Pokerstrategie

Vorsicht beim Limitaufstieg

Zwei offensichtliche Voraussetzungen

Eine Voraussetzung für den Limitaufstieg wurde bereits angesprochen: Die nötige Bankroll. Dies ist ein sehr einfaches Kriterium, denn es ist eigentlich die Grundvoraussetzung schlechthin. Das Prinzip ist eigentlich ganz einfach: Selbst mit hohem positiven Erwartungswert braucht man ein Polster um die Varianz abzufedern. Die Varianz tritt bei allen Zufallsentscheidungen ein und hier macht Poker keine Ausnahme selbst wenn man 90 % in Führung ist kann man verlieren. Ein ganz einfaches Beispiel ist ein Roulette-Spiel: die Spielbank gibt Ihnen bei einem Einsatz von 1 Euro 100 Euro wenn die Zahl kommt, auf die Sie setzen. Wenn nicht, verlieren Sie Ihren Einsatz. Es ist offensichtlich, dass bei den üblichen 36 Möglichkeiten und der Null ein positiver Erwartungswert vorliegt. Sie haben aber nur 10 Euro dabei, was bei der geringen Wahrscheinlichkeit von 1 zu 36 deutlich zu wenig ist, um von diesem positiven Erwartungswert zu profitieren.
Im Poker ist es auch nicht anders. Selbst wenn Sie auf einem Limit profitabel spielen können, brauchen Sie die Bankroll um die Varianz abzufedern. Doch nicht nur die Bankroll ist ein Kriterium, sondern auch die gespielten Hände auf dem unteren Limit. Natürlich ist es möglich die nötige Bankroll aufzutreiben, für manche reiche Leute ist das überhaupt kein Problem. Aber wer sagt, dass Sie auf diesem Limit Winning Player sein können? Dies findet man nur heraus, wenn man extrem viele Hände auf einem Limit spielt. Dabei gibt es keine konkreten Richtlinien wie 1000, 3000 oder 25000 Hände, allerdings den wichtigen Hinweis nicht zu schnell aufzusteigen, nur weil es extrem gut auf einem Limit läuft.

Die Gefahr beim Limitaufstieg

Und schon sind wir bei einer möglichen Gefahr: ein zu schneller Limitaufstieg. Es ist verlockend, wenn man scheinbar recht schnell ein Limit schlagen kann und aufgrund dessen schon die nötige Bankroll für ein höheres Limit hat einfach dort hin zu wechseln. In der Tat sind auf diese Weise viele Nachwuchsprofis entstanden. Sie hatten einen langen Upswing, waren auf allen Limits erfolgreich und irgendwann landen sie auf einem hohen Limit. Wenn der Upswing aufhört, werden sie von der Realität eingeholt. Es läuft plötzlich nichts mehr und sie kommen auf die Idee ein Limit nach unten zu gehen. Doch auch dort läuft es nicht besser und sie schlagen es scheinbar nicht. Und auch beim nächsten Limit ist das so und so weiter. Schließlich landen sie wieder ganz unten und dürfen den Weg erneut bestreiten. So sehen manche Online-Poker Karrieren aus: von NL10 innerhalb weniger Wochen auf NL5000 und wieder innerhalb weniger Wochen zurück auf NL10.
Es ist keine Frage, dass solche Auf und Abs die Karriere gefährden können und an der Psyche knabbern. Hierfür gibt es sogar viele prominente Beispiele. Etwas, das leider nur wenige beachten ist die Volatilität der Gewinne/Verluste. Wenn man NL100 spielt ist diese Volatilität natürlich geringer als bei NL200. Man verliert oder gewinnt im Durchschnitt bei einer Session NL200 mehr als auf einem niedrigeren Limit. Angenommen Sie können mit 5 BB/Stunde auf einem niedrigeren Limit spielen und mit 3 BB/Stunde auf einem doppelt so hohen Limit, ist zwar das höhere Limit profitabler aber Sie sollten ins Auge fassen trotzdem weiterhin auf dem unteren Limit zu bleiben. Das klingt erstmal absurd, aber wenn Sie sich überlegen, dass die Schwankungen auf dem höheren Limit auch doppelt so hoch ist, ist das durchaus eine Überlegung wert. Das würde Ihnen viel Stress und Sorgen ersparen. Es ist zwar eine unprofitablere Vorgehensweise aber eine mit geringerem Risiko.

Beim Limitaufstieg gibt es viele Punkte zu beachten. Die offensichtlichen sind Bankroll und die eigenen Fertigkeiten. Auch offensichtlich ist zunächst die Überlegung der Profitabilität. Doch bei dieser wird meiner Meinung nach die Volatilität zu selten beachtet. Zu viele achten nur auf den Profit und können später mit den Schwankungen nicht mehr umgehen – das ist dann ein großes Problem.


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