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Online Poker: Everleaf Akte geschlossen – Oros verurteilt

Mit der Verurteilung des Everleaf Gaming Geschäftsführers Michael Zwi Oros im November 2017 schließt sich die Akte Everleaf. Einzig eine Frage bleibt: wie kommen die Pokerspieler an ihre Gelder?

Everleaf GamingEs waren jene Schlagzeilen, die unter Pokerspielern nicht gerne gelesen werden: Veruntreuung von Spielergeldern, Lizenzentzug, Steuerhinterziehung. Die Rede ist vom unrühmlichen Untergang des Everleaf Netzwerkes.

Vom Spross zum immergrünen Blatt
Der Beginn von Everleaf Poker klingt wie eine übliche Business Erfolgsstory. Gegründet wurde Everleaf vom österreichisch-rumänischen Geschäftsmann Jean Pavili, der sich neben seinen Handelsaktivitäten ein weiteres Standbein schaffen wollte. Poker war angesagt, ein Investment in die Gaming Industrie versprach hohe Renditen und war daher die logische Folge. Everleaf Gaming Limited wurde 2005 auf Malta gegründet und erwarb dann eine Lizenz. Die erfolgreiche Firma stieg in den Reigen der anerkannten Netzwerke auf und konnte nicht zuletzt dank vieler Skins auf erheblichen Traffic verweisen.

Höhepunkt und Sinkflug
Um frisches Kapital in die neu gegründete Gesellschaft zu bringen, suchte Pavili Partner und wurde bei einem Schweizer Geschäftsmann fündig. Die Everleaf Gaming Limited unter der Führung von Franz Gerhart (kaufmännisch) und Helmut Kleinhans (technisch) feierte indes fünf Jahre nach der Gründung den Break Even. Kurz darauf – im Jahr 2011 – wurde die Führung ausgetauscht. Pavilis Cousin Michael Oros ersetzte Gerhart als Geschäftsführer. Mit Gerhart verließ auch Kleinhans die Firma und beide fanden in der Firma des ehemaligen Schweizer Investors Arbeit. Dieser wiederum sicherte sich im Austausch für sein Investment die Rechte an der Everleaf Software. Die neu gegründete Gesellschaft des Investors konnte mit Plutos Network bald einen neuen Kunden begrüßen.

Zurück zu Everleaf: Nachdem Gerhart seinen Hut nehmen musste, setze der neue Vertrauensmann von Pavili grundlegende Veränderungen um. Das Echo ließ nicht lange auf sich warten, sah sich der neue Geschäftsführer bald mit einer Reihe von Anschuldigungen konfrontiert. Erst verbannte das Netzwerk amerikanische Spieler aufgrund in den USA in Kraft getretener gesetzlicher Bestimmungen (Stichwort Black Friday) ohne Spielergelder zu refundieren, dann sah die maltesische Regulierungsbehörde LGA (Malta’s Lotteries & Gaming Authority) Everleaf genauer auf die Finger und drohte mit Lizenzentzug. Der Höhepunkt war längst überschritten, es folgte der rasante Tiefflug.

Lizenzentzug und Festnahmen
Auszahlungsschwierigkeiten und Unregelmäßigkeiten im Spielbetrieb führten im Juli 2013 zu einem Lizenzentzug durch die LGA. Damit wurde das Pokernetzwerk mit bis zu 110 einzelnen Pokerseiten lahmgelegt. Sowohl Pavili als auch seinem Cousin Oros wurde die Veruntreuung von Spielergeldern – die Rede ist von 800.000 Euro – angelastet. Im September 2014 klickten für Oros die Handschellen, Pavili wurde zwei Monate später verhaftet. Pavili verstarb während dem laufenden Verfahren. Die logische Konsequenz war die Einstellung des Verfahrens gegen ihn. Oros zeigte sich geständig und wurde in 12 Punkten schuldig gesprochen, darunter Steuerhinterziehung, Veruntreuung und wegen ausständiger Lizenzgebühren. Oros Schuldspruch: vier Jahre auf Bewährung.

Auszahlung der Spielergelder?

Geprellte Spieler dürfen mit der Schließung der Akten wieder auf ihre Gelder hoffen, denn schon mit der Festnahme Pavilis 2014 wurden Teile seines Privatvermögens eingefroren. 900.000 Euro sollen beschlagnahmt worden sein, davon 800.000 für veruntreute Spielergelder und 100.000 Euro für ausständige Lizenzgebühren. Das Geld wurde sichergestellt, allerdings muss erst eine Lösung gefunden werden, wie es den Weg zum rechtmäßigen Besitzer findet.

Lebemann Pavili
Wer die Geschichte von Everleaf verstehen will, muss sich zwangsweise mit der Person Jean Pavili auseinandersetzen. Er galt als cleverer Geschäftsmann, der sein Geld mit Einkauf und Verkauf von Duty-Free Waren machte. Seine Fähigkeiten im Kopfrechnen beeindruckten sein Umfeld gleichermaßen wie seine analytischen Fähigkeiten. Er verdiente viel Geld, aber er pflegte auch einen sehr kostspieligen Lebensstil – er galt als Lebemann.

Wer so einen Lebensstil pflegt, der braucht wahrlich reichlich Einnahmen um seine fixen und weniger fixen Kosten zu decken. Ob es jetzt mit dem Zigarettenhandel nicht gut lief, oder ob er einfach trotz guter Einnahmen dennoch über seine Verhältnisse lebte, kann heute schwer beurteilt werden. Als gesichert gilt: Um seine Kosten zu decken „lieh“ er sich Spielergelder. Er erlebte noch seine Anklage, verstarb aber Ende 2014. Sein Tod war der letzte Tribut an seinen Lebensstil.


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