Pokerstrategie

Sollte man eine Pokerkarriere anstreben?

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Grundsätzlich gilt: je später man sich diese Frage stellt, desto ernsthafter ist es auch. Denn wer gerade erst zu spielen begonnen, sein erstes Sit and Go gewonnen hat, und Phil Ivey und Co. Unheimlich cool findet, sollte sich nicht ernsthaft fragen ob er Profi werden kann, sondern erstmal spielen und Erfahrung sammeln.

Als halbwegs erfahrener Spieler kommt man mit den verschiedensten Spielern in Kontakt, die von sich behaupten Pokerprofi zu sein. Einiges davon ist positiv, einiges aber auch negativ. An dieser Stelle möchte ich vor allem einmal auf die Nachteile eingehen, die mir in letzter Zeit immer deutlicher werden.

Abhängigkeit

Ein Pokerprofi ist eigentlich selbstständig und damit unabhängig. Aber das ist er auch nur auf den ersten Blick. In Wirklichkeit ist er nicht nur – wie viele andere selbstständige auch – von seinen Kunden abhängig, sondern auch von der eigenen Performance – und das nicht unerheblich. Das erste Risiko ist, dass die “Fische” ausbleiben und einfach nicht mehr genug Profit umsetzbar ist. Einige finden das zu vernachlässigen, weil es augenscheinlich immer genug gibt, die Geld ins System bringen und nur zum Spaß spielen. Mag sein, aber die Entwicklung der letzten Jahre hat gezeigt, dass der Profit immer dünner wird. Während man vor einigen Jahren sogar mit 10 Dollar Sit and Gos einen sehr guten Stundenlohn erzielen konnte, tut man sich heute schon schwer. Der Grund ist nicht, dass es weniger Spieler gäbe, sondern dass die Spieler besser ausgebildet sind. Kaum jemand hat sich vor ein paar Jahren für Pokerstrategie interessiert. Mittlerweile ist diese aber in großem Maße im Internet oder Bücher erhältlich und ein großer Prozentsatz der Spieler weiß längst Bescheid über Outs und Pot Odds. Früher hätten diese Spieler auch nur mit einem Gutshot ein all-in bezahlt – heutzutage machen das immer weniger.
Die zweite Form der Abhängigkeit ist die von der eigenen Leistung. Das heißt, dass man über viele Jahre Winning Player sein und ständig an seinem Spiel arbeiten muss. Es gibt genügend vermeintliche Profis, die aus irgendwelchen Gründen einfach nicht mehr die gleiche Leistung bringen können und damit irgendwann von der Bildfläche verschwinden. Ein weiterer Nachteil, der unmittelbar damit zusammen hängt ist das Problem mit der Varianz. So unwahrscheinlich es auch klingt, aber ein Spieler kann über Monate oder auch Jahre im Plus sein ohne wirklich profitabel zu spielen. Er kann über einen langen Zeitraum Entscheidungen mit -unterm Strich- negativem Erwartungswert treffen, die Varianz aber auf seiner Seite haben und trotzdem als Gewinner da stehen. Wenn man dann denkt nach paar Monaten Profi werden zu können, weil man über diesen Zeitraum Profit gemacht hat, kann man sich leichter täuschen als einem lieb ist…

Soziale Probleme

Viele kennen nur die Profis, die in Saus und Braus leben und von Turnier zu Turnier wandern. Nebenher noch eine Partie Golf um 10.000 Dollar pro Loch spielen und das Leben genießen. Zweifelsohne gibt es diese Spieler. Doch es gibt auch klassische Onlinepoker Profis, die eigentlich nur vor ihrem PC sitzen und versuchen monatlich immer mehr zu verdienen. Es liegt auf der Hand, dass einige dieser Spieler Probleme bekommen wenn sie 10 Stunden täglich allein vorm PC sitzen und sich nicht um die Welt außerhalb kümmern. So sieht man immer wieder Spieler, die zwar fünfstellige Beträge im Monat verdienen, aber unfähig sind sich um einfachste Dinge zu kümmern. Und statt sich eine Freundin zu suchen, vergnügen sich manche lieber woanders – das Geld dafür hat man schließlich.

Dieser Artikel soll natürlich kein Angriff oder dergleichen auf Onlinepoker Profis sein, sondern nur auch einmal die Schattenseiten dieses Berufs und Probleme aufzeigen, mit denen viele zu kämpfen haben. Ich bin nur der Meinung, dass die Pokerindustrie das Leben von Pokerprofis attraktiver machen will als es ist – und die Gründe hierfür liegen auf der Hand.
Empfehlenswert ist vor allem in aller Gründlichkeit die Vor- und Nachteile abzuwägen bevor man den Versuch wagt professionell zu spielen und zum Beispiel das Studium hierfür abbricht. Und wer im Poker Winning Player ist, ist das noch lange nicht im Leben…

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