Pokerstrategie

Small Ball Poker

Zielsetzung beim Small Ball Poker

Man kann Small Ball auch treffend mit “Spiel kleiner Pots” umschreiben. Der Spieler versucht die Pots möglichst klein zu halten, um nicht die Kontrolle zu verlieren und sein Risiko zu senken. Denn jeder kennt die Gefahr bei großen Pots. Stellen Sie sich vor, mit AA vor dem Flop einen Reraise in später Position zu tätigen, bei Blinds von 1/2 Euro und Stacks von 200 Euro liegen hier sogar in einem Heads-Up Pot gerne einmal 50 Euro im Pot bei verbleibenden Stacks von 175. Es ist also gerade mal nur noch gut dreimal soviel im Stack als im Pot. Wenn Sie bei einem unscheinbaren Flop wie KT8 eine Continuation Bet in Höhe von 40 Euro machen und gecallt werden sind 130 Euro im Pot und etwa genauso viel in Ihrem Stack. Jeder weitere Einsatz wäre im Grunde ein All-in!

Diese Spielweise stellt Sie häufig vor schwierige Entscheidungen. Was ist wenn beim oben genannten Flop eine Q auf dem Turn kommt und plötzlich drei Karo auf dem Tisch liegen und Sie Ihr Gegner all-in setzt? Callen Sie hier mit nur einem Paar?
Hier setzt Small Ball Poker an und verspricht einfachere Entscheidungen und vor allem nicht das Risiko seinen ganzen Stack mit nur einem Paar zu verlieren.

Small Ball Poker Strategie

Das Hauptziel ist es also kleine Pots mit kleinen oder durchschnittlichen Händen zu spielen und große, wenn man eine unschlagbare Hand hat. Das ist manchmal leider widersprüchlich. Ein ultra aggressiver Spieler kann mit jeder Hand einen großen Pot aufbauen. Er verliert den ein oder anderen großen, aber wenn er die Nuts hat gewinnt er auch entsprechend große. Aber was passiert wenn ein Spieler mit kleinen Einsätzen plötzlich die ganz großen Einsätze auspackt? Das wird dem Gegner merkwürdig vorkommen. Und genau da liegt die große Kunst im Small Ball Poker.

Das wichtigste ist einmal das Potential von Starthänden zu analysieren. Was ist der wahrscheinlichste Fall, der mit dieser und jener Hand eintritt? Wenn Sie AK halten sollten Sie nicht davon ausgehen eine Straight zu floppen. Das ist sehr unwahrscheinlich, vor allem da Ihnen nur QJT diese Straight gibt. Wahrscheinlicher ist es Top Pair zu floppen, vielleicht sogar Two Pair. Gegen Hände wie AQ können Sie einen großen Pot gewinnen, aber auch einen großen verlieren wenn Sie nur Top Pair und Ihr Gegner Two Pair oder ein Set floppt. Bei der Small Ball Strategie versuchen Sie dies zu verhindern. Sie gewinnen weniger große, verlieren aber auch weniger große Pots. Mit AK werden Sie also keinen großen Pot vor dem Flop aufbauen um dann mit Top Pair Pot committed zu sein, sondern nicht zu viel Geld vor dem Flop investieren und abwarten ob Sie nach dem Flop als klarer Favorit da stehen.

Bei Händen wie 44, 77, also kleinen Pocketpaaren tendieren Sie als Small Ball Spieler vor dem Flop eher zu einem Fold wenn bereits ein ordentlicher Raise erfolgte. Natürlich rechtfertigen die Implied Odds häufig sogar gegen AA solche Hände zu spielen, aber das wäre wiederum ein Ansatz mit hohem Risiko und hoher Belohnung. Als Small Ball Spieler versuchen Sie aber Risiken zu vermeiden.

Ein ganz entscheidender Punkt beim Small Ball Poker ist die Einsatzgröße. Denn diese muss klein genug sein um kleine Pots zu spielen. Wenn Sie am Flop eine Continuation Bet machen, muss es nicht immer Potgröße sein. Es reicht auch mal nur ein Viertel des Pots anzuspielen. Das erfüllt meist den gleichen Zweck und hält den Pot um ein vielfaches kleiner. Angenommen es sind 100 Euro im Pot und Sie betten 100 und Ihr Gegner callt. Dann befinden sich bei der nächsten Setzrunde 300 Euro im Pot. Wenn Sie jetzt aber nur 30 Euro in den 100 Euro Pot setzen, haben Sie die Potgröße halbiert! Und das ist meist ein großer Unterschied!

Auch ein Check hält den Pot sehr klein. An einigen Stellen müssen Sie sich fragen ob Sie nicht einen ähnlichen Effekt mit einem Check erzielen und dafür den Pot deutlich kleiner halten.

Small Ball Poker ist nicht nur ein Modewort. Es steckt schon eine richtige Strategie dahinter. Es geht vor allem darum sein Risiko zu senken. Dies geht meist nur auf Kosten des möglichen Gewinns, aber die Varianz ist damit deutlich kleiner und in vielen Situation vorteilhaft. Zum Beispiel zu Beginn eines Turnieres wo Sie bei kleinen Blinds keinen Großteil Ihres Stacks riskieren wollen.


1 Kommentar
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Hugo2020
11 Jahre zuvor

HI
ich hätte mal eine Frage zu dem Thema.
Ist es dann nicht ähnlich wie ein durchgehendes Slowplay ?
Und gibt man, damit nicht wie beim Slowplay dem Gegner, wieder die Chance seine Draws zu verfollständigen? Ich sehe da keine langfristige gewinnspannde.
Zumal man mit sehr kleinen Preeflop bets auch viele Gegner anlockt. Wenn man dann die Nuts hält, schön und gut aber nehmen wir mal ein Bsp. sie raisen AK aus mid position und haben schon einen utg+1 limper, ich denke mal das der SB Spieler so ca. max 3-4 BBs bettet. Wenn überhaupt =) und sagen wir sie bekommen 3 caller + BB defendet und sie flopen die Nuts QJT. Jedoch ist ein Flushdraw möglich, egal wie der SB Spieler spielt, er wird dem FlushHunter, die Odds zum callen geben. Vieleicht sogar eine Freecard nehmen um so zu gucken ob der Flush auch ankommt, um dann noch mehr vom Gas zu gehen.
Ich würde gerne wissen, wie die SB theorie, langfristig profitabel ist. Oder ob es einfach nur eine schöne möglichkeit für die ersten 3 Phasen eines Tunier ist würde gerne mehr darüber lesen/erfahren können
Danke

Gruß
Hugo