleuchten als das die meisten Pokerbücher und Strategie Artikel machen.


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