Die World Series of Poker (WSOP) 2026 in Las Vegas liefert wie gewohnt Drama am laufenden Band. Doch was sich in der vergangenen Tagen an den Turniertischen abspielte, sorgt in der Poker-Community für kollektives Entsetzen und befeuert eine hitzige Debatte über die Kompetenz der Turnierleitung. Im Epizentrum des jüngsten Regel-Skandals: High-Stakes-Pro und Bracelet-Gewinner Patrick „Pads“ Leonard, der Opfer einer der wohl schlechtesten Entscheidungen der WSOP-Geschichte wurde.
6 Minuten im Tank – und ein Countdown mit Ansage
Was war passiert? Die Szene, die sich wie ein Lauffeuer über X (ehemals Twitter) und Instagram verbreitete, ereignete sich in einer extrem kritischen Turnierphase – unmittelbar vor der Bubble beim $2,500 No-Limit Hold’em Event.
Patrick Leonard verwickelte seinen Kontrahenten am River in einen massiven Pot und setzte ihn mit einem All-in maximal unter Druck. Der Gegner ging tief in den Tank und überlegte geschlagene sechs Minuten, ohne eine Entscheidung zu treffen. Völlig legitim verlangte schließlich ein anderer Spieler am Tisch die Turnieleitung herbei, und rief „Clock“ aus.
Ein Floormanger übernahm die Leitung, startete den offiziellen 30-sekündigen Countdown und leitete die letzten fünf Sekunden hörbar und deutlich ein. Als die Zeit abgelaufen war, deklarierte er die Hand des Spielers laut und unmissverständlich für „dead“ (tot).
In jeder regulären Poker-Turnierwelt ist dieser Spruch der Turnierleitung absolut bindend. Die Hand gilt als gefoldet, die Action ist vorbei, der Pot wandert zum verbleibenden Spieler. Doch bei dieser WSOP laufen die Uhren offenbar anders.
Wer sich selbst ein Bild von der wohl schlechtesten Turnierentscheidung des Sommers machen möchte, findet das Originalvideo hier auf X:
Der verspätete Call: Fehlentscheidung mit Ansage
Erst Sekunden nach dem offiziellen Ablauf des Countdowns und der klaren „Dead“-aussage vom Floormanager entschloss sich der sichtlich überforderte Gegner plötzlich, laut „Call“ auszurufen. Anstatt die eigenen Regeln konsequent durchzusetzen, knickte das WSOP-Staff-Mitglied ein, revidierte die soeben getroffene Entscheidung und ließ den verspäteten Call tatsächlich noch zählen.
Besonders skurril: Wie Leonard später auf X postete, griff sogar der Dealer am Tisch sofort ein und korrigierte seinen Vorgesetzten. Der Dealer sowie die restlichen Spieler am Tisch bestätigten geschlossen, dass der Call deutlich nach der „Dead“-Aussage kam. Ein Spieler schätzte die Verzögerung sogar auf bis zu fünf Sekunden. Trotz des Vetos vom eigenen Dealer und den Protesten am Tisch blieb die Turnierleitung stur. Ein hastig herbeigerufener, höherrangiger Floor bestätigte das Fehlurteil. Leonard verlor den anschließenden Showdown und damit einen gigantischen Pot kurz vor den Geldrängen.
„Pads“ zeigt sich als guter Verlierer
Trotz des herben Verlusts und des bitteren Ausscheidens zeigte sich Patrick Leonard im Nachgang als absoluter Sportsmann. In einem exklusiven Interview im PokerNews Podcast (Episode 980) und auf seinen Social-Media-Kanälen betonte er, dass er dem Gegner absolut keine Absicht oder bösen Willen (Angle Shooting) unterstellt:
„Ich habe überhaupt kein Problem mit dem Typen. Er fühlte sich sofort extrem schlecht, als er merkte, was passiert war, und bot mir direkt einen fetten Swap (Prozenttausch) an, obwohl er das Fünffache meines Stacks hatte. Er tat mir fast leid, er schien ein guter Junge zu sein. Mein Ärger richtet sich einzig und allein gegen die Inkompetenz der Turnierleitung.“
Der Fall hinterlässt dennoch einen extrem faden Beigeschmack für die restliche Turnierserie der WSOP 2026. Wenn offizielle Countdowns und unmissverständliche Ansagen der Floors am Tisch nicht mehr bindend sind, verkommt das Regelwerk zur reinen Auslegungssache.

