Beim Spiel Bayern München gegen Borussia Dortmund zeigt ein Wettanbieter eine Quote von 1,9 für einen Sieg der Bayern an. Doch wie genau ist der Buchmacher auf diesen Wert gekommen? Die Quoten sind das Herzstück bei jeder Sportwette und verraten, wie ein Wettanbieter die Wahrscheinlichkeit eines Ergebnisses einschätzt. Wir erklären, wie der Berechnungsvorgang in der Praxis funktioniert und welche Chancen sich daraus für Spieler ergeben können.
Was ist eine Wettquote?
Die Wettquote zeigt an, wie viel Geld beim Abschluss einer Wette gewonnen werden kann. Gleichzeitig spiegelt sie auch die Wahrscheinlichkeit für das Eintreffen eines bestimmten Ereignisses wider. Je höher die Quote, desto geringer die vom Buchmacher eingeschätzte Eintrittswahrscheinlichkeit.
Das Prinzip ist ganz einfach. Der Einsatz wird mit der Quote multipliziert. Bei einer Quote von 2,0 und einem Einsatz von 10 Euro würde der Gewinn bei 20 Euro liegen. Bei einer Quote von 5,0 und einem Einsatz von 20 Euro wären es bereits 100 Euro.
Die Ursprünge dieses Systems kommen aus England. Im 19. Jahrhundert begannen Buchmacher dort damit, bei Pferderennen feste Quoten anzubieten. Damals wurden die Quoten noch in Bruchform angegeben, zum Beispiel als „5 zu 1“ (5/1). Das bedeutete einen Gewinn von 5 Einheiten für jede gesetzte Einheit. In Europa wurde die Dezimalquote zum Standard. Eine Quote von ‚5 zu 1‘ entspricht in Dezimalschreibweise 6,0 – also 5 Einheiten Gewinn plus 1 Einheit Einsatz.
Wie berechnet sich eine Wettquote?
Wettquoten basieren auf Wahrscheinlichkeiten. Zunächst schätzt der Buchmacher ein, wie hoch die Chance für ein bestimmtes Ergebnis ist.
Früher geschah das größtenteils aus dem Bauch heraus. Die Buchmacher setzten auf ihre Erfahrung, analysierten Ergebnisse und hörten sich im Umfeld der Teams um. Heute läuft das selbstverständlich weit professioneller ab. Online Wettanbieter arbeiten mit umfangreichen Datenbanken. Diverse Statistiken, Algorithmen und mittlerweile auch KI-gestützte Systeme berechnen Wahrscheinlichkeiten mit hoher Genauigkeit.
Dennoch: Vom Prinzip hat sich nichts verändert. Das lässt sich am besten anhand eines einfachen Beispiels aus der Praxis demonstrieren. Bei einem Spiel in der Serie A zwischen Juventus Turin und dem AC Mailand schätzt der Buchmacher die Siegchancen folgendermaßen ein:
- Juventus gewinnt: 45 %
- Unentschieden: 30 %
- AC Mailand gewinnt: 25 %
Um daraus eine Quote zu berechnen, teilt er 1 durch die Dezimalwahrscheinlichkeit. Eine Wahrscheinlichkeit von 45 % entspricht 0,45 – daraus ergibt sich eine Quote von 1 / 0,45 = 2,22.
- Juventus: 1/0,45 = 2,22
- Unentschieden: 1/0,3 = 3,33
- AC Mailand: 1/0,25 = 4,00
Mit diesen Quoten würde der Buchmacher jedoch keinen Gewinn machen. Deshalb kalkuliert er sich nun noch seinen sogenannten Overround mit ein, also seine Marge. Die Quoten werden dabei leicht reduziert, damit er unabhängig vom Ergebnis immer einen kleinen Vorteil hat. Die endgültigen Quoten könnten dann beispielsweise so aussehen:
- Juventus gewinnt: 2,10
- Unentschieden: 3,20
- AC Mailand gewinnt: 3,80
Profis errechnen mithilfe eines Online-Rechners oder der entsprechenden Formel daraus die Auszahlungsquote und können so einschätzen, wie fair die Quotenstruktur eines Buchmachers ist. In der Praxis lässt sich das allerdings auch gut erkennen, wenn die Quoten einfach mit jenen von anderen Buchmachern verglichen werden.
Welche Quotenformate gibt es?
Wer sich bei Wettanbietern aus unterschiedlichen Ländern und Regionen umgesehen hat und dabei auch auf die besten Wettanbieter ohne Limit gestoßen ist, wird erkannt haben, dass die Wettquoten dabei manchmal in unterschiedlichen Formaten dargestellt werden.
- Die Dezimalquote ist der Standard in Europa. Eine Quote von 2,5 bedeutet, dass der Einsatz mit diesem Wert multipliziert wird, um den Gewinn zu errechnen.
- In England sind immer noch die Bruchquoten vonden historischen Pferdewetten gebräuchlich. Eine Quote von 5/2 bedeutet, dass es für 2 gesetzte Einheiten 5 als Gewinn gibt – also insgesamt 7 zurück. In Dezimalquote entspricht das einem Wert von 3,5. Da diese Quoten schwerer zu lesen sind, werden sie außerhalb des Vereinigten Königreichs kaum genutzt.
- In den USA gibt es die sogenannten Moneyline-Quoten. Hier gibt es positive und negative Werte. Die positiven Werte (z. B. + 250) zeigen an, wie viel Gewinn 100 US-Dollar bringen würden. Negative Werte (z. B. – 200) geben an, wie viel man setzten muss, um 100 US-Dollar Gewinn zu erzielen.
Wettquoten richtig einschätzen und nutzen
Wer die Quoten richtig liest, kann mögliche Schwächen im Markt erkennen – und so sogenannte ‚Value-Wetten‘ identifizieren. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe.
Trotz hochmoderner Systeme, mit denen alle Buchmacher arbeiten, kommen sie zu unterschiedlichen Einschätzungen. Dadurch kann es vorkommen, dass ein Anbieter eine Quote von 2,10 ausweist, ein anderer Anbieter aber 2,20. Auf lange Sicht kann das einen großen Unterschied machen.
Außerdem verändern sich die Quoten. Wer den Markt beobachtet, kann erkennen, wenn viele Menschen auf ein bestimmtes Ergebnis setzen, denn dadurch sinkt die Quote. Gerade bei Live-Wetten ändern sich die Quoten oftmals blitzschnell. Wer hier das Spielgeschehen richtig analysiert, kann von kurzfristigen Fehleinschätzungen der Buchmacher profitieren.
Anders ausgedrückt: Durch den Margenaufschlag haben die Buchmacher zwar vom Start weg einen leichten Vorteil. Mit etwas Geschick, einem guten Gespür und guten Informationsquellen lässt sich der Rückstand jedoch aufholen.
